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Merken   Drucken   19.04.2007, 19:23 Schriftgröße: AAA

Porträt: Hans Berger - Der Sünder

Die HSH Nordbank war die erste Landesbank, die einen privaten Investor ins Boot holte. Still und beharrlich arbeitet der Chef des Instituts nun am Börsengang - und zeigt den Öffentlich-Rechtlichen, wie das Geschäftsmodell der Zukunft aussehen könnte. von Nina Luttmer (Hamburg)
Was mich als Banker wirklich ärgert, sind Konflikte, die nicht ausgetragen werden", sagt Hans Berger mit unüberhörbar norddeutschem Akzent. Er bewegt sich vorsichtig einige Schritte auf sein Publikum zu. "Geht Ihnen das nicht auch oft so? Können Sie mir sagen, was für Folgen das in Ihrer Abteilung schon hatte?" Betretenes Schweigen in der schmucklosen Lobby der HSH Nordbank am Gerhard-Hauptmann-Platz in Hamburg. 50 Banker der Abteilung Finanzen und Risiko in dunklen Anzügen halten sich steif an ihren Stühlen fest. Berger lächelt unsicher, geht zurück zu seinem Stehtisch, auf dem sein Redetext liegt. Obwohl er über 1,80 Meter misst, wirkt er jetzt kleiner, schmächtiger.
Unter dem Motto "Berger on Tour" stellt er sich derzeit allen seinen Mitarbeitern in kleinen Gruppen vor.
Hans Berger legt eine Powerpoint-Präsentation auf - mit hellblau-weißem Hintergrund, den Farben der HSH Nordbank. Er doziert dabei über seine Erfahrungen als Banker. Doch das Dozieren liegt ihm nicht, er sucht den persönlichen Kontakt: "Kundenorientierung - was heißt das denn für Sie?" Jetzt, eine Stunde nachdem Berger mit seinem Vortrag begonnen hat, hält ein blonder Zuhörer das Schweigen nicht mehr aus. Er wagt den Schritt nach vorn. Und endlich taut auch Berger auf. Er lacht, scherzt, und da die Freude nun ehrlich ist, wird sein Kopf dabei ganz rot. Im direkten Dialog, auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern, liegt die Stärke des HSH-Nordbank-Chefs. Die Diskussionsrunde ist eröffnet. Sie wird über eine Stunde dauern.
Zurückhaltend und akribisch
Dass er nicht gern im Rampenlicht steht, wusste der heute 56-Jährige schon als Kind. Er träumte nicht davon, ein berühmter Astronaut oder Rennfahrer zu werden. Stattdessen wollte er Landvermesser werden wie sein Großvater, ein einsamer Job, bei dem es auf Genauigkeit ankommt. Dass er sich dann doch für eine Bankkarriere entschied, lag daran, dass es ihn "dann doch abschreckte, bei jeder Jahreszeit, bei Wind und Wetter draußen zu arbeiten".
An den Rummel um seine Person wird sich Berger nun gewöhnen müssen. Seit Januar leitet er den weltgrößten Schiffsfinanzierer und die wohl modernste deutsche Landesbank - obwohl Kritiker anmerken, die HSH Nordbank sei überhaupt keine Landesbank mehr. Denn als erstes öffentlich-rechtliches Institut holte sie im vergangenen Jahr einen privaten Investor mit ins Boot: JC Flowers kaufte sich mit einem Anteil von 27 Prozent ein. Gemeinsam mit Flowers will die HSH als erste Landesbank sogar an die Börse. 2008 oder 2009 soll es so weit sein.
HSH-Nordbank-Chef Hans Berger   HSH-Nordbank-Chef Hans Berger
Die HSH gilt in konservativen Kreisen als Sündenfall des öffentlich-rechtlichen Bankensektors, als erstes Institut, das sich bald ganz aus dem staatlichen Bereich verabschieden wird. Die moderner gesinnten Banker dagegen betrachten die HSH als Landesbank der Zukunft, die sich durch einen privaten Anteilseigner neue Geschäfts- und Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten eröffnet.
So kündigte der Chief Financial Officer der Bank, Hartmut Strauß, unlängst an, die HSH Nordbank strebe eine engere Kooperation mit Flowers' japanischer Shinsei Bank und seiner niederländischen NIBC an.

Weiterlesen: Die große Mission ist der Börsengang

  • Aus der FTD vom 20.04.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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