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Merken   Drucken   17.07.2006, 20:22 Schriftgröße: AAA

Peter Sawicki: Machtprobe des Pillentesters

Wenn Peter Sawicki auf Vertreter der Pharmabranche trifft, ist die Stimmung stets aufgeheizt. Ständig liegen sich Sawicki und die Lobbyisten der Branche in den Haaren. von Stefanie Kreiss
Peter Sawicki, Chef des Instituts für Qualität im ...   Peter Sawicki, Chef des Instituts für Qualität im Gesundheitswesen, legt sich mit der Pharmalobby an
"Ihre Argumentation ist ein Witz", rief Deutschlands oberster Medikamententester jüngst auf einer Podiumsdiskussion einem Manager zu. Der konterte: "Wie so oft in den letzten zehn Jahren wollen Sie unsere Seite einfach nicht verstehen."
Am Dienstag kommt es zur Entscheidung in der größten Machtprobe, die der 49-Jährige bei seinen Kampf gegen aus seiner Sicht unnütze Medikamente angezettelt hat. Dabei geht es um die Verbannung gleich einer ganzen Medikamentenklasse aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen.
Entscheidung über Diabetesmittel
Der Gemeinsame Bundesausschuss, ein Gremium von Krankenhäusern, Ärzten und Kassen, entscheidet über die Kassenzulassung neuartiger Diabetesmittel, so genannter Insulinanaloga.
Nach Ansicht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das Sawicki leitet, ist das Mittel zwar teurer, aber nicht besser als bisherige - und deshalb von den Kassen nicht zu zahlen. Das Gutachten des IQWiG dient dem Ausschuss als Entscheidungsgrundlage, kann aber überstimmt werden.
Schon als Assistenzarzt legte sich Sawicki mit den Mächtigen an. Dass er Herzinfarkte unterschiedlich behandeln sollte, je nachdem, welcher Oberarzt gerade Dienst hatte, wollte dem Jungmediziner nicht in den Kopf: "Da habe ich gedacht, das kann ja wohl nicht wahr sein."
Keine "eminenzbasierte Medizin"
Geprägt durch solche Erlebnisse wandte er sich der so genannten evidenzbasierten Medizin zu. Die stellte sich der an vielen Kliniken üblichen "eminenzbasierte Medizin" entgegen, bei der frei nach dem Motto gehandelt wird: "Was der Chef sagt, kann gar nicht falsch sein." Nach Sawickis Ansicht sollen sich Therapien ausschließlich am Stand des Wissens orientieren, beispielsweise am Ergebnis wissenschaftlicher Studien.
Karriere machte der Facharzt als Diabetologe an der Uniklinik Düsseldorf. Im Jahr 2000 wurde er Direktor der Inneren Medizin des Sankt Franziskus Hospitals in Köln. Parallel profilierte er sich europaweit als Diabetesforscher, war Mitherausgeber des pharmakritischen Fachdienstes "Arznei-Telegramm" und gründete ein Institut für evidenzbasierte Medizin. Seit 2004 leitet er das IQWiG.
Passionierter Fliegenfischer
Der passionierte Fliegenfischer und Bergwanderer verströmt im persönlichen Gespräch trotz grau melierten Haars den Charme eines großen Jungen. Kritiker meinen dennoch, der zweifache Familienvater kanzle Einwände oft arrogant ab.
Druck auszuhalten sei er gewohnt, betonte der Musikliebhaber stets. Sollte er an der Spitze des Instituts einmal nicht mehr gebraucht oder erwünscht sein, werde er ganz bestimmt nicht von Existenzängsten geplagt: "Dann werde ich wieder Notarztwagen fahren. Das kann ich auch gut."
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  • Aus der FTD vom 18.07.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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