FTD.de » Management + Karriere » Management » Mit dem neuen Personalausweis gibt es online keinen Schnaps

Merken   Drucken   12.03.2011, 09:00 Schriftgröße: AAA

Probleme: Mit dem neuen Personalausweis gibt es online keinen Schnaps

Sicher online einkaufen, gefahrlos in Netzwerke einloggen - der neue Identitätsnachweis sollte das möglich machen. Doch es hakt an der Technik. Unternehmen, die ihren Kunden diesen Service anbieten wollen, scheitern an bürokratischen Hürden. von André Schmitdt-Carré
Auf der Cebit gibt es dieses Jahr eine Zweiklassengesellschaft. Es gibt die Besucher, die ihre Eintrittskarten bezahlen müssen. Und es gibt die, die gratis reinkommen. Nämlich alle, die an der Kasse einen elektronischen Personalausweis vorlegen können. Vorausgesetzt, die Funktion für die elektronische Identifikation ist freigeschaltet. Das ermöglicht es dem Inhaber, online einzukaufen. Und das macht ihn für Unternehmen interessant.
Den neuen Personalausweis erhalten deutsche Bürger seit dem 1. November vergangenen Jahres. Auf den ersten Blick unterscheidet ihn nur sein Scheckkartenformat vom Vorgängermodell. Die eigentliche Revolution steckt im Inneren, in einem RFID-Funkchip, der Informationen digital speichert. Dazu gehören etwa das Foto, die Alters- und die Adressangaben des Inhabers. Auch Fingerabdrücke können dort gespeichert werden - das aber nur freiwillig.
Daten auf drei Ebenen
Persönliche Daten
Der Ausweis speichert Informationen auf drei Ebenen. Auf der ersten liegen persönliche Daten, die nur Polizei, Zoll, Steuerfahndung und Ausweisbehörden lesen können. Neben einem Foto und den Personendaten wie Name, Anschrift, Geburtsort und Geburtstag enthält der Chip auch Fingerabdrücke des Inhabers - sofern dieser sie freiwillig hinterlegt hat.
Elektronische Identifikation
Auf der zweiten Ebene liegen die Daten für die elektronische Identifikation (eID). Damit können sich Bürger digital gegenüber Firmen und Ämtern ausweisen. Jeder Ausweis­inhaber entscheidet, ob er die eID-Funktion aktivieren möchte. Über die Website www.ausweisapp.bund.de lässt sich die Funktion auch nachträglich freischalten.
Digitale Unterschrift
Die dritte Datenebene ist für eine digitale Signatur vorbereitet. Damit können Bürger elektronische Dokumente rechtsverbindlich unterzeichnen. Die Signatur müssen sie von einem privaten Anbieter erhalten. Bislang gibt es allerdings noch keinen Anbieter solcher Signaturen für den neuen Ausweis.
Zwei Lesegeräte für den neuen Personalausweis   Zwei Lesegeräte für den neuen Personalausweis
Erlaubnis für 102 Euro
Nur vier Behörden haben von vornherein Zugriff auf die Daten: Polizei, Zoll, Steuerfahndung sowie Behörden, die Personalausweise und Pässe ausstellen.
Der Bürger entscheidet, ob auch andere diese Daten lesen sollen. Und er entscheidet, ob noch mehr als die genannten Daten gespeichert werden sollen. Denn es gibt noch zwei weitere Datenebenen. Auf der einen liegt die elektronische Signatur, mit der Bürger digitale Dokumente ebenso digital rechtskräftig unterzeichnen können. Auf einer weiteren liegt die Funktion für die elektronische Identifikation (eID), mit der sich die Inhaber online identifizieren können.
Die eID sorge für zusätzliche Sicherheit beim Onlinehandel, wirbt die Bundesregierung - und damit für mehr Onlinehandel insgesamt. Das dachte sich auch Mirko Drenger, der von Hamburg aus das Portal Fundorado betreibt. Dort können sich Nutzer kostenpflichtig Sexvideos herunterladen. Natürlich nur, wenn sie nachweisen können, dass sie volljährig sind. Und wie könnte man das besser als mit dem neuen Personalausweis? Drenger erkundigte sich, was er tun müsse, damit seine Nutzer den neuen Ausweis einsetzen können - und ließ es dann bleiben.
Denn der Weg für Unternehmen ist kompliziert. Zunächst führt er zur Vergabestelle für Berechtigungszertifikate (BVA). Dort müssen Firmen erklären, auf welche Daten sie zugreifen wollen und welcher "Geschäftszweck" vorliegt, der diesen Zugriff notwendig macht. In einem 102 Euro teuren Bescheid hält die BVA fest, was dem Antragsteller erlaubt wird. Wer übers Internet Schnaps verkauft, darf beispielsweise nur abfragen, ob der Käufer volljährig ist, nicht aber dessen genaues Geburtsdatum.
"Viel zu teuer"
Mit dem Bescheid in der Hand geht es weiter zu einem Zertifizierungsdienstleister - Unternehmen, die die Überprüfung technisch ab­wickeln. Das sind beispielsweise die Deutsche-Post-Tochter Signtrust und D-Trust, eine Tochter der Bundesdruckerei. "Im Grunde sind das ganz normale Dienstleister, die Server für Unternehmen betreiben", sagt Jens Fromm vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus). Nur dass diese Server hohe gesetzliche Sicherheitsstandards einhalten müssen, die auch regelmäßig überprüft werden. Das lassen sich die Anbieter gut bezahlen. 5000 bis 8000 Euro pro Jahr müssen Unternehmen für die Dienste der Zertifizierer kalkulieren.
"Viel zu teuer", meint Erotik­unternehmer Mirko Drenger: "Wir haben das Projekt erst mal auf Eis ­gelegt." Und noch ein Problem hat Drenger inzwischen ausgemacht: Viel zu wenig potenzielle Kunden besitzen bislang überhaupt einen Ausweis mit eID-Funktion.

Teil 2: Kaum wahrgenommene Zukunftsmusik

  • Aus der FTD vom 12.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote