Thomas Ganswindt
"Das sagt viel aus: strukturiert, analytisch, knallhart und wenn es sein muss auch autoritär", heißt es aus Unternehmenskreisen über den neuen Bereichsvorstand. Ab sofort wird der 44-Jährige anstelle des überraschend zur Deutschen Telekom wechselnden Lothar Pauly das defizitäre Kommunikationsgeschäft in München übernehmen. Und sollte sein Bild das halten, was es verspricht, dürfte der Sanierungskurs dort künftig um einiges verschärft werden.
Zwar hat Pauly nicht tatenlos zugesehen, als die Sparte ihre Verluste ausweitete, zuletzt von 19 auf 70 Mio. Euro. Aber nicht einmal der Verkauf des defizitären Handygeschäfts an den taiwanischen Elektronikkonzern
BenQ genügte, um die mit einem Jahresumsatz von 17 Mrd. Euro wichtigste Siemens-Sparte nachhaltig zu sanieren. Nun soll Ganswindt dafür sorgen, dass Siemens Com die strengen Renditevorgaben von Konzernchef Klaus Kleinfeld erreicht.
Vertrieb mit Großkunden neu ordnen
Dafür, dass die Wahl ausgerechnet auf Ganswindt fiel, brauchte es wenig Fantasie: Im Siemens-Zentralvorstand ist er bereits für den Bereich Information und Kommunikation zuständig. Von hier aus wird nun eine direkte Linie in die Com-Sparte hineinführen.
Auf Ganswindts Agenda steht zunächst die Umstrukturierung des Vertriebs mit Großkunden. Er muss das wenig margenträchtige Geschäft mit Mittelstandskunden vom Großkundengeschäft abkoppeln - betroffen von der Ausgliederung sind 4600 Mitarbeiter. Niemand zweifelt daran, dass Ganswindt durchgreifen wird. "Als er ab 2001 die
Siemens -Festnetzsparte ICN leitete, strich er dort Tausende von Stellen", sagt der Siemens-Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Oppenheim. "So etwas prägt und macht einen für die Zukunft aggressiver als andere."
Ganswindt muss sich indes auf scharfen Gegenwind der IG Metall einstellen. Hier löste die Nominierung des neuen Com-Chefs bereits Kampfstimmung aus. Die geplante Ausgliederung im Geschäftskundengeschäft verstoße gegen "tarifvertragliche Vereinbarungen", hieß es am Wochenende. Dies werde man nicht so ohne weiteres hinnehmen. Analyst Rothauge rechnet daher mit turbulenten Monaten: Es sei "bemerkenswert", dass Pauly "mittendrin das Handtuch" geworfen habe. "Das gibt mir das Gefühl, dass die tatsächliche Lage in der Com-Sparte schlimmer ist als bislang angenommen."