Dietz war am Montag nicht zu erreichen. Der 48-Jährige ist im Urlaub. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Vertraute von Dietz berichten, dass dem Manager der Druck der Märklin-Eigentümer und Finanzinvestoren Kingsbridge Capital und Goldman Sachs auf die Mitarbeiter zu hoch geworden sei. Derzeit laufen bei Märklin Gespräche, um die Personalkosten von derzeit insgesamt 50 Mio. Euro um 5 Mio. Euro zu senken. Die Eigner sind unzufrieden, weil Dietz die Kosten nicht stark genug senkte, um den in diesem Jahr eigentlich geplanten Gewinn einzufahren. "Auf der Umsatzseite hat Dietz gute Arbeit geleistet, aber die Kosten sind noch zu hoch", sagte jemand aus dem Märklin-Umfeld. Das Unternehmen müsse "die Kosten weiter straffen", teilte Märklin mit.
Die Aussagen deuten darauf hin, dass nach dem Vertriebs- und Markenexperten Dietz ein Sanierer an die Märklin-Spitze rücken könnte. Das zumindest wolle Goldman Sachs, heißt es. Allerdings gebe es bei der Suche nach einem neuen Chef dem Vernehmen nach einen Konflikt zwischen den Eigentümern. So wolle Kingsbridge nicht unbedingt einen Sanierer, sondern eher einen Manager aus der Spielzeugindustrie als Dietz-Nachfolger.
Kingsbridge und Goldman Sachs hatten Märklin Mitte 2006 übernommen. Damals stand die Traditionsfirma, die in diesem Jahr rund 130 Mio. Euro Umsatz anstrebt, vor der Pleite. Dietz wurde Anfang 2007 Firmenchef.
Nach einer Sanierung mit Hunderten Jobkürzungen galt Märklin bei vielen Mittelständlern und Bankern lange Zeit als Muster für eine gelungene Übernahme einer Traditionsfirma durch einen Finanzinvestor. Denn die Eigner investierten und finanzierten auch kleinere Zukäufe, um Märklin wieder auf Kurs zu bringen. Für diese Strategie gab es Ende 2007 den Preis für Europas besten Turnaround von einem Verband von Sanierungsexperten. Doch der Weg in die Profitabilität ist noch nicht geschafft. "Unser Ziel ist, 2009 wieder schwarze Zahlen zu schreiben", sagte der Märklin-Beiratsvorsitzende Michel Perraudin. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 47 Mio. Euro. Der Auftragseingang legte um zwölf Prozent auf 94,2 Mio. Euro zu. Zum Verlust gab es keine Angaben.
Wie bei Firmen, die Finanzinvestoren gehören, üblich ist Dietz mit einem geringen Anteil an Märklin beteiligt. Ihm sollen zwischen drei und vier Prozent der Anteile gehören. "Er wird dieses Paket zurückgeben, dabei aber kein Geld verdienen", heißt es. Eine Abfindung soll Dietz nicht bekommen. Bevor der Manager bei Märklin anheuerte, war er Chef des Molkereikonzerns Theo Müller.