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  FTD-Serie: Die Nobelpreise des Jahres 2008

Sekt und Blitzlichtgewitter für wenige, enttäuschte Hoffnungen für viele: In diesen Tagen gibt die Nobel-Stiftung bekannt, wer 2008 die Nobelpreise für Medizin (6.10.), Physik (7.10.), Chemie (8.10.), Literatur (9.10.), Frieden (10.10.) und Wirtschaft (13.10.) erhält.

Merken   Drucken   13.10.2008, 21:17 Schriftgröße: AAA

Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften: Bush-Kritik ist preiswürdig

Mit Paul Krugman erhält ein scharfer Kritiker der Regierung George W. Bush den Wirtschaftsnobelpreis. Ausgezeichnet wird der Professor an der Eliteuni Princeton für seine Beiträge zur Theorie des Außenhandels und zur Wirtschaftsgeografie. von Ulrike Heike Müller (Berlin)
Dies teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit. Drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA bedeutet die Entscheidung des Preiskomitees für den Kandidaten der Demokraten, Barack Obama, eine unerwartete Wahlkampfhilfe. Krugman ist Anhänger der Demokraten und mischt sich wie kaum ein anderer Ökonom in die politische Debatte ein. Der als "Starökonom" gepriesene Wissenschaftler lehnt die reine Marktwirtschaft ab und befürwortet Staatsinterventionen.
Einen politischen Zusammenhang mit der Wahl wies der schwedische Juror Mats Persson zurück: "Das ist reiner Zufall." Das Nobelkomitee könne seine Entscheidungen nicht von solchen Ereignissen abhängig machen. Krugman selbst sagte, er sei "total überrascht".
"Das ist eine mutige Entscheidung", sagte Bert Rürup, Chef des Sachverständigenrats, der FTD. "Ich kenne keinen Ökonomen, der sich so kritisch in die aktuelle Politik seines Landes einmischt." Zweifellos werde dies von den Demokraten aufgegriffen.
Der US-Ökonom Paul Krugman hat bei seinen Theorien nicht nur die ...   Der US-Ökonom Paul Krugman hat bei seinen Theorien nicht nur die Interessen der Unternehmen im Blick
Der streitbare Krugman galt seit Jahren als heißer Anwärter auf die weltweit wichtigste Auszeichnung für Ökonomen. Zwar ehrten die Juroren ihn für Arbeiten, die er vor 30 Jahren als 25-Jähriger veröffentlichte. Doch mit heute 55 Jahren ist er im Vergleich zu anderen Preisträgern noch immer relativ jung.
Krugman, der seinen Ruf als kreativer Denker nach seiner Promotion bei dem US-Ökonomen Rüdiger Dornbusch mit Arbeiten zur Außenhandelstheorie begründete, publiziert in angesehenen wirtschaftlichen Fachzeitschriften und schrieb 20 Bücher, in denen er in einfacher und verständlicher Sprache komplizierte ökonomische Zusammenhänge schildert.
Krugmans jüngstes Buch erschien im Frühjahr auf deutsch unter dem Titel "Nach Bush. Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten". Darin streitet der Professor vehement für die Überwindung der zunehmenden Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft.
Geradezu Kultstatus erreichte er mit seinen wöchentlichen Kolumnen in der "New York Times". Unter anderem warf er darin US-Finanzminister Henry Paulson vor, dieser habe bei der Lösung der Finanzkrise wertvolle Zeit verschwendet, bevor er sich zur vorübergehenden Teilverstaatlichung von Finanzinstituten entschlossen habe. Die Briten hingegen hätten den richtigen Kurs vorgegeben, dem auch anderer europäische Länder folgten, schrieb er etwa am vergangenen Sonntag.
Noch schärfer griff der Ökonom US-Präsident Bush wegen dessen Haltung zur Finanzkrise an. "Herr Bush hat unsere Regierung degradiert und Gesetze unterlaufen", schrieb er in seiner Kolumne vom 18. Mai. "Er hat uns in ein strategisches Desaster und ins moralische Elend gestürzt."
Die Finanzkrise stufte Krugman schon im Frühjahr als ein systemisches Risiko ein, das die kapitalistischen Wirtschaftsform gefährden könnte. In einem FTD-Interview ging er damals davon aus, sie sei "wahrscheinlich bald vorüber". Er irrte wie viele andere Volkswirte.

Teil 2

  • Aus der FTD vom 14.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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