Merken
Drucken
27.05.2008, 15:12
Schriftgröße: AAA
Sarin verlässt Vodafone auf dem Höhepunkt
Der Chef des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone, Arun Sarin, tritt zurück. Für den häufig Gescholtenen ist der Zeitpunkt günstig: Vodafone weist einen Rekordgewinn aus. Doch auf den Lorbeeren kann sich sein Nachfolger nicht ausruhen.
Sarin werde seinen Posten im Juli räumen und Platz für seinen bisherigen Stellvertreter
Vittorio Colao machen, teilte der Konzern am Dienstag mit.
Sarin war fünf Jahre lang Chef des Mobilfunkbetreibers. Der Zeitpunkt für den Abgang des 54-Jährigen war zwar bisher nicht bekannt gegeben worden. Doch nachdem Colao vor anderthalb Jahren als Vize des damals glücklos agierenden Sarin in das Unternehmen zurückgeholt wurde, war die Stabsübergabe zwischen den beiden erwartet worden.
Sarins Amtszeit war zwar lange Zeit von hartnäckigen Querelen mit einflußreichen Investoren überschattet. Doch der Manager mit MBA-Diplom zieht selbst eine positive Bilanz: "Ich habe erreicht, was ich erreichen wollte, seit ich CEO geworden bin", sagte Sarin am Montag. Er sei der richtige Zeitpunkt zu gehen.
Er präsentierte gleichzeitig einen Rekordgewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr und prognisitizierte weiteres Wachstum für 2009/10. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen steigerte
Vodafone im Bilanzzeitraum bis Ende März 2008 um mehr als zehn Prozent auf 13,2 Mrd. Pfund (16,5 Mrd. Euro). Die meisten Analysten hatten mit etwas weniger gerechnet. Der Umsatz entwickelte sich ebenfalls leicht besser als erwartet auf 35,5 Mrd. Pfund. Für das kommende Jahr geht der Konzern von einem Umsatz zwischen 39,8 und 40,7 Mrd. Pfund aus.
Kursinformationen und Charts
Die Anleger begrüßten die Ankündigungen zunächst: Der Vodafone-Kurs legte am Morgen um 3,8 Prozent zu. Allerdings drehten die Papiere im Tagesverlauf mit mehr als einem Prozent ins Minus.
Sarin bescheinigt seinem Nachfolger eine schweres Erbe: Colao werde den Konzern durch den schwierigen Wirtschaftsabschwung manövrieren müssen. Er erwarte jedoch nicht, dass das Management die Strategie grundsätzlich ändern werde, sagte Sarin.
Mit einem solchen Auftrag hatte Sarin zu seinem Amtsantritt selber schwer zu kämpfen. Er löste 2002 den schillernden Chris Gent ab, der Vodafone durch spektakuläre milliardenschwere Übernahmen wie die des deutschen Wettbewerbers Mannesmann zur Branchenikone stilisiert worden war. Diesen Kurs wollte der weltweitführende Handykonzern halten, und Gent wachte darüber als Ehrenpräsident. Sarin wagte es lange nicht, an diesem Denkmal zu rütteln und ließ sich vier Jahre Zeit für die Neuausrichtung des Konzerns. Für diese Zögerlichkeit wurde der Sohn eines indischen Offiziers gescholten.
Späte NeuausrichtungDoch Sarin hielt den unnachgiebigen Forderungen von Investoren, die vor allem eine Abspaltung des US-Mobilfunkkonzerns
Verizon Wireless forderten, stand. Vor zwei Jahren krempelte er den Konzern schließlich um und konzentrierte sich besonders auf die Erschließung von Märkten in Schwellenländern. Diesem Beispiel folgen die großen Wettbewerber mittlerweile, so dass der harte Wettbewerb sich nicht mehr nur allein auf die gesättigten europäischen Märkte konzentriert.
Teil 2: Die bisherige Bilanz des neuen Vodafone-Chefs
-
FTD.de, 27.05.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden