Kaum ein Manager wurde so oft totgesagt wie Serge Tchuruk. Und nur wenige überstanden die Anfeindungen ihrer Gegner mit so wenigen Wunden wie er. Gegen Ende seiner Karriere zeigt es der 68-Jährige seinen Spöttern noch einmal. von Heimo Fischer
Serge Tchuruk, Alcatel-Chef, dreht mit 68 Jahren noch einmal richtig auf
Als Chef des Telekomausrüsters Alcatel fädelte er vor zwei Wochen die Fusion mit dem US-Konkurrenten Lucent ein. Am Mittwoch machte er wieder Schlagzeilen, als er den Verkauf seines Satellitengeschäfts an den Pariser Rüstungskonzern Thales unter Dach und Fach brachte.
Tchuruk ist kein Weichei. Schon gar nicht äußerlich. Seine scharfen Gesichtszüge fallen auf, selten spricht er ein Wort zu viel. Die Wutausbrüche des Managers sind berüchtigt. Einmal gefasste Pläne zieht er gnadenlos durch. Als sein Unternehmen nach der Internetblase hohe Verluste machte, ließ er Zehntausende Stellen streichen und verkaufte fast alle Fabriken. Im vergangenen Jahr glänzte Alcatel dann wieder mit satten Gewinnen.
Der Nachfahre armenischer Einwanderer hat gelernt zu kämpfen. Er wurde in Marseille geboren und studierte nach dem Krieg an der prestigeträchtigen Ecole Polytechnique. Als Rüstungsingenieur plante er eine Karriere im französischen Staatsdienst. Die Liebe und der Kalte Krieg machten ihm einen Strich durch diese Rechnung. Denn seine Heirat mit der Polin Hélène Kalfus sahen die Sicherheitsbehörden 1960 nicht gern. Tchuruk verließ die Verwaltung.
Trotz dieser Schmach blieb er Patriot. Er gilt als Verfechter französischer Wirtschaftsinteressen. Dazu passt, dass er mit dem Verkauf des Satellitengeschäfts einem Wunsch der französischen Regierung nachkommt. Sie hatte befürchtet, dass die USA durch die Fusion von Alcatel und Lucent Zugang zu französischer Militärtechnologie erhalten könnten.
Die Karriereleiter erklomm Tchuruk nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst beim Mineralölkonzern Mobil. Dort durchlief er Posten in Europa und Amerika, bis er 1980 zum Chemiekonzern Rhône-Poulenc ging, um das operative Geschäft zu leiten. Den Chefposten hatte er fast sicher, als der Konzern verstaatlicht wurde und die sozialistische Regierung einen ihrer Getreuen vorzog.
Tchuruk zog weiter, sanierte eine andere Chemiefirma und brachte anschließend den Ölkonzern Total auf Vordermann. Auch bei Alcatel packte er zu. Unter ihm wurde das Unternehmen zur weltweiten Nummer eins bei Ausrüstung für DSL-Technik, die schnelle Internetverbindungen über Kupferkabel herstellt.
Probleme hat das Stehaufmännchen Tchuruk dagegen mit dem Aufhören. Obwohl er das Rentenalter erreicht hat, will er Präsident des fusionierten Konzerns werden. Als Nachfolger bei Alcatel hatte er bereits vor einiger Zeit den Australier Mike Quigley auserkoren. Mit der Fusion sind die Karten jedoch neu gemischt. Ein neuer Name macht die Runde: Der Pariser Finanzminister Thierry Breton gilt als erfahrener Manager.
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