Mohamed El-Erian ist CEO der weltgrößten Anleihefondsgesellschaft Pimco
Dutzende Mitarbeiter feilen hier im Handelsraum an Anlageentscheidungen. Sehen, wie ihr Chef die Märkte bewegt. So wie letzte Woche, als El-Erian im Fernsehen polterte, die Nullzinspolitik der US-Notenbank sei ein extrem gewagter Schritt, der ungeahnte Folgen haben und den US-Dollar stark unter Druck setzen könnte. Promt klappte die Währung zusammen.
Die Atmosphäre in Pimcos Handelsraum ist konzentriert. Niemand spricht ein Wort. Doch El-Erian wirkt so entspannt, als weckten die Palmen vor dem Fenster bei ihm immer noch Urlaubsgefühle. Im Interview behält der 50-Jährige Tonfall und Dauerlächeln konsequent bei, egal ob er über die Tiefe der Rezession, noch ausstehende Folgen der Finanzkrise oder haarsträubende Fehler der Konkurrenz spricht.
Deshalb fällt kaum auf, wie knallhart und berechnend seine Antworten sind. Seit September 2007 leitet El-Erian gemeinsam mit William Thompson die Pacific Investment Management Company, kurz Pimco. Außerdem teilt er sich mit William Gross den Posten des Investmentchefs der Allianz-Tochter.
Die beiden Starinvestoren von der Westküste spielen in der Finanzkrise, die hier Lichtjahre entfernt scheint, die Rolle der generösen Helfer und Ratgeber. Schon im Mai boten sie an, geschasste Wall-Street-Banker einzustellen. Später drangen sie darauf, Fannie Mae und Freddie Mac zu verstaatlichen und den Commercial-Paper-Markt wiederzubeleben. Beide Male entschied Washington in ihrem Sinne - und beide Male profitierte Pimco finanziell.
Doch wo endet die persönliche Meinung, wo beginnt die gezielte Steuerung der Märkte, weil Pimco seinen acht Kilometer langen Güterzug voller Cash bereits in eine Richtung auf den Weg geschickt hat?
So etwas weckt an der Wall Street Unbehagen, zumal das Erfolgsunternehmen Pimco seit Jahren vom Vorurteil begleitet wird, die Märkte mit eigenen Aussagen in ihrem Sinne zu beeinflussen. El-Erian wischt die Kritik beiseite. "Manche kritisieren uns, sobald wir den Mund aufmachen. Dabei sind wir nur transparent und teilen unsere Ansichten mit."
Das tut El-Erian mit einer in Investorenkreisen seltenen Offenheit. Zum Beispiel im Hinblick auf Hedge-Fonds. Jeder zweite Hedge-Fonds werde in den kommenden beiden Jahren vom Markt verschwinden, glaubt er. "Viele Anbieter sahen nur gut aus, weil sie in einem einfachen Marktumfeld operierten. Jetzt hat sich das Umfeld geändert. Wenn sie nur gut aussahen, es aber nicht waren, gehen sie jetzt eben unter."