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Merken   Drucken   09.04.2008, 11:55 Schriftgröße: AAA

Robert Ménard - Der Mann, den die Chinesen fürchten

Der Chef von Reporter ohne Grenzen war selbst einmal Kommunist. Heute sitzt er dem Regime im Peking im Nacken - und die werden die lästige Fliege im Vorfeld der Olympischen Spiele einfach nicht los. von Claus Hecking (Paris)
Ein paar Stunden lang hatte Robert Ménard die Lufthoheit über Paris. Auf dem Eiffelturm, den Champs-Élysées oder dem Rathaus - überall hissten die Aktivisten seiner Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen während des olympischen Fackellaufs schwarze Banner - trotz aller Sicherheitsvorkehrungen. Auf den Fahnen prangten Handschellen in Form der olympischen Ringe: das Logo der Reporter-ohne-Grenzen-Kampagne gegen die chinesische Menschenrechtspolitik. Und als die Organisatoren der Pekinger den Fackellauf nach mehrmaligem Erlöschen der Flamme abbrachen, kam Ménard aus seinem Versteck - und ließ vom Turm der Kathedrale Notre-Dame noch eine Handschellenflagge herab.
Handschellen statt Ringe: Robert Ménard machte mit seiner gut ...   Handschellen statt Ringe: Robert Ménard machte mit seiner gut organisierten Protestkampagne den olympischen Fackellauf in Paris zur Demonstration gegen China
Ménard hat die Chinesen nun schon zweimal blamiert. Bei der Eröffnungszeremonie im antiken Olympia vor gut zwei Wochen stand urplötzlich einer seiner Mitstreiter hinter dem Präsidenten des Pekinger Organisationskomitees und schwenkte das schwarze Banner vor den Kameras hin und her. Die Bilder gingen um die Welt.
"Wir sind an vorderster Front der Proteste gegen die Pekinger Spiele", sagt Ménard. Die Reporters sans Frontières sind das Lebenswerk des 54-jährigen Franzosen. Er hat die Organisation gegründet, er ist ihr unangefochtener Leiter, er hat all die spektakulären Aktionen mit ausgeheckt. "Wir wollen keinen Boykott der Spiele, aber wollen erreichen, dass so viele Staatschefs wie möglich die Politik des leeren Stuhls verfolgen", sagt der kleine Mann mit dem kurz geschorenen Haar. "Sie sollen der Eröffnungsfeier fernbleiben, wenn sich die Menschenrechtslage nicht substanziell verbessert." In seiner Heimat denken immer mehr Menschen wie er: Umfragen zufolge wollen 62 Prozent der Franzosen, dass ihr Präsident Nicolas Sarkozy nicht an der Zeremonie teilnimmt.
Bilderserie Bilderserie: Chinas PR-Desaster
Ménard weiß, wie man Meinung macht. Seit 23 Jahren führen die Reporter ohne Grenzen internationale Kampagnen für die Pressefreiheit, meist gegen Dritte-Welt-Regime wie die Kubas, Venezuelas oder Algeriens. Sie unterstützen bedrohte Journalisten wie den chinesischen Dissidenten Hu Jia - verbal und oft auch finanziell. Und sie veröffentlichen jährlich einen Report über die globale Lage der Pressefreiheit.
Die Finanzierung der Organisation sorgt immer wieder für Diskussionen über ihre Unabhängigkeit. Zu den Spendern gehören nicht nur Wirtschaftskonzerne wie Sanofi-Aventis oder Benetton, sondern auch politische Verbände wie das National Endowment for Democracy - eine Organisation, die dem US-Außenministerium untersteht. Ronald Reagan hatte sie 1983 gegründet, mit dem erklärten Ziel, den Kommunismus zu bekämpfen.
Dabei war Ménard selbst früher Kommunist: Trotzkist, um genau zu sein. Bis 1979 ging er für die linksextreme Ligue Communiste Révolutionnaire auf die Straße. Parallel dazu stiftete er als Betreiber eines Piratenradiosenders Unruhe.
Mit dem Staat hat sich Ménard mittlerweile arrangiert. Am Sonntag vor zwei Wochen gab der Élysée-Palast bekannt, man werde ihn zum Ritter der Ehrenlegion schlagen. Ménard erfuhr davon in Griechenland: Er war gerade auf dem Weg nach Olympia.
Mittwochnachmittag wird die Fackel durch San Francisco getragen, und auch Ménard ist mit vor Ort. "Wir werden der Flamme folgen", hat er nebulös angekündigt. Die Chinesen müssen wieder zittern.
  • Aus der FTD vom 09.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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