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Merken   Drucken   26.12.2011, 18:47 Schriftgröße: AAA

Sportwagenbauer mit Ambitionen: Wunderknabe krempelt Lotus um

Exklusiv Lotus ist zwar ein klangvoller Name bei Freunden schneller Autos, kann aber wirtschaftlich mit Marken wie Ferrari nicht mithalten. Das will der neue und alte Chef Dany Bahar auch mithilfe eines Kleinwagens ändern. von Margret Hucko  Norwich
An dem weißen Bücherregal lehnt ein Mountainbike. Mattschwarz lackierter Rahmen, darauf ein goldener Schriftzug: "Dany", der Vorname des Lotus-Chefs, prangt auf dem Sportgerät. Blitzsauber parkt es im Vorstandsbüro, als sei es gerade frisch montiert worden. Keinen Meter hat Dany Bahar das Bike in freier Natur bewegt.
"Das sagt nichts über mich aus", protestiert der 40-jährige Schweizer. Lächelt und winkt demonstrativ ab. Dabei muss er täglich strampeln - beim Autobauer Lotus.
Lotus soll der Ferrari Englands werden: Dany Bahar gilt dabei als ...   Lotus soll der Ferrari Englands werden: Dany Bahar gilt dabei als großer Hoffnungsträger
Die goldenen Zeiten sind vorbei. Jahre, in denen James Bond dem Charme der puristischen Renner wie den Frauen erlag und Lotus auf Augenhöhe mit Ferrari kämpfte. Noch in den 70ern zählte die Marke aus dem Osten Englands zu den verrückten Underdogs mit skurrilen Innovationen. Ein Gitterrohrrahmen als Benzintank, nur um ein paar Kilo Gewicht zu sparen? Lotus war Luxus. "Die letzten Jahre haben uns ein wenig weggefegt", gesteht Bahar.
Mit dem Tod des Firmengründers Colin Chapman Anfang der 80er begann der Abstieg: General Motors schnappte sich die Briten, baute Opel-Modelle wie den Sportwagen Speedster auf Basis der legendären Elise. Später krallte sich die heutige VW-Tochter Bugatti die Ikone. Egal mit wem und wie: Lotus warf kein Geld mehr ab. Selbst in der nun 15 Jahre andauernden Ära unter Proton - einem malaysischen Billigautobauer - fehlen zählbare Ergebnisse.
2009 startete Proton mit Dany Bahar einen Neuanfang. Der letzter Versuch? Viele Beobachter glauben das. Bahar sei Protons letzter Anlauf, die britische Tochter auf eine wirtschaftliche Basis zu stellen. Zwangsläufig werde der junge Schweizer in die Geschichte eingehen: als Retter oder Totengräber von Lotus. "Mir gefallen Sachen, die schwierig zu meistern sind. Das ist eine Mammutaufgabe mit einer Fifty-fifty-Chance", gibt Bahar unumwunden zu. Viele trauen ihm das Wunder von Norwich zu.
"Dany ist ein guter Fang für Proton", sagt ein leitender Mitarbeiter. Gäbe es Olympische Spiele für Topmanager, Dany Bahar wäre Medaillenkandidat im Sprint. Als quasi unbeschriebenes Blatt stieg der damals 30-Jährige zum zweitwichtigsten Mann bei Red Bull auf, im Reich des Milliardärs Dietrich Mateschitz. Es folgte Ferrari - und die Wiederholung des Erfolgs. Bahar stand hinter dem "Großen Präsidenten" Luca di Montezemolo in Position, dann kam das Angebot von Lotus. In dieser Phase bezeichnete die Wochenzeitung "Die Zeit" den in der Türkei geborenen Manager als "Wirtschaftswunderkind". Letzte Probe seiner Mustermanagerkarriere: Auf der diesjährigen Weihnachtsfeier gab Proton nach FTD-Informationen die vorzeitige Verlängerung seines Vertrags bekannt. Eigentlich stand das erst Ende 2012 an.
Proton scheint zufrieden. Bahar strukturiert in einem Tempo um, das an Formel 1 erinnert. In den ersten Monaten setzte er einen Fünf-Jahres-Plan auf, brachte gleich fünf neue Autos auf den Weg, die Finanzierung sichern Banken aus Malaysia und Singapur. 800 Mio. Euro werden in neue Produkte und Fabrikhallen fließen. Gepäppelt hat auch der britische Staat mit mehreren Millionen. Nur: Reicht das? Allein die Entwicklung eines Autos verschlingt fast 1 Mrd. Euro. "Es schaut nach sehr viel aus - fünf Autos. Aber nach Ingenieurmaßstäben sind es ein bis zwei Autos", sagt Bahar. Ein Baukastensystem also, das möglichst viele gleiche Teile für mehrere Modelle vorhält.
"Bentley, Aston Martin, Ferrari, Maserati - die bauen alle 5000 bis 10.000 Autos im Jahr. Da gibt es noch Platz für einen englischen Hersteller", sagt Bahar sachlich. Bis 2015 will er den Absatz auf 7000 Autos verdreifachen. Bei Ferrari sieht man das mit gemischten Gefühlen. Wer dort nach Bahar fragt, bekommt dennoch anerkennende Antworten. Man fürchte jedoch, er werde Ferrari-Methoden bei Lotus anwenden. Seit der Rückkehr der Briten in die Formel ist dies gewiss. "Wir wollen in alle Rennserien rein. Ich glaube, dass Motorsport das geeignete Mittel ist, um unser Produkt so authentisch wie möglich rüberzubringen" - besser hätte Ferrari-Boss Luca di Montezemolo es kaum formulieren können.

Teil 2: Für den Erfolg scheut Bahar keinen Tabubruch

  • FTD.de, 26.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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