Lotus soll der Ferrari Englands werden: Dany Bahar gilt dabei als großer Hoffnungsträger
Die goldenen Zeiten sind vorbei. Jahre, in denen James Bond dem Charme der puristischen Renner wie den Frauen erlag und Lotus auf Augenhöhe mit Ferrari kämpfte. Noch in den 70ern zählte die Marke aus dem Osten Englands zu den verrückten Underdogs mit skurrilen Innovationen. Ein Gitterrohrrahmen als Benzintank, nur um ein paar Kilo Gewicht zu sparen? Lotus war Luxus. "Die letzten Jahre haben uns ein wenig weggefegt", gesteht Bahar.
Mit dem Tod des Firmengründers Colin Chapman Anfang der 80er begann der Abstieg: General Motors schnappte sich die Briten, baute Opel-Modelle wie den Sportwagen Speedster auf Basis der legendären Elise. Später krallte sich die heutige VW-Tochter Bugatti die Ikone. Egal mit wem und wie: Lotus warf kein Geld mehr ab. Selbst in der nun 15 Jahre andauernden Ära unter Proton - einem malaysischen Billigautobauer - fehlen zählbare Ergebnisse.
2009 startete Proton mit Dany Bahar einen Neuanfang. Der letzter Versuch? Viele Beobachter glauben das. Bahar sei Protons letzter Anlauf, die britische Tochter auf eine wirtschaftliche Basis zu stellen. Zwangsläufig werde der junge Schweizer in die Geschichte eingehen: als Retter oder Totengräber von Lotus. "Mir gefallen Sachen, die schwierig zu meistern sind. Das ist eine Mammutaufgabe mit einer Fifty-fifty-Chance", gibt Bahar unumwunden zu. Viele trauen ihm das Wunder von Norwich zu.
"Dany ist ein guter Fang für Proton", sagt ein leitender Mitarbeiter. Gäbe es Olympische Spiele für Topmanager, Dany Bahar wäre Medaillenkandidat im Sprint. Als quasi unbeschriebenes Blatt stieg der damals 30-Jährige zum zweitwichtigsten Mann bei Red Bull auf, im Reich des Milliardärs Dietrich Mateschitz. Es folgte Ferrari - und die Wiederholung des Erfolgs. Bahar stand hinter dem "Großen Präsidenten" Luca di Montezemolo in Position, dann kam das Angebot von Lotus. In dieser Phase bezeichnete die Wochenzeitung "Die Zeit" den in der Türkei geborenen Manager als "Wirtschaftswunderkind". Letzte Probe seiner Mustermanagerkarriere: Auf der diesjährigen Weihnachtsfeier gab Proton nach FTD-Informationen die vorzeitige Verlängerung seines Vertrags bekannt. Eigentlich stand das erst Ende 2012 an.