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Merken   Drucken   03.04.2008, 20:20 Schriftgröße: AAA

Porträt: Sung-joo Kim - In die Tasche gesteckt

Sie wurde enterbt und von der Familie verstoßen. Dann baute sie in Asien ihr Modeunternehmen auf. Vor zwei Jahren stieg sie bei dem Münchner Taschenlabel MCM ein. Nun will sie der ramponierten Marke international zu neuem Glanz verhelfen. von Jens Brambusch (Greifswald)
Kurz vor 8.30 Uhr herrscht in der luxuriösen Parterrewohnung in der Nähe des Regent's Park ein Trubel wie am Münchner Stachus. Telefone schrillen, es klingelt an der Haustür. Personal reinigt und klappert mit Frühstücksgeschirr. Kurz heult ein Föhn auf, und von irgendwoher jault der Dalmatinerwelpe Yoda dazwischen.
Die Arbeitsgeräusche in der Londoner Residenz von Sung-joo Kim lassen auf wirklich große Pläne schließen. Der Koreanerin gehört seit einigen Monaten vollständig MCM - das bislang einzige deutsche Handtaschenlabel, das den Giganten der Luxusbranche wie Prada oder LVMH als Wettbewerber jemals Respekt einflößte.
Allerdings war das in den 80er-Jahren, als die von Michael Cromer gegründete Marke Moderne Creation München (MCM) auf ihrem Zenit war. Damals kauften Michael Jackson, Lady Diana und Catherine Deneuve die Lederwaren von MCM. In den 90ern folgte der jähe Absturz.
Das zweite Leben von MCM liegt in den Händen von Sung-joo Kim. Vor zwei Jahren ist sie bei dem Modelabel, für das sie bereits Lizenznehmerin in Asien war, eingestiegen, hat es seitdem umstrukturiert. "Die Marke", prognostiziert sie heute selbstbewusst, "hat das Zeug zu 1 Mrd. $ Umsatz." Weitaus mehr, als sie zu ihren Glanzzeiten erlöste. Verständlich, dass mancher Experte skeptisch bleibt. "Respekt, sie investiert schließlich ihr eigenes Geld", sagt der Branchenberater Franz Schmid-Preissler. "Aber MCM ist als Marke tot. Die Chance, sie weltweit wieder ganz oben zu etablieren, ist minimal."
Doch ein "Geht nicht" scheint es bei dieser energischen Frau nicht zu geben. "Die Geschäftswelt ist harter militärischer Drill", sagt sie. Disziplin sei bei der Umsetzung von Plänen alles. Viel schwingt bei diesen Sätzen mit, ihre Herkunft, ihre Biografie: Sung-joo Kim entstammt einer streng protestantischen Industriellenfamilie aus Südkorea - mit der sie gebrochen hat. Sie wurde enterbt, sie hat sich scheiden lassen, während der Asienkrise 1997 drohte ihr Unternehmen, die Sungjoo International Ltd., unterzugehen. MCM ist nicht ihre erste Herausforderung.
Wie ein Mitglied der US Navy Seals
Die Frau, die auf dem Designersofa sitzt, ist keine Modemaus, nicht naiv, hier sitzt eine 51-jährige Unternehmerin, erfahren, hartnäckig, willensstark. Slipper von Marks & Spencer, einfach geschnittene Hose mit Bügelfalte, schlichte Bluse - alles blütenweiß. Darüber eine kohlschwarze eng taillierte Jacke. Der grellrote Lippenstift ist wie mit dem Lineal gezogen. Die kräftigen, kurz geschnittenen schwarzen Haare scheinen jedes einzeln in Form gebracht worden zu sein.
Kim sieht aus, als wäre sie ein weibliches Mitglied der US Navy Seals in Ausgehuniform: elegant, makellos, schlagkräftig und auch etwas unnahbar. Auf der Anrichte des geräumigen Wohnzimmers stehen Fotos: Sung-joo als Kind, im Kreis der Familie, an der Uni, als sie noch Soziologie und Theologie studierte - auch ihre Tochter ist dabei, die an diesem Morgen an einem Abiturgottesdienst teilnimmt.

Teil 2: Mondänes Leben zwischen London und Seoul

  • Aus der FTD vom 04.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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