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Merken   Drucken   18.12.2008, 21:51 Schriftgröße: AAA

Schröder und Schaeffler: Hannoversche Solidarität

Was nach einem geruhsamen Nebenjob aussah, könnte selbst für einen wie Gerhard Schröder zum Höllenritt werden. Continental und Schaeffler haben sich verkeilt - jetzt muss der Ex-Kanzler für Ordnung sorgen. von Peter Ehrlich und Sven Clausen
Sein Einsatz beginnt wie gewohnt mit einem "Basta". Alle Beteiligten sollten sich mit öffentlichen Äußerungen "strikt zurückhalten", mahnt Gerhard Schröder am Montag in einem Brief an die Verantwortlichen der Continental  AG und der Schaeffler Gruppe. Der Familienkonzern hatte entgegen den Absprachen versucht, Einfluss auf die Finanzierung der Hannoveraner zu nehmen. Es gehe darum, dass die Übernahme - wie im Spätsommer vereinbart - ordentlich abgewickelt werde, lässt der frühere SPD-Kanzler die Kontrahenten wissen.
Offiziell beginnt Schröders neuer Nebenjob als "Garant" für die Interessen von Conti zwar erst mit dem sogenannten Closing, wenn die EU-Kommission wie erwartet am Donnerstag die Übernahme billigt und Schaeffler danach bis spätestens Anfang Januar das Geld an die Aktionäre überwiesen hat. Der 64-Jährige soll die in der Investorenvereinbarung enthaltenen Zusagen an den Dax-Konzern überwachen und sie im schlimmsten Fall sogar vor Gericht einklagen.
Auf Ex-Kanzler Gerhard Schröder kommt eine Menge Arbeit zu   Auf Ex-Kanzler Gerhard Schröder kommt eine Menge Arbeit zu
Doch die Atmosphäre zwischen den beiden Parteien ist aufgrund der jeweiligen Finanznöte inzwischen so vergiftet, dass sich der Jurist schon vorher zu einem Machtwort genötigt sah. Jetzt hofft er, dass das zumindest einige Tage hält. Schröder will wie geplant mit Frau und Kindern Weihnachtsurlaub machen und je nach Wetter ein paar Tage in seiner Wohnung auf der Nordseeinsel Borkum verbringen.
Wenn der Machtkampf beider Seiten, der mit der Investorenvereinbarung eigentlich beendet werden sollte, sich nicht legt, wäre der versierte Politiker ein mächtiges Problem für Schaeffler. Schröder hat den Posten nicht angenommen, weil er sich langweilt, sondern aus "hannoverscher Solidarität", wie es in seiner Umgebung heißt. Gebeten hatte ihn der damalige Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer, der nach der ersten Eskalationsphase im Sommer den Konzern allerdings verlassen hat.
Doch schon in seiner Zeit als Ministerpräsident pflegte Schröder enge Beziehungen zum Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg. Und traditionell eng verbunden ist er auch mit Hubertus Schmoldt und dessen in Hannover residierender Gewerkschaft BCE, der Hausgewerkschaft bei Continental.
Gerade die Gewerkschaft hat von Schaeffler weitreichende Zusagen in der Investorenvereinbarung errungen. So darf Schaeffler nicht ohne die Zustimmung des Conti-Vorstands Betriebsvereinbarungen kündigen oder Teilverkäufe durchdrücken. Sollte Schaeffler in den nächsten Jahren Aktienpakete weitergeben wollen, könnte Garant Schröder sogar einen Käufer benennen, dem der Vorzug gegeben werden müsste. Schröder hat darin Erfahrung: Als Ministerpräsident organisierte er in den 90er-Jahren eine Bietergemeinschaft, die half, Anteile von Pirelli  zurückzukaufen.
  • Aus der FTD vom 19.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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