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Merken   Drucken   02.04.2009, 20:13 Schriftgröße: AAA

Postbank-Chef Klein: Widerstand gegen den Ein-Euro-Jobber

Postbank-Chef Wolfgang Klein muss in diesem Jahr womöglich mehr verdienen, als er möchte. Er hatte Mitte März über die Presse angekündigt, dass er seinem Aufsichtsrat anbieten werde, in diesem Jahr für nur 1 Euro zu arbeiten. von Nina Luttmer (Frankfurt)
Im Kontrollgremium stößt dieses Angebot nach FTD-Informationen jedoch auf Widerstand. Es sei durchaus möglich, dass der Aufsichtsrat dieses Angebot - das Klein  bislang nicht offiziell eingereicht habe - ablehnen werde, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der FTD.
Klein hatte sich zum Ein-Euro-Jobber erklärt, nachdem es massive öffentliche Kritik an seiner Entlohnung für das vergangene Jahr gegeben hatte. Die zehn 2008 amtierenden Vorstände hatten zwar auf ihre variable Vergütung verzichtet, neben ihrem Festgehalt aber einen "Sonderbonus" von knapp 12 Mio. Euro erhalten, 2,4 Mio. Euro davon gingen an Klein. Diese Prämie erhielten die Manager vor allem dafür, dass sie die Postbank während des Verkaufsprozesses an die Deutsche Bank im vergangenen Jahr nicht verlassen hatten.
Den Sonderbonus hatte der Aufsichtsrat der Postbank gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter verabschiedet. Dafür hatte Aufsichtsrats- und Post -Chef Frank Appel  sein Doppelstimmrecht genutzt. "Wenn die Anteilseigner das Ein-Euro-Angebot annehmen, sähe das aus wie ein Eingeständnis, dass die Zahlung der Boni falsch war", sagte ein hochrangiger Postbank -Mitarbeiter. Zudem sei es fraglich, ob Kleins Vorschlag mit dem Aktiengesetz vereinbar sei, sagte eine andere Person.
Wolfgang Klein auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in ...   Wolfgang Klein auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Frankfurt
Paragraf 87 des Aktiengesetzes legt fest, dass der Aufsichtsrat dafür zu sorgen hat, dass die Vergütung eines Vorstands "in einem angemessenen Verhältnis" zu seinen Aufgaben steht. Problematisch dürfte auch sein, dass nur Klein auf sein Gehalt verzichten will - nicht aber die anderen sieben Postbank-Vorstände. Dem Vernehmen nach sind zumindest einige von ihnen auch verärgert darüber, dass Klein ohne Abstimmung mit seinem Angebot vorgeprescht ist.
Selbst bei den Arbeitnehmern stößt Kleins Angebot auf wenig Begeisterung. Die Tendenz gehe dahin, den Vorschlag abzulehnen, heißt es aus Postbank-Kreisen. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat wollen stattdessen erreichen, dass die Vergütungsstruktur der Postbank-Vorstände grundsätzlich überarbeitet wird. Nach FTD-Informationen haben sie Aufsichtsratschef Appel gemeinsam aufgefordert, sich diesem Thema zu widmen. Dabei geht es ihnen vor allem darum zu erreichen, dass die variable Vergütung der Manager weniger stark von kurzfristigen Ertragskennziffern abhängig gemacht wird. Stattdessen soll künftig die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens im Vordergrund stehen.
Die Zeit für eine Lösung drängt: Es gilt als sicher, dass die Aktionäre auf der Hauptversammlung der Postbank am 22. April nach der Vergütung Kleins fragen werden. Eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung zur Beratung des Themas ist bislang aber nicht angesetzt. Die nächste turnusmäßige Gremiensitzung ist erst im Mai.
17:28:31 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Deutsche Post 13,405 EUR   +1,28%  0.17
Postbank 29,1 EUR   -0,51%  -0.15
  • Aus der FTD vom 03.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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