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Merken   Drucken   16.07.2010, 13:00 Schriftgröße: AAA

Standort und Arbeitsplatz: Die Balance zwischen Form und Funktion

Auffällige Bürogebäude, prestigeträchtige Standorte - so mancher Arbeitgeber wählt die Unternehmensadresse nach Image-Kriterien. Doch das birgt auch Risiken. Außerdem stellen ungewöhnliche Gebäude die Firmen vor Probleme bei der Arbeitsplatzgestaltung.
Beim Bau eines Prestigegebäudes muss der Architekt einen schwierigen Spagat vollbringen. Einerseits soll das Gebäude künftig die Skyline der Stadt prägen, andererseits soll es aber auch ein angenehmer Arbeitsort werden. Wahrzeichen wie die vom Architekten Norman Foster geschaffene "Gurke" im Herzen Londons können ein Unternehmen bekannt und die Ambitionen des Besitzers für alle Welt sichtbar machen. Doch Denkmäler an den Firmenstolz können den Bewohnern auch eine Menge Probleme bescheren.
"Gewölbte, ausgefallene Strukturen nutzen Raum auf ineffiziente Weise, und es kann teuer werden, sie auszugestalten", sagt Hugh Mulcahey vom Beratungsunternehmen Cyril Sweett. Hohe, schmale Bürotürme schaden oft der Teamarbeit, weil Abteilungen über mehrere Etagen aufgeteilt werden müssen. Und auch wenn eine in den Himmel ragende Säule von außen gut aussieht, so kann der hermetisch versiegelte Innenbereich bei den Nutzern ein Gefühl der Erschöpfung hervorrufen.
Die Gurke (r.) in London ist eines der bekanntesten Gebäude der Welt   Die Gurke (r.) in London ist eines der bekanntesten Gebäude der Welt
Bekannt, aber mit vielen Kontrollen
Linda Felmingham, deren Arbeitgeber Räume in der "Gurke" gemietet hat, sagt, es habe etwas für sich, in einem schönen Gebäude zu arbeiten, das jeder kenne. "Wenn ich ein Taxi nehme, gebe ich nicht die Adresse an, sondern sage einfach 'Die Gurke'", so Felmingham. Einer der Nachteile seien jedoch die Sicherheitskontrollen, aus Angst vor möglichen Terrorangriffen müssen diese wasserdicht sein. "Alle Besucher werden hier wie am Flughafen kontrolliert", sagt sie.
Es wurden mutige Versuche unternommen, um in der Büroarchitektur Form und Funktion unter einen Hut zu bringen. Nicht alle Versuche waren von Erfolg gekrönt. Anfang der 90er baute der Architekt Ralph Erskine im Westen Londons die "Arche". Dieses von außen wie ein Schiff anmutende Gebäude sollte die vollkommene Lösung für die Arbeit im Großraum darstellen. Doch die "Arche" stand jahrelang leer.
Innenraum: Waghalsig oder modern?
2006 wurde das Innere des Gebäudes von De Novo-Architecture radikal umstrukturiert. Stuart McLarty, einer der Gründer des Architekturbüros, sagt, das Grundproblem war, dass die Aufteilung auf die sehr spezifischen Anforderungen des ursprünglich gedachten Besitzers und Nutzers zugeschnitten war und nicht verändert werden konnte. Als das Unternehmen Großbritannien verließ, ohne überhaupt in die "Arche" eingezogen zu sein, gab es kaum Mietinteressenten für das Gebäude.
Ein weiteres Problem waren die Laufstege im Innern des Gebäudes, die Menschen mit Höhenangst abschreckten. "Wir besuchten eine Veranstaltung (bevor durch den Umbau das Problem gelöst wurde), auf der ein Mitarbeiter des Partyservice aus Angst nicht über eine der internen Brücken gehen wollte, über die man zur Feier gelangte", sagt McLarty.
Markenzeichen mit Komfort
Auch der Commerzbank Tower in Frankfurt wurde von Norman Foster entworfen. Foster brachte es hier fertig, markante Architektur mit Komfort für die Mitarbeiter zu verquicken. Nachdem Umfragen unter dem Personal durchgeführt worden waren, baute die Commerzbank den Büroturm um einen Atriumbereich mit Themengärten herum, der natürliches Licht einfallen lässt.
Dank einer doppelten Außenfassade können auch die Mitarbeiter in den oberen Stockwerken Fenster öffnen, anstatt sich auf Klimaanlagen verlassen zu müssen. "Wir haben uns überlegt, wie wir das Arbeiten attraktiver machen könnten", sagt Arno Walter, Bereichsvorstand Organisation bei der Commerzbank.

Teil 2: Lernen Sie weitere Beispiele kennen.

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