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Merken   Drucken   13.03.2008, 21:04 Schriftgröße: AAA

Porträt: John Fredriksen - Der Anti-Norweger

Mit seiner früheren Heimat hat der Investor gebrochen. Von London aus kauft er weltweit Firmen zusammen, um sie zu neuen Konzernen zu verschmelzen. Jetzt streckt der aggressive Multimilliardär die Hand nach der TUI-Reederei Hapag-Lloyd aus. von Clemens Bomsdorf (Kopenhagen) und Mark Krümpel (Hamburg)
Wenn John Fredriksen  etwas Wichtiges mitzuteilen hat, schickt er Tor Olav Troim vor. Der 44-jährige Troim ist so etwas wie die jüngere Version des Unternehmers aus Norwegen: kräftiges Gesicht, gescheiteltes Blondhaar, schmaler Mund. "Wenn Troim spricht, dann ist es so, als würde Fredriksen zu Ihnen sprechen", sagt einer, der beide kennt. Und in der Sache gibt sich der Junge ebenso kompromisslos wie der Alte. "Troim ist ein knallharter Typ, der zieht die Sachen für Fredriksen durch."
Eine dieser "Sachen" ist die Trennung der Hapag-Lloyd-Reederei vom TUI-Konzern. Fredriksen hält mehr als fünf Prozent der TUI -Aktien und will den Vorstand dazu bringen, die florierende Schifffahrtssparte vom schwächelnden Reisegeschäft abzuspalten. Als TUI-Aktionär würde er in diesem Fall Anteile der neuen Gesellschaft erhalten. Der Reeder wäre mit einem Schlag einer der mächtigsten Miteigentümer Hapag-Lloyds.
Um diese Pläne voranzutreiben, schickte Fredriksen vor wenigen Tagen wieder einmal seinen Vertrauten Troim vor und ließ ihn verkünden, es sei sehr wahrscheinlich, auf der nächsten TUI-Hauptversammlung am 7. Mai die nötige Dreiviertelmehrheit für einen entsprechenden Beschluss hinter sich zu sammeln.
Über seine Gesellschaft Frontline betreibt der Investor John ...   Über seine Gesellschaft Frontline betreibt der Investor John Fredriksen die größte Tankerflotte der Erde
Hätte diese kühne Strategie jemand anderes als Fredriksen entworfen, hielte sich die Aufregung der TUI-Oberen in Grenzen. Doch dem 63-jährigen Reeder mit dem zyprischen Pass traut man in der Branche einiges zu. In seiner früheren Heimat Norwegen nennt man Fredriksen den "großen Wolf". Er sei einer, der sich an die ahnungslose Beute heranschleicht - und dann plötzlich zuschlägt.
Wer weiß, was der Mann aus dem Norden mit Hapag-Lloyd vorhat? Nachdem im Herbst bekannt geworden war, dass Fredriksen fünf Prozent der TUI-Aktien hält, hüllte sich der Reeder wochenlang in Schweigen. Spekulationen, wonach er Hapag-Lloyd übernehmen wolle, ließ er unkommentiert.
Stark bei Fischen und Schiffen
Vor zwei Wochen schreckte er Vorstand und Aufsichtsrat von TUI mit einem zweiseitigen Brandbrief auf, in dem er die Aufspaltung fordert. Die engere Verzahnung von Schifffahrtssparte und Reisegeschäft, der Umzug der Konzernzentrale von Hannover an den Hapag-Lloyd-Sitz Hamburg - alle Pläne von TUI-Chef Michael Frenzel wären über den Haufen geworfen. Am Ende könnte es sogar um die Existenz der deutschen Traditionsreederei gehen. Denn, so schreibt Fredriksen vieldeutig, in der Containerschifffahrt komme es auf Größe an. Und Hapag-Lloyd steht weltweit gerade einmal auf Platz fünf der Containerreedereien. Was läge näher als eine Fusion von Hapag-Lloyd mit einem Unternehmen aus Fredriksens Schifffahrtsimperium?
In anderen Branchen hat Fredriksen dieses Szenario schon öfter durchgespielt. Jüngstes Beispiel ist die Fischzucht, neben Inkassofirmen und Riggbauern eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine des Investors. Erst kaufte Fredriksen Anteile des Zuchtunternehmens Marine Harvest, dann fusionierte er die Firma mit Fjord Seafood und Pan Fish. Heute kontrolliert Fredriksen den umsatzstärksten Fischzüchter der Welt.
Bei solchen Aktionen beweist er einen langen Atem. So ist der Aktienkurs von Marine Harvest in den vergangenen Monaten regelrecht abgestürzt - für Fredriksen allenfalls ein Grund, weiter zuzukaufen. So könnte es auch beim TUI-Konzern laufen, dessen Wert sich seit dem Einstieg Fredriksens um beinahe ein Fünftel verringert hat. Dass es dem Investor nur darum geht, an einem steigenden Aktienkurs zu verdienen, gilt als unwahrscheinlich. "Geld hat Fredriksen genug", sagt ein Insider.

Teil 2: Vom Boten zum Schiffseigner

  • Aus der FTD vom 14.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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