Ein Ratiopharm-Sprecher sagte am Freitag, Albrecht habe seinen Posten mit sofortiger Wirkung abgeben müssen. Die Nachfolge Albrechts übernehme Philipp Daniel Merckle, Sohn des Ratiopharm-Gründers Adolf Merckle. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Merckle: "Die Folgen der bisherigen Führung sind mir in vielem zutiefst zuwider." Merckle ist seit August bereits auf der Gesellschafterseite für die Merckle-Pharmagruppe und damit für Ratiopharm verantwortlich. Auch Finanzgeschäftsführer Peter Prock musste seinen Posten räumen.
Der Sprecher trat Spekulationen entgegen, dass die Personalentscheidungen mit Medienberichten über angeblich aggressive Vertriebspraktiken bei Ratiopharm zusammenhingen. Das Nachrichtenmagazin "Stern" hatte berichtet, der Konzern habe niedergelassene Ärzte systematisch bestochen, damit sie seine Medikamente verordnen.
Vorwürfe zurückgewiesen
Ratiopharm hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und von "Einzelfällen aus der Vergangenheit" gesprochen. Die Darstellung, dass Ratiopharm seit Jahren systematisch fragwürdige Marketing- und Vertriebsmethoden praktiziere, sei falsch. In einer Mitarbeiterinformation wendet sich Merckle gegen den Eindruck, die Personalentscheidungen seien direkte Folge dieser Berichterstattung.
Ratiopharm prüft nach Angaben des Sprechers weiterhin rechtliche Schritt gegen den "Stern". Die Staatsanwaltschaft Ulm untersucht inzwischen, ob sich Ratiopharm wegen Untreue und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr strafbar gemacht hat. Erste Ergebnisse dazu sollen nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft Mitte Dezember vorliegen.
2004 erzielte Ratiopharm weltweit einen Umsatz von 1,46 Mrd. Euro. In Deutschland beschäftigte das Unternehmen im vergangenen Jahr insgesamt 3110 Mitarbeiter, weltweit waren es 5306.