Der US-Ökonom Paul Krugman hat bei seinen Theorien nicht nur die Interessen der Unternehmen im Blick
Der streitbare Krugman galt seit Jahren als heißer Anwärter auf die weltweit wichtigste Auszeichnung für Ökonomen. Zwar ehrten die Juroren ihn für Arbeiten, die er vor 30 Jahren als 25-Jähriger veröffentlichte. Doch mit heute 55 Jahren ist er im Vergleich zu anderen Preisträgern noch immer relativ jung.
Krugman, der seinen Ruf als kreativer Denker nach seiner Promotion bei dem US-Ökonomen Rüdiger Dornbusch mit Arbeiten zur Außenhandelstheorie begründete, publiziert in angesehenen wirtschaftlichen Fachzeitschriften und schrieb 20 Bücher, in denen er in einfacher und verständlicher Sprache komplizierte ökonomische Zusammenhänge schildert.
Krugmans jüngstes Buch erschien im Frühjahr auf deutsch unter dem Titel "Nach Bush. Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten". Darin streitet der Professor vehement für die Überwindung der zunehmenden Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft.
Geradezu Kultstatus erreichte er mit seinen wöchentlichen Kolumnen in der "New York Times". Unter anderem warf er darin US-Finanzminister Henry Paulson vor, dieser habe bei der Lösung der Finanzkrise wertvolle Zeit verschwendet, bevor er sich zur vorübergehenden Teilverstaatlichung von Finanzinstituten entschlossen habe. Die Briten hingegen hätten den richtigen Kurs vorgegeben, dem auch anderer europäische Länder folgten, schrieb er etwa am vergangenen Sonntag.
Noch schärfer griff der Ökonom US-Präsident Bush wegen dessen Haltung zur Finanzkrise an. "Herr Bush hat unsere Regierung degradiert und Gesetze unterlaufen", schrieb er in seiner Kolumne vom 18. Mai. "Er hat uns in ein strategisches Desaster und ins moralische Elend gestürzt."
Die Finanzkrise stufte Krugman schon im Frühjahr als ein systemisches Risiko ein, das die kapitalistischen Wirtschaftsform gefährden könnte. In einem FTD-Interview ging er damals davon aus, sie sei "wahrscheinlich bald vorüber". Er irrte wie viele andere Volkswirte.