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Merken   Drucken   31.07.2008, 20:57 Schriftgröße: AAA

Porträt: Thomas Bachs Welt

Der oberste Sportfunktionär Deutschlands wird schon jetzt als Nachfolger von IOC-Präsident Jacques Rogge gehandelt. Mit Intelligenz, Ehrgeiz und Glück hat er es ganz nach oben geschafft, auch wenn er sich dabei ständig in der Grauzone zwischen Sport, Wirtschaft und Politik bewegt. von Jens Weinreich (Berlin)
Sport wird gern als Schule des Lebens gepriesen. Am Beispiel des obersten deutschen Sportfunktionärs lässt sich wunderbar zeigen, dass sogar die Spezialisierung in einer Randsportart hilfreich fürs Leben sein kann: Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), war einst Florettfechter. 1976 gewann er bei den Olympischen Spielen in Montreal Gold mit der Mannschaft.
Worauf kommt es im Fechten an? Auf Reflexe. Auf Reaktionszeiten. Auf erstklassige taktische Schulung. Auf Ausdauer. Auf Raffinesse. Man muss den Gegner überlisten, braucht Nehmerqualitäten. Und nicht zu vergessen: Fechten ist Kampfsport.
Bach erzählt gern die Geschichte, dass ihn seine Eltern zum Fechten geschickt haben, weil das eine gute Körperschulung sei. Er habe zu Anfang geweint, wollte lieber Fußball spielen, habe sich aber durchgebissen. Heute empfiehlt er die Sportart weiter. Keine Frage, Bach hat auf der Planche fürs Leben trainiert. Er spielt auch Tennis und Fußball. Er sei nicht sensationell talentiert, sagen jene, die gegen ihn verteidigen, aber er wisse, wie man Tore erzielt. Darauf kommt es an, auf dem Platz und im Leben.
Thomas Bach war früher als Fechter erfolgreich, jetzt zählt der ...   Thomas Bach war früher als Fechter erfolgreich, jetzt zählt der 54-Jährige zu den einflussreichsten Funktionären der Welt
Erdverbundener Franke
Der erdverbundene Franke wurde 1953 in Tauberbischofsheim geboren. Noch heute lebt er nur wenige Kilometer davon entfernt. Er focht beim FC Tauberbischofsheim. Er unterhält dort ein Büro, das seine zahlreichen Tätigkeiten koordiniert. Man könnte sagen, Bach habe sich Zeit seines Lebens kaum bewegt. Dies wäre ein kolossales Missverständnis. Denn Bach zählt zu den einflussreichsten Sportfunktionären des Planeten. Seine Erfahrungen als Sportler paaren sich mit Intelligenz, Fleiß, Ehrgeiz und dem Glück, zur richtigen Zeit die richtigen Leute zu treffen. Bach ist kein Visionär, kein begeisternder Redner. Aber er ist ein begnadeter Netzwerker.
"Thomas Bach ist ein sehr ambitionierter Charakter", sagt Peter Danckert (SPD), Chef des Bundestags-Sportausschusses, der sich mit Bach heftige Gefechte zur Dopingbekämpfung liefert. "Er ist weltweit extrem gut vernetzt." Bach ist einer der Kandidaten für die Nachfolge des amtierenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge. Noch nie hat ein Deutscher das Internationale Olympische Komitee (IOC) geführt, das höchste Gremium des Weltsports. Vizepräsident Bach stünde 2009 bereit, falls der 66-jährige Rogge nicht satzungsgemäß für vier Jahre verlängern würde.
Gegen Rogge würde Bach nicht antreten. Das wäre nicht seine Art. Er hat als Fechter gelernt, dass sich der Kampf mit geschlossenem Visier empfiehlt. Bach ist geduldig. Er wäre auch 2013, wenn Rogges Amtszeit endgültig abliefe, bereit. Zwar behauptet er gebetsmühlenartig, er strebe dieses Amt nicht an. Doch das glaubt ihm kaum jemand. Vor wenigen Tagen erst hat sein väterlicher Gönner, der langjährige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch, gesagt: "Vielleicht wird Bach 2013 IOC-Präsident." Bach habe "eine bemerkenswerte Wichtigkeit" im IOC. "Er hat eine große Zukunft." Man muss dazu wissen, dass Samaranch, inzwischen 88 Jahre alt, ganze Stimmenpakete im IOC dirigiert.

Teil 2: Gehorsam und Opportunismus aus Dank

  • FTD.de, 31.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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