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Merken   Drucken   28.08.2008, 19:05 Schriftgröße: AAA

Porträt: Andreas Kaufmann - Der Selbstablöser

Er beteiligt sich an Firmen und überlässt die Führung erfahrenen Managern. Bei Leica führt der frühere Lehrer zum ersten Mal ein Unternehmen selbst und treibt die Sanierung voran - damit er sich schnell wieder absetzen kann. von Jarka Kubsova (Solms)
Gäbe es einen Schnappschuss von dem Moment, in dem Andreas Kaufmann das erste Mal eine Leica sah, das Bild würde einen jungen Mann mit Jimmy-Hendrix-Frisur zeigen und ein strahlendes blondes Mädchen, Kaufmanns Verlobte. "Schau mal, was ich habe", ruft die Frau aufgeregt. Doch Kaufmann sieht bloß eine Kamera. "Schau genau!" Er schaut auf den kantigen, schwarzen Kasten, auf den roten Punkt mit dem weißen Schriftzug über dem Objektiv. "Das ist eine Leica!", weist sie ihn beleidigt zurecht.
Lange hielt die Verlobung nicht, das Mädchen verschwand bald aus Kaufmanns Leben. Dafür gehört ihm heute Leica - zumindest fast. Seit drei Jahren hält er über seine Beteiligungsfirma ACM Projektentwicklung 96,5 Prozent. Zufrieden ist er damit nicht, er will Leica ganz. Doch daraus wird erst mal nichts, einem Beschluss der Hauptversammlung über die Zwangsabfindung der übrigen Minderheitsaktionäre erteilte das Landgericht Frankfurt diese Woche eine Absage.
Das ist nicht alles. Anfang September sehen sich Kaufmann und Ex-Leica-Vorstandschef Steven Lee vor Gericht wieder. Kaufmann hatte den US-Manager Anfang des Jahres nach nur 15 Monaten vor die Tür gesetzt. Über die Gründe kursieren verschiedene Gerüchte. Lee soll Mitarbeiter beleidigt, Händler und Zulieferer vergrault haben. Vor Gericht will Lee seinen Ruf wiederherstellen - und fordert mehrere Millionen Euro.
Nach dem Rauswurf Lees hat Kaufmann das Management selbst in die Hand genommen. Rechtsstreitigkeiten sind dabei sein kleinstes Problem. Leica steckt in der Krise, Kaufmann treibt die Sanierung voran - schnell, er will nicht lange bleiben. "Ich bin hier, um mich überflüssig zu machen", sagt der 54-Jährige.
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Kaufmann hat sich in den drei Jahrzehnten seit seiner ersten Begegnung mit Leica verändert. Er erinnert jetzt eher an eine rundliche Version des Regisseurs Roberto Benigni als an Gitarrengott Hendrix. Leica  hat sich dagegen kaum gewandelt. Bei einem Rundgang durch die Produktion erfährt man, wieso. "Sie ist perfekt", sagt ein Mitarbeiter. Dann geht es weiter, vorbei an Menschen in weißen Kitteln. Hinter Glaswänden beugen sich Mitarbeiter über Lupen, hantieren mit filigranem Gerät und polieren mit feinen Tüchern edles Glas und Messing. Deutsche Wertarbeit. Täglich rollen Busse mit Fans in die hessische Provinzstadt Solms.
Die Beschaulichkeit endet in Kaufmanns Büro, der Chef redet sich in Rage. Was außer Kult hätte aus Leica nicht alles werden können! Immer wieder hat das Unternehmen die Zukunft der Fotografie erfunden - und sie verpasst. "Unsere Kunden brauchen das nicht, pah!", ruft Kaufmann. Es ist der Satz, der 1976 auf einer Sitzung fällt, nachdem das Unternehmen den Autofokus entwickelt hat. Das damalige Management entscheidet: "Unsere Kunden können selbst fokussieren." Fotografen empören sich noch heute über so viel Überheblichkeit. 1985 bringt Minolta das Konzept zur Serienreife. Die Kunden sind verrückt danach.

Teil 2: Zu schnell für den Massenmarkt

  • Aus der FTD vom 29.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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