Als Siemens-Bereichsvorstand Lothar Pauly im Frühjahr vor Journalisten über sein schwer kriselndes Handygeschäft referierte, brach er zusammen. Mit den Worten "Mir ist schlecht" verließ der Chef der Siemens-Kommunikationssparte den Saal. von Thomas Fromm, München, und Martin Ottomeier, Hamburg
Lothar Pauly
Das dem 46-jährigen Manager damals die Beine wegbrachen, verwunderte kaum: Gerade sein Bereich ist es, der dem Konzern im vergangenen Quartal Verluste von 70 Mio. Euro einfuhr. Offenbar sind dem Manager die anhaltenden Probleme nachhaltig auf den Magen geschlagen - denn nun wechselt er als neuer Leiter von T-Systems zur Deutschen Telekom. Wie das "Manager Magazin" berichtet, soll die Ernennung durch den Telekom-Aufsichtsrat schon am Freitag geschehen. Zwar wollten weder Siemens noch die Telekom den Bericht kommentieren. Indirekt aber bestätigte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, dass die Personalie bei der anstehenden Aufsichtsratssitzung ein Thema ist. Er wolle "Aufsichtsratsentscheidungen nicht vorgreifen", sagte er am Rande der IFA in Berlin.
Pauly hinterlässt eine Sparte mit ungewisser Zukunft: Ende des Monats gibt Siemens sein defizitäres Handygeschäft an den taiwanischen Elektronikkonzern BenQ ab. Nach der Ausgliederung des Geschäfts mit Schnurlostelefonen sind nun weitere Umstrukturierungen geplant. Nach FTD-Informationen liegen Pläne für einen radikalen Umbau des Firmenkundenvertriebs vor. Demnach soll künftig nur noch das Service- und Vertriebsgeschäft mit Großkunden im Konzern verbleiben, während das margenschwächere Geschäft mit Kunden aus dem Mittelstand ausgegliedert werden soll. Die Zukunft des Geschäfts mit seinen über 4000 Beschäftigten sei "zurzeit völlig offen", hieß es aus unternehmensnahen Kreisen.
Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld setzt seine Mitarbeiter unter großen Druck - alle zwölf Konzernbereiche sollen bis 2007 ihre Margenziele erreichen. Notfalls auch mit knallharten Einschnitten. Da habe es Pauly vorgezogen, zur Telekom zu wechseln, meinen Beobachter. Doch auch hier dürfte es nicht leicht werden: Pauly tritt bei T-Systems die schwere Nachfolge der verstorbenen Vorstandes Konrad Reiss an. Um im Wettbewerb mit der globalen Konkurrenz zu bestehen, ist die Sparte der Deutschen Telekom gezwungen, ihr Geschäft stark auszuweiten. Seit einiger Zeit kursieren Gerüchte über einen Zukauf oder ein Joint Venture mit dem französischen IT-Dienstleistungsunternehmen Atos Origin.
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