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Merken   Drucken   07.09.2006, 20:48 Schriftgröße: AAA

Seat-Chef Andreas Schleef muss gehen

Die VW-Tochter Audi zieht die Konsequenzen aus der Absatzmisere des von ihr gemanagten spanischen Autobauers Seat. Seat-Chef Andreas Schleef verlässt das Unternehmen vorzeitig zum 30. September und legt gleichzeitig seinen Vorstandsposten bei Audi nieder. von Karin Finkenzeller (Madrid)
Erich Schmitt, Einkaufsvorstand bei Audi   Erich Schmitt, Einkaufsvorstand bei Audi
Dies teilten die Ingolstädter am Donnerstag mit. Nachfolger wird Audi -Einkaufsvorstand Erich Schmitt. Der 60-Jährige hatte sich zuletzt mit Erfolg um das Chinageschäft des Herstellers gekümmert.
Der Rückzug Schleefs ist ein deutliches Zeichen, dass man in Ingolstadt die Geduld verloren hat. Vor zwei Jahren noch hatte der Manager seinen Vertrag in Spanien bis zu seiner Pensionierung 2008 verlängern dürfen. Doch nun ist pünktlich zum 63. Geburtstag Schleefs Schluss. Wenngleich das Vertriebsteam unter Führung des Italieners Giuseppe Tartaglione in den vergangenen Monaten hart arbeitete und den Umsatz um sechs Prozent auf 266.063 Fahrzeuge von Januar bis Juli steigerte, war dies doch zu wenig. 2005 machte das Unternehmen 62,5 Mio. Euro Verlust und entließ 660 Mitarbeiter.
Für VW  ist der harte Schnitt zudem wichtig, da der Konzern zu Hause genügend offene Baustellen hat. Am Freitag beginnen die Gespräche mit der IG Metall über eine Sanierung der deutschen Werke.
Mit Erich Schmitt setzen VW und Audi auf einen durchsetzungsstarken Manager, der sich in einem schwierigen Markt bewiesen hat. Unter seiner Verantwortung avancierte China nach Deutschland, den USA und Großbritannien zum viertgrößten Abnehmer von Audi-Fahrzeugen. Mit einem Absatzplus von knapp 73 Prozent trug Audi zudem dazu bei, dass VW in den ersten acht Monaten den Verkauf in China deutlich steigern konnte und in dem Land auch wieder Geld verdient.
In Spanien wird Schmitt mit einer Imagemisere von Seat konfrontiert. Der Marke, die zusammen mit Audi und Lamborghini die Markengruppe Audi innerhalb der Volkswagen AG bildet, fehlt es an Profil. Die noch unter Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch initiierte Ausrichtung der einstigen Billigmarke auf ein sportliches Image nach dem Vorbild von Alfa Romeo schlug vor allem fehl, weil sie nicht entsprechend beworben wurde. "Wir haben die öffentlichkeitswirksame Seite unterschätzt", räumte Schleef selbst im FTD-Interview ein.
Jetzt hoffen die Spanier auf die Solidarität der Konzernschwestern, um die Produktionskapazität von 550.000 Fahrzeugen jährlich im Werk Martorell bei Barcelona auszulasten. Außerdem soll die Konzernmutter davon überzeugt werden, dass Seat ein Allradmodell - derzeit Verkaufsschlager - mit ins Angebot nehmen darf.
Schmitts Nachfolger als Einkaufschef bei Audi wird dem Unternehmen zufolge Ulf Berkenhagen, der bisher bei VW den Einkauf Elektrik/Elektronik verantwortete.
  • Aus der FTD vom 08.09.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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