Der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 stemmt sich mit einer neuen Führungsstruktur gegen seine wirtschaftliche Krise. Die Sendergruppe bündelt die Verantwortung für das Programm seiner vier deutschen Sender Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N24. von Lutz Knappmann (Hamburg)
Dafür schafft das Münchner Unternehmen eine neue Managementebene unterhalb des Vorstands, aber oberhalb der jeweiligen Senderchefs. Den Posten des sogenannten Managing Director German Free TV übernimmt der bisherige Pro-Sieben-Geschäftsführer Andreas Bartl, 45, wie der Konzern am Montag mitteilte. Sein Nachfolger wird der bisherige Pro-Sieben-Vize Thilo Proff.
Bartl unterstehen künftig drei sogenannte Content-Manager, die für die Bereiche Fiction, Unterhaltung sowie Infotainment & Magazine verantwortlich sind. Bei der im vergangenen Sommer zugekauften Senderkette SBS gibt es eine vergleichbare Struktur bereits seit Längerem. "Durch die neue Koordination werden wir die Programmentwicklung verbessern und die Profile der Sender schärfen", sagte Konzernchef Guillaume de Posch.
Dass neben Bartl auch zwei der drei Content-Manager von Pro Sieben stammen, gilt als Signal an das Konzernsorgenkind Sat 1. Der Familiensender hat zwar zuletzt den angestrebten Marktanteil von elf Prozent erreicht und im April sogar übertroffen. Im vergangenen Jahr hatte Sat 1 diese Marke im Schnitt jedoch deutlich verfehlt. Konzernchef de Posch macht die Quotenschwäche von Sat 1 mit dafür verantwortlich, dass der Gesamtkonzern im ersten Quartal dieses Jahres in die roten Zahlen gerutscht ist.
Auch ein radikaler Programmumbau hatte die Sat-1-Quoten zunächst nicht verbessert: Vergangenen Sommer hatte der Sender sein Informationsangebot zusammengestrichen und mehrere Magazinsendungen aus dem Programm gekippt. Der seit Jahresbeginn amtierende neue Sat-1-Chef Torsten Rossmann hat die Strategie erneut umgekrempelt. Mittlerweile tritt Sat 1 mit einer eigenen 20-Uhr-Nachrichtenshow gegen die "Tagesschau" an.
Andreas Bartl kümmert sich jetzt "hauptberuflich" um die Programmauswahl
Bartls bisherige Programmpolitik bei Pro Sieben gilt als großer Erfolg. Shows wie "Germany's Next Topmodel" erreichen Rekordquoten. Eigenproduktionen wie "Schlag den Raab" verkaufen sich auch international. Daher steigt nun der Einfluss der Pro-Sieben-Verantwortlichen im Konzern.
Die wirtschaftliche Krise erschwert allerdings Bartls Einstand: Um den Quartalsverlust auszugleichen, hat sich der Konzern ein 70 Mio. Euro schweres Sparprogramm verordnet. 50 Mio. Euro sollen allein aus dem Programmbudget kommen, das damit auf Vorjahresniveau stagniert. 2007 hatte der Konzern europaweit rund 1,6 Mrd. Euro für das Programm ausgegeben, davon gut 1 Mrd. Euro in Deutschland.
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