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Merken   Drucken   02.02.2009, 21:17 Schriftgröße: AAA

Restrukturierer (5): Pleiten, Pech und Pannen

Deutschland droht eine Pleitewelle. Eine kleine Gruppe von Sanierungsexperten muss nun zeigen, was sie draufhat. Die FTD stellt die wichtigsten Akteure in fünf Teilen vor. Heute: Die Investoren. von Angela Maier (München)
Es ist noch nicht lange her, da gingen Krisenfirmen weg wie warme Semmeln. Beispiel Nici: Der Spielzeughersteller musste 2006 nach einem Fehlschlag mit dem WM-Maskottchen Goleo Insolvenz anmelden. Obwohl dabei Bilanzfälschung aufgedeckt wurde, schlugen sich die Investoren um Nici, mehr als 20 reichten Gebote ein. Strategic Value Partners (SVP) erhielt den Zuschlag, für abenteuerliche 40 Mio. Euro. "Heute könnte man von Nici wahrscheinlich nur noch die Marke verkaufen", sagt ein Brancheninsider. "Der Rest würde abgewickelt."
In den vergangenen Jahren sind viele Problemfirmen wie Nici in den Händen von "Distressed"-Investoren, sogenannten Geierfonds, gelandet - meist zu überteuerten Preisen. "Es gibt kaum erfolgreiche Deals", klagt ein Manager eines großen Investors. Die Szene kam vor fünf Jahren in Goldgräberstimmung nach Deutschland: US-Fonds wie Cerberus, Oaktree oder SVP bauten deutsche Teams auf, ebenso Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank London, Morgan Stanley und Goldman Sachs.
Sie alle kauften Kredite angeschlagener Firmen, trotzten teilweise damit Eigentümern deren Anteile ab. Ihr Plan: die Firmen zu restrukturieren und nach zwei, drei Jahren wieder zu verkaufen - mit 20 bis 30 Prozent Rendite oder mehr. Dies ist gründlich misslungen. Viele Unternehmen, auf denen die Branche noch sitzt, wären derzeit kaum verkäuflich. Beispiele sind Kiekert, Schefenacker, HP Pelzer, Treofan, Securlog (früher: Heros), Kunert und Märklin. Nur bei Wohn- und anderen Immobilien konnten sie öfter Ausstiege realisieren.
Bilderserie Bilderserie: Schatten auf dem Silicon Saxony
Stattdessen trüben Insolvenzen die Branchenbilanz wie die des Opel-Händlers Georg von Opel, ein Investment der Deutschen Bank London, des Möbelherstellers Schieder oder des Zulieferers TMD Friction. Nachdem die Deutsche Bank aus diesem Geschäft Ende 2007 ausstieg, haben jetzt auch Goldman Sachs, Credit Suisse und Merrill Lynch ihre Teams für den deutschen Markt zurückgefahren. Nur einige Finanzinvestoren - Distressed-Fonds wie Oaktree, aber auch klassische Private-Equity-Gesellschaften wie TPG oder EQT - haben sich mit neuen Fonds munitioniert und setzen darauf, in der zweiten Welle zuzuschlagen. Derzeit halten sie noch still: weil sie damit rechnen, dass die Preise weiter fallen.
Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn hätte sich Hermann Dambach wohl kaum träumen lassen, dass er bei einer "Heuschrecke" landen würde: Er begann in der Sparkassenorganisation und legte an der Sparkassenakademie im schwäbischen Rastatt seinen Diplom-Sparkassenbetriebswirt ab. Von dort ging es schrittweise ins "Big Business", über ein Managementstudium an der privaten Frankfurter Bankakademie und die Chase Manhattan Bank schließlich zu den Investmentbanken Credit Suisse First Boston und Morgan Stanley. Dort betreute er Finanzinvestoren - bis er 2004 mit dem Wechsel zu Oaktree selbst einer wurde.
Der Fonds gehört in den USA zu den etabliertesten Investoren in Problemsituationen, auch Geierfonds genannt. Durch das aufbrechende Hausbankensystem sah Oaktree-Chef Howard Marks damals Investitionschancen - und heuerte Dambach als Chef für das neue Frankfurter Büro und den früheren stellvertretenden DZ-Bank-Chef Uwe Flach als Senior Advisor an. Oaktree kaufte unter anderem der HSH Nordbank für rund 1 Mrd. Euro die Wohnungsfirma Gehag ab und brachte diese später in die Deutsche Wohnen ein. Die Platzierung eines früheren Deka-Immobilienpakets scheiterte Anfang 2008 an der schwachen Börse. Auch Kredite an Krisenfirmen kauft Oaktree: wie 2008 in zwei Schritten ein 450-Mio.-Euro-Darlehen von Goldman Sachs, mit Abschlägen von 35 respektive 65 Prozent. Geld für weitere Käufe hat Oaktree: Allein der Europa-Fonds umfasst 2 Mrd. Euro.
H. Dambach
Oaktree Capital Management Hermann Dambach leitet seit 2004 das Frankfurter Büro des US-Investors Oaktree. Dort suchen zwölf Mitarbeiter nach Investitionschancen bei Krisenunternehmen, Immobilien sowie Finanzierungen durch Eigen- und Fremdkapital (Mezzanine).
Investments Gehag/Deutsche Wohnen, Nordenia, R&R Ice Cream (früher Roncadin), Ströer Media International, Kredite von Bavaria Yachtbau.
Strategic Value Partners (SVP) wurde erst 2001 gegründet, von dem früheren Merrill-Lynch-Banker Victor Khosla. Die deutschen Investments steuert Hermann-Josef Woltery von London aus, obwohl SVP auch ein großes Frankfurter Büro besitzt. Dort heuerte 2008 der frühere Lazard-Banker Sven Peter an; außerdem wird SVP von Ex-Dresdner-Chef Bernd Fahrholz beraten. SVP verwaltet 4 Mrd. $ und hat in den vergangenen Jahren eine Reihe kriselnder deutscher Mittelständler sowie Immobilien gekauft. Bislang haben die Investments allerdings stark enttäuscht, so heißt es in der Branche. Lukrative Verkäufe gelangen kaum, Ende 2007 versuchte dies SVP zum Beispiel vergeblich beim Kunststoffhersteller Vestolit.
H.-J. Woltery
Strategic Value Partners Der US-Investor steuert seine Investments mit etwa 50 Mitarbeitern aus dem Frankfurter Hochhaus "Skyper", eines der größten deutschen Teams eines Finanzinvestors überhaupt. Deren Chef Hermann-Josef Woltery agiert aber von London aus.
Investments Nici, Vestolit, Cordier Spezialpapier, Goebel Porzellanmanufaktur, 118 Filialen der Hamburger Sparkasse und eine Reihe weiterer Immobilien.
Oliver Kehren, Executive Director Morgan Stanley   Oliver Kehren, Executive Director Morgan Stanley
Mit 37 Jahren zählt Oliver Kehren zu den "Youngstern" der Szene, und doch ist er ein alter Hase: Seit fünf Jahren steuert er Morgan Stanleys deutsche Investments von London aus und hat seine prinzipiell gute Laune bislang nicht eingebüßt: "Wir haben von Jahr zu Jahr ein überdurchschnittliches Ergebniswachstum verzeichnet, auch wenn natürlich nicht jeder Deal gleich nach Plan lief." Zwar zahlte auch Morgan Stanley 2006 Lehrgeld, als der Bodenbelaghersteller Rinol pleiteging. Doch kann Kehren auch auf Erfolge verweisen: "Wir haben in den vergangenen 18 Monaten einige Engagements bei Mittelständlern verkauft." Mit CMP und Goldman gelang zudem ein äußerst lukrativer Teilausstieg beim Windanlagenbauer Nordex. Auch der Anfang 2008 gekaufte Schuhhersteller Rohde ist laut Kehren nach wie vor im Plan. Der Zulieferer Kiekert sei bis zum dritten Quartal sogar über Plan gewesen, sagt er. Nun verhagelt aber auch Kiekert die Autokrise das Geschäft.
Oliver Kehren
Morgan Stanley Oliver Kehren ist bei der US-Bank in London Co-Europachef der Special Situations Group (SSG), des Teams für Investitionen in Krisenfälle. Er hat dieses Geschäft in seinen fünf Jahren bei Morgan Stanley für Deutschland aufgebaut. Die SSG hat 22 Mitarbeiter, davon fünf für den deutschen Markt.
Investments Borussia Dortmund, Ploucquet, Kiekert, Erich Rohde, Nordex, TWB, Rinol.
  • Aus der FTD vom 03.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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