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Merken   Drucken   01.05.2011, 10:01 Schriftgröße: AAA

Schutz vor Insolvenz: Rettungsversuch für Firmen in allerletzter Minute

Sanierungsberater können angeschlagene Unternehmen vor der Pleite bewahren – wenn deren Chefs rechtzeitig nach Hilfe rufen. Die Experten gliedern den Niedergang von Unternehmen in drei Stadien.
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Sanierungsberater können angeschlagene Unternehmen vor der Pleite bewahren – wenn deren Chefs rechtzeitig nach Hilfe rufen. Die Experten gliedern den Niedergang von Unternehmen in drei Stadien. von Julia Groth
Ein Vorurteil über Sanierungsberater lautet: Sie kommen in Unternehmen, die finanziell schon in die Knie gegangen sind, und wurschteln dort so lange herum, bis gar kein Geld mehr da ist. Außer in ihren eigenen Taschen, versteht sich. Das mag zwar bei einigen schwarzen Schafen der Fall sein. In der Regel rücken Sanierungsberater aber an, um Unternehmen vor der drohenden Insolvenz zu retten.
In der Krise ist die Nachfrage nach Sanierungsexperten stark gestiegen, hat die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) festgestellt; viele Firmen steckten in Liquiditätsnöten. Auch heute ist der Hilfebedarf noch deutlich höher als vor der Krise. Jetzt haben viele Unternehmen Probleme, den Aufschwung zu finanzieren. Sanierungsberater haben jedoch ein Problem: Sie werden meist erst gerufen, wenn es fast schon zu spät ist. "In 90 Prozent der Fälle kommen wir zu Unternehmen, bei denen es fünf vor zwölf ist", sagt PwC-Restrukturierungsexperte Derik Evertz.
Sehen Unternehmen ernsten Problemen entgegen, unterscheiden Fachleute drei Stadien: Strategie-, Ertrags- und Liquiditätskrise. Im ersten Stadium zeichnet sich ab, dass Produkt oder Geschäftsmodell mittelfristig nicht mehr zeitgemäß sein werden. Noch läuft zwar alles gut. Die Frage ist nur, wie lange noch. So ging es etwa Schallplattenherstellern Anfang der 1980er-Jahre. Bleibt das Unternehmen untätig, mündet die Strategiekrise über kurz oder lang in die Ertragskrise. In dem Stadium schlägt sich die überalterte Strategie in sinkenden Erträgen nieder. Handelt die Geschäftsleitung noch immer nicht, folgt rasch die Liquiditätskrise, in der die laufende Finanzierung ins Stocken gerät und die Insolvenz droht. Das ist in der Regel der Zeitpunkt, an dem Unternehmer oder deren besorgte Finanziers einen Sanierungsberater zu Hilfe holen. "Manchmal ist es dann allerdings schon zu spät", sagt Evertz.
Durchschnittlich nur sechs Wochen Zeit für Firmenrettung Zu welchem Zeitpunkt ein Unternehmen ein Fall für den Sanierungsberater geworden ist, lässt sich oft erst in der Rückschau erkennen. Läuft das Geschäft noch rund, sehen viele Manager die Warnzeichen nicht. Oder unterschätzen sie und glauben, die Lage selbst wieder in den Griff zu bekommen. "Kaum jemand holt sich freiwillig einen Sanierungsberater ins Haus", sagt Evertz. Schließlich gibt es keine allgemeingültige Definition, unter welchen Umständen man eine Firma als Sanierungsfall bezeichnen kann. Sanierungsberater müssen sich deshalb meist nicht nur um einen Krisenherd kümmern. Sondern um mehrere Bereiche, die in Schieflage geraten sind. Und das in sehr kurzer Zeit: Im Schnitt stehen ihnen nur sechs Wochen zur Verfügung, um ein Unternehmen vor der Insolvenz zu retten.
Je später ein Sanierungsberater seinen Job antritt, desto rascher muss er handeln - und desto enger ist sein Handlungsspielraum. Zunächst steht die Liquiditätssicherung im Vordergrund. Der Berater sucht Stellen, an denen er noch flüssige Mittel schöpfen kann. Zumindest, bis er Banken oder andere Geldgeber davon überzeugt hat, dem betroffenen Unternehmen noch eine Chance zu geben. Sind die schlimmsten Liquiditätslöcher gestopft, nimmt er sich das operative Geschäft vor und versucht, Kosten zu senken. Dann erst macht er sich Gedanken darüber, wie das Unternehmen auf lange Sicht überleben kann, welche Strategie es verfolgen und wie es sich langfristig finanzieren könnte.

Teil 2: "Nicht munter drauflos sanieren"

  • FTD.de, 01.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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