Nicht immer bequem: der Chefsessel, den dauerhaft nur besetzen kann, wer seine Fähigkeiten nachweist
Kritikern zufolge birgt Letzteres allerdings die Gefahr, dass internes Gemauschel unterstützt wird - frei nach dem Motto: Hilfst Du mir, helf ich Dir beim nächsten Mal bei einem Karriereschritt. Experten halten das 360-Grad-Feedback dennoch für ein hilfreiches Instrument, um auch die Mitarbeitermotivation in einem Unternehmen zu beurteilen. Befinden sich einige Team-Mitglieder bereits in der inneren Kündigung, sollte dies im Audit auffallen.
Der Blick von oben
Weit verbreitet ist auch das so genannte Top-Down-Verfahren (auch 180-Grad-Audit), bei dem Führungskräfte die ihnen direkt unterstellten Mitarbeiter beurteilen. Ebenso kommt das klassische Assessment-Center zum Einsatz. Immerhin 16 Prozent der von Pelz und seinem Team befragten Unternehmen bedienen sich dieses Instruments. Deutlich weniger oft werden Persönlichkeits- und Intelligenztests, Fallstudien, Rollenspiele, Projektaufgaben oder Teilnehmer-Präsentationen eingesetzt.
Untersucht wird neben der Führungskompetenz häufig auch das Vermögen, Konflikte im Team zu lösen, Prozesse voranzutreiben, strategische Entscheidungen herbeizuführen. Im günstigsten Fall erreicht der Auditor bei den Teilnehmern eine bessere Selbstreflexion in Sachen Führung und kann motivieren, mehr für die persönliche Entwicklung zu tun.
Auffällig ist, dass interne Audits bei den Führungskräften deutlich mehr Zufriedenheit hinterlassen als die von externen Beratern durchgeführten Überprüfungen. Für Verunsicherung sorgt der Untersuchung zufolge vor allem, dass die Beteiligten nicht wissen, was mit den Ergebnissen geschieht. Denn Audits werden immer öfter auch zur Legitimierung von Personalmaßnahmen eingesetzt. Deshalb, rät Management-Experte Pelz, muss schon im Vorfeld klar sein, worum es geht: Beförderung, Entledigung, Entwicklung oder Verbesserung der Performance. Doch egal, welches Ziel im Vordergrund steht, ein Audit sollte möglichst keine Verlierer hinterlassen, so Pelz. Ansonsten ist mit einer langfristigen Verbesserung der Führungsleistung und der Unternehmenskultur eher nicht zu rechnen.