Als Reaktion auf die Schieflage der Sachsen LB haben die Eigentümer der Leipziger Bank drastische personelle Konsequenzen gezogen. Damit steht die Landesbank mitten in der Krise ohne einen einzigen alten Vorstand da. von Nina Luttmer (Frankfurt)
Die Anteilseignerversammlung entließ Risikochefin Yvette Bellavite-Hövermann, 55, sowie den für das Firmenkundengeschäft verantwortlichen Vorstand Werner Eckert, 43. Der jetzige Vorstandschef Herbert Süß, 67, werde sein Amt "auf eigenen Wunsch" am 15. September an den Chef der Sachsen-Finanzgruppe, Joachim Hoof, 49, abtreten, teilte die Bank am Donnerstag mit. Der Kapitalmarktvorstand Stefan Leusder war bereits vor einigen Tagen als Folge des Skandals ausgeschieden.
Sachsen-LB-Chef Herbert Süß geht Mitte September
Hoof werde seine neue Aufgabe nur interimsmäßig bis zum Abschluss der Bewertung der Bank Ende des Jahres wahrnehmen, teilte die Bank mit. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hatte die Sachsen LB am Sonntag vorerst treuhänderisch übernommen. Sie war durch zu riskante außerbilanzielle Geschäfte in schwerwiegende Probleme geraten.
Nach Informationen aus Finanzkreisen hatte auch LBBW-Chef Siegfried Jaschinski auf die Abberufung der Vorstände gedrungen, da er sie für nicht mehr tragbar hielt. Die LBBW schlug am Donnerstag auch gleich Pflöcke in Leipzig ein: Sie entsandte ihren bisherigen Leiter Treasury, Wolf-Dieter Ihle, 49, als neues Mitglied in den dann zweiköpfigen Vorstand der Sachsen LB. Seine bisherige Tätigkeit lasse er "bis auf Weiteres" ruhen, sagte ein LBBW-Sprecher. Es gilt als wahrscheinlich, dass die LBBW nach der vollständigen Übernahme der Bank im kommenden Januar auch einen eigenen Mann zum Vorstandsvorsitzenden der Sachsen LB benennen wird.
Die Bank teilte am Donnerstag mit, die Entlassungen dienten "insbesondere der Wahrung der Interessen des Freistaates Sachsen und der sächsischen Kommunen". Eigentümer der Bank sind das Land Sachsen und die Sachsen-Finanzgruppe. Nach Informationen aus Eigentümerkreisen der Sachsen LB wird den entlassenen Vorständen vorgeworfen, den Verwaltungsrat der Bank über die außerbilanziellen Geschäfte der Bank und die darin schlummernden Risiken belogen zu haben.
Warten auf die Halbjahreszahlen
Noch am Donnerstag hatte Süß in einer Sondersitzung des Haushalts- und Finanzausschusses des Sächsischen Landtags dagegen betont, der Verwaltungsrat sei stets über alle Risiken informiert gewesen. Den Mitgliedern seien vierteljährlich schriftliche Berichte zu den außerbilanziellen Geschäften der Bank zugeleitet worden. Auch der sächsische Finanzminister und Verwaltungsratschef der Bank, Horst Metz (CDU), sagte am Donnerstag, der Verwaltungsrat sei stets ausreichend informiert worden. Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) wird am Freitag eine Regierungserklärung zu den Geschehnissen um die Sachsen LB abgeben. Zudem wird das Institut Halbjahreszahlen vorlegen.
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