Der ehemalige Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer (Foto) soll den Scheingewerkschafter Schelsky mit Millionen versorgt haben. Der erfüllte sich damit seinen Traum vom Provinzfürsten - und trat als Sponsor lokaler Sportvereine auf. von Angela Maier (München)
Wer wäre nicht gern ein Mäzen? Wilhelm Schelsky, der Chef der von Siemens finanzierten Gewerkschaft AUB, bekommt Anfang 2006 endlich das Geld dazu in die Hand.
Über Jahre, so die Erkenntnis der Staatsanwaltschaft Nürnberg, hat er da schon vom Konzern Millionen dafür kassiert, seine Organisation gegen die mächtige IG Metall in Stellung zu bringen. Jetzt endlich will er auch Provinzfürst sein.
Nach der Erkenntnis der Strafverfolger beginnt Schelsky also Anfang 2006, zusätzliche Gelder in Rechnung zu stellen und entgegen den Absprachen zu verwenden. 3,2 Mio. Euro kassiert er extra und gibt den großzügigen Sponsor lokaler Sportvereine. Er soll die Spielergehälter nahezu der gesamten Damen-Handballmannschaft des 1. FC Nürnberg, die Leasingkosten für deren Fahrzeuge, die Gehälter der Herren-Handballmannschaft des VfB Forchheim und die Spielergehälter der Fußballmannschaft des GSV 04 Greifswald bestritten haben, wo er sich gern im Sommer aufhält.
Die Details aus der jetzt vorgelegten Anklageschrift belegen, wie sehr das Schmiergeldsystem von Siemens in der Endphase wucherte. Schlüsselfigur auf Siemens-Seite: Johannes Feldmayer. Ab 1979 arbeitet er nach einer Stammhauslehre für den Konzern, nach einem Studium an der französischen Eliteuni Insead steigt er immer weiter auf, bis es der heute 51-Jährige 2003 sogar in den Vorstand schafft. Er zählt gar zu den Favoriten für die Nachfolge von Chef Heinrich von Pierer.
Schließlich überzeugt der umgängliche Augsburger auch bei einer besonders delikaten Aufgabe: der verdeckten Förderung der Gewerkschaft AUB. Seit Mitte der 80er-Jahre betreibt Siemens diese schon, 2001 übernimmt Feldmayer: Er unterschreibt im Januar 2001 einen Rahmenvertrag mit einer Unternehmensberatung, deren Inhaber Schelsky ist. Dessen Scheinrechnungen soll Feldmayer vier Jahre lang gar unter seiner Privatadresse entgegengenommen haben, danach offiziell unter der Siemens-Adresse.
Ex-Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer
228 Seiten umfasst die Anklageschrift gegen Feldmayer und Schelsky. Feldmayer ist der erste Ex-Siemens-Vorstand, der sich vor Gericht verantworten soll. Die Vorwürfe: Untreue und Steuerhinterziehung. Für Untreue drohen ihm bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. Laut dem Rahmenvertrag soll Schelsky für 500.000 Euro pro Quartal Dienstleistungen wie die Schulung von Mitarbeitern erbringen.
Schon bei Vertragsabschluss habe jedoch zwischen Feldmayer und Schelsky "Einigkeit darüber bestanden, dass Wilhelm Schelsky die in der Vertragsurkunde aufgeführten Dienstleistungen nicht erbringt", so die Ankläger. Das "gleichwohl zu zahlende Honorar" soll "stattdessen dazu verwendet werden, die als arbeitgeberfreundlich geltende Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsräte (AUB) weiter auszubauen und zu fördern". 44 Rechnungen soll Schelsky von Januar 2001 bis November 2006 gestellt haben, für 30,3 Mio. Euro zuzüglich Umsatzsteuer. Diese Aufwendungen setzt Siemens von der Steuer ab - nach Meinung der Staatsanwälte ein klarer Fall von Steuerhinterziehung.
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