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Merken   Drucken   30.09.2011, 08:00 Schriftgröße: AAA

Recruiting im Mittelstand: Werben um Bewerber

Auf der Suche nach kompetenten Mitarbeitern stellen sich Firmen als attraktive Ausbildungsbetriebe vor oder gründen eigene Akademien. Ohne solche Anstrengungen bleiben sie im Wettbewerb zurück, weil ihnen die Fachkräfte fehlen. von Anna Gentrup
Bauunternehmer Ernst Kreuder aus Mönchengladbach muss sich anstrengen, damit seine Betonmischer und Kräne nicht stillstehen. Der Grund ist nicht mangelnde Nachfrage, sondern Personalnot. "In der Baubranche merken wir deutlich, dass immer weniger qualifizierte Mitarbeiter am Markt zur Verfügung stehen", sagt Kreuder. Gleichzeitig wird es schwieriger, aus der geringeren Zahl von Kandidaten die passenden herauszufiltern und für sich zu gewinnen. "Gutes Personal wird rasch von Arbeitgebern angestellt. Wer einmal bei einem Wettbewerber gelandet ist, den können wir nicht so leicht zum Wechsel bewegen", sagt der Unternehmer. Kreuder hat erkannt, dass er selbst aktiv um Nachwuchskräfte für sein Unternehmen werben muss.
Wo der Fachkräftemangel sich zeigt   Wo der Fachkräftemangel sich zeigt
Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) belegt, dass Kreuders Problem keine Ausnahme ist. Aktuell geben 32 Prozent der Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern an, der Fachkräftemangel bedrohe den eigenen wirtschaftlichen Erfolg. Anfang 2010 waren erst 16 Prozent der mittelständischen Unternehmen dieser Ansicht.
Schrumpfende Personalressourcen
Auch der Blick in die Zukunft ist alles andere als rosig. Aktuelle Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Betriebsforschung (IAB) zeigen, wie die Zahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, schrumpft. Danach wird die Zahl der Arbeitskräfte in Deutschland bis zum Jahr 2025 allein durch den demografischen Wandel um 6,5 Millionen Personen sinken.
Viele Mittelständler wollen dem nicht tatenlos zusehen. Sie möchten auch dann noch Stellen besetzen können, wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter verschlechtert. Deshalb stellen sie sich in Schulen als attraktive Ausbildungsbetriebe vor und bilden eigene Mitarbeiter zu Spezialisten weiter. So auch Bauunternehmer Kreuder: Er hat längst erkannt, dass er mit potenziellen Auszubildenden früh in Kontakt treten muss und macht sich deshalb regelmäßig auf den Weg in umliegende Schulen. Er stellt Abschlussklassen sein Unternehmen vor, erläutert Berufsaussichten und beantwortet Fragen der Schüler. "Vielen ist nicht bewusst, dass sie bei uns große Aufstiegschancen haben", sagt Kreuder.
In die Rolle des Chefs schlüpfen
Wer sich nach der Ausbildung in der Unternehmenshierarchie nach oben arbeiten will, darf das schon als Schüler ausprobieren. "Im Programm 'Ein Tag auf dem Chefsessel' können Schüler die Führungsrolle im Unternehmen kennenlernen", erklärt Kreuder. Die Baufirma bietet außerdem Praktika an, in denen Schüler Baustellenluft schnuppern können. Wer sich für die Arbeit begeistert, sammelt hier erste Erfahrungen und fällt dem Geschäftsführer vielleicht schon als geeigneter Auszubildender auf.
Nachwuchskräfte frühzeitig auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen, ist für Mittelständler wichtig, um die künftige Versorgung mit Fachpersonal zu sichern. Stefan Hardege, Leiter des Referats Arbeitsmarkt und Zuwanderung beim DIHK, rät Unternehmen aber auch dazu, vorhandene Arbeitskraftressourcen optimal auszuschöpfen. Wer eine hohe Zufriedenheit seiner Mitarbeiter erreicht, der kann sie lange im Unternehmen halten. "Vielen Arbeitnehmern kommt es nicht nur auf das Gehalt an. Auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen", sagt Hardege.
Es lohnt also für Arbeitgeber, sich um Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten und Gesundheitsvorsorge für Angestellte zu kümmern. Gleichzeitig können sie damit auch die Arbeitskraft anderer Personenguppen besser nutzen: "Das Fachkräftepotenzial von Frauen und älteren Mitarbeitern ist nicht zu unterschätzen", sagt der DIHK-Experte. "Wer den Mitarbeitermangel spürt, sollte sichergehen, dass er keine Gruppe von Fachkräften außer Acht gelassen hat."

Teil 2: Wie die Mittelständler weitere Mitarbeiter ins Unternehmen holen

  • FTD.de, 30.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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