Thomas Bach war früher als Fechter erfolgreich, jetzt zählt der 54-Jährige zu den einflussreichsten Funktionären der Welt
Erdverbundener FrankeDer erdverbundene Franke wurde 1953 in Tauberbischofsheim geboren. Noch heute lebt er nur wenige Kilometer davon entfernt. Er focht beim FC Tauberbischofsheim. Er unterhält dort ein Büro, das seine zahlreichen Tätigkeiten koordiniert. Man könnte sagen, Bach habe sich Zeit seines Lebens kaum bewegt. Dies wäre ein kolossales Missverständnis. Denn Bach zählt zu den einflussreichsten Sportfunktionären des Planeten. Seine Erfahrungen als Sportler paaren sich mit Intelligenz, Fleiß, Ehrgeiz und dem Glück, zur richtigen Zeit die richtigen Leute zu treffen. Bach ist kein Visionär, kein begeisternder Redner. Aber er ist ein begnadeter Netzwerker.
"Thomas Bach ist ein sehr ambitionierter Charakter", sagt Peter Danckert (SPD), Chef des Bundestags-Sportausschusses, der sich mit Bach heftige Gefechte zur Dopingbekämpfung liefert. "Er ist weltweit extrem gut vernetzt." Bach ist einer der Kandidaten für die Nachfolge des amtierenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge. Noch nie hat ein Deutscher das Internationale Olympische Komitee (IOC) geführt, das höchste Gremium des Weltsports. Vizepräsident Bach stünde 2009 bereit, falls der 66-jährige Rogge nicht satzungsgemäß für vier Jahre verlängern würde.
Gegen Rogge würde Bach nicht antreten. Das wäre nicht seine Art. Er hat als Fechter gelernt, dass sich der Kampf mit geschlossenem Visier empfiehlt. Bach ist geduldig. Er wäre auch 2013, wenn Rogges Amtszeit endgültig abliefe, bereit. Zwar behauptet er gebetsmühlenartig, er strebe dieses Amt nicht an. Doch das glaubt ihm kaum jemand. Vor wenigen Tagen erst hat sein väterlicher Gönner, der langjährige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch, gesagt: "Vielleicht wird Bach 2013 IOC-Präsident." Bach habe "eine bemerkenswerte Wichtigkeit" im IOC. "Er hat eine große Zukunft." Man muss dazu wissen, dass Samaranch, inzwischen 88 Jahre alt, ganze Stimmenpakete im IOC dirigiert.