FTD.de » Management + Karriere » Management » Robert Polet - Der Regelbrecher bei Gucci

Merken   Drucken   06.03.2008, 21:57 Schriftgröße: AAA

Porträt: Robert Polet - Der Regelbrecher bei Gucci

Die Wahl des früheren Unilever-Managers an die Spitze der Gucci Group sorgte anfangs für Kopfschütteln. Doch jetzt ist das Luxuskonglomerat hochprofitabel. Der Niederländer hat ein Erfolgsrezept: Er delegiert mehr als je zuvor. von Florian Eder (London)
Immer diese Eiscreme-Frage. Seit Robert Polet bei der Gucci Group  anheuerte, muss er sie sich anhören. Seine Vergangenheit haftet ihm an: Bevor der Mann sich vor knapp vier Jahren daranmachte, das drittgrößte Luxuskonglomerat der Welt zu steuern, war er Herr über das globale Speiseeis- und Tiefkühlkostgeschäft beim Konsumgüterriesen Unilever.
Der Wechsel ist zu ungewöhnlich, um die Frage nicht zu stellen. Die Branche bedient sich sonst ausschließlich aus dem selbst geschaffenen Reservoir an Führungskräften, kaum ein Name, der nicht schon anderswo im großen Modezirkus auf- und wieder abgetaucht wäre. Was also, was verbindet Eis am Stiel mit teuren Handtaschen?
Liest man Polets Antworten aus den ersten Interviews, die er damals gab, klingen sie fast patzig. "Ich habe nie Eiscreme verkauft", sagte er etwa dem "Time"-Magazin im Herbst 2004. "Ich habe Welten verkauft, in denen Menschen Eis essen, aber keine Vanillehörnchen mit Schokolade obendrauf."
Polet war in der Defensive: 26 Jahre hatte er bei Unilever verbracht, und nach Bekanntwerden seines Wechsels sackte der Aktienkurs der französischen Gucci-Mutter PPR  erst einmal kräftig ab. "Kann der Eiscreme-Kaiser unter den heißen Scheinwerfern der Modeindustrie überleben?", fragte damals die "New York Times".
Robert Polet, Chef von Gucci   Robert Polet, Chef von Gucci
Heute lacht der 52-Jährige, wenn die Rede auf Eiscreme kommt. Ein glockenhelles Lachen, das auch vor der Flügeltür seines Londoner Büros noch zu hören sein muss, so laut, dass es selbst der Teppichbodenflausch nicht verschluckt, dass es später beim Abhören des Interviewmitschnitts in den Ohren scheppert. Seine Arbeit, sagt er, bestehe zu 80 Prozent aus genau dem, was er immer getan habe. "Wir tun hier drei Dinge. Wir führen Menschen und leiten sie an, managen Marken und sorgen für eine kreative Umgebung."
Witze über den Eiscrememann
Der hochgewachsene Niederländer kann sich die entspannte Haltung leisten. Statt Guccis Grab zu schaufeln, wie es nicht wenige Fashionistas vorhergesagt hatten, wuchs die Gruppe in den vergangenen drei Jahren bei Umsatz und Gewinn. Seit er die Gucci Group leitet, die Luxussparte des französischen Mischkonzerns PPR, hat der Aktienkurs der Pariser Mutter 50 Prozent zugelegt, deutlich stärker als die Notierung der Konkurrenz LVMH . Und der operative Profit der Gucci-Gruppe wuchs 2007 um 29 Prozent.
Es war ein "schöner Moment", sagt Polet, als Suzy Menkes, die einflussreiche Modechefin des "International Herald Tribune" und Doyenne der Branche, stellvertretend Abbitte leistete: Alle hätten sie sich über den Eiscrememann lustig gemacht, der aber habe gezeigt, dass sie alle falsch lagen, sagte sie 2005 auf einer Luxuskonferenz in Dubai.
Zu Polets Portfolio gehören die Marken Gucci, dazu Balenciaga und Bottega Veneta - neben Dior  die einzigen Label, nach denen auch Leute gieren, die in der Modebranche arbeiten, selbst wenn sie beim Kauf auf den sonst üblichen erheblichen Nachlass verzichten müssen. Dennoch schrieben acht von zehn Marken der Gruppe Verluste, als Polet vor vier Jahren seinen Job antrat.
Sein Ziel war es, alle Marken bis Ende 2007 profitabel zu machen. Bis auf Yves Saint Laurent, schätzen Analysten, ist ihm die Sanierung gelungen. "Bottega war schon vor zwei Jahren profitabel, der Juwelier Boucheron hat das Ziel ein Jahr früher als geplant erreicht und Balenciaga drei Jahre früher ", sagt Polet. Sein Managementstil ist anders als der des Vorgängers. Während Domenico De Sole, ein sizilianischer Rechtsanwalt und 26 Jahre lang bei Gucci, die Entscheidungsprozesse der Gruppe zentralisierte, lässt Polet machen.

Teil 2: "Die Kunst loszulassen"

  • Aus der FTD vom 07.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote