Gefeuert: Philipp Daniel Merckle
Philipp Daniels Vater Adolf Merckle hat sich zwar offiziell aus dem operativen Geschäft seiner Firmen (Ratiopharm, Phoenix-Pharmahandel, Heidelberg Cement, Kässbohrer u.a.) zurück gezogen, nach Ansicht von Branchenkennern kontrolliert er aber nach wie vor alles und zieht die entscheidenden Fäden. Merckle, der der Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist, gehört zu den reichsten Deutschen. Das US-Magazin "Forbes" listet ihn mit einem geschätzten Vermögen von rund 6,5 Milliarden Euro auf Platz fünf der reichsten Deutschen hinter den Brüdern Karl und Theo Albrecht, Michael Otto und
Susanne Klatten .
Rauswurf Knall auf Fall
Das ruppige Feuern von Top-Managern hat bei den Merckles eine gewisse Tradition: Nicht nur der Ratiopharm-Chef Claudio Albrecht wurde Knall auf Fall hinausgeworfen, ebenso erging es seinem Vorgänger Heinrich Zinken, dem Phoenix Chef Rudolf Dittrich, dem Ratiopharm Finanzchef Peter Prock und zuletzt der Ratiopharm-Vertriebschefin Dagmar Siebert.
Ärgern konnte sich Merckle senior in den vergangenen zwei Jahren aber nicht nur über die Umsatz- und Gewinneinbrüche bei Ratiopharm - das Unternehmen steht nach wie vor im Zentrum eines gewaltigen Ermittlungsverfahrens. Seit nunmehr zwei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Ulm gegen mehrere hundert Ratiopharm-Außendienstler wegen Anstiftung zur Untreue und gegen mehr als 2500 Ärzte wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Der Fall Ratiopharm entwickelt sich damit zu einem der größten Pharmaverfahren der Bundesrepublik.
Den Medizinern wird vor allem zur Last gelegt, aufgrund der diversen materiellen Anreize Ratiopharm-Medikamente verordnet zu haben, die zwar günstiger sind als Originalpräparate, aber innerhalb der Generikasparte immer noch relativ teurer und deshalb zu vermeidbaren Mehrausgaben bei den Krankenkassen geführt haben. Wie der neue Firmenchef aber aus dieser Zwickmühle herauskommen will, bleibt vorerst geheim: Mit dem Sauber-Image macht Ratiopharm vor allem Minus, die Rückkehr zu illegalen Anreiz-Systemen dürfte als Lösung aber auch ausscheiden.