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  FTD-Serie: Wege aus der Kreditklemme

Der Mittelstand braucht Investitionskapital, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten. Doch die Krise an den Finanzmärkten macht genau dieses Kapital knapp, weil Banken sich mit Krediten zurückhalten. Wir zeigen, welche Alternativen es gibt.

Merken   Drucken   10.03.2008, 19:28 Schriftgröße: AAA

Stunde der Kurzzeitmanager schlägt

Dossier Professionelle Manager auf Zeit sind gefragt wie nie. Vermittler erwarten für das Jahr 2008 ein Umsatzplus von 30 Prozent und mehr. Insbesondere steigt der Bedarf bei Mittelständlern. von Angela Maier (München)
"Die Nachfrage ist kaum zu stillen", sagte Jens Christophers, der selbst als Interimsmanager tätig ist und dem Branchendachverband DDIM vorsitzt, der FTD. Der Aufschwung der Branche, die stark im Verborgenen wirkt, wird sich 2008 nach eigener Einschätzung noch beschleunigen. Drei der großen Vermittler, Boyden Interim Management, Signium und EIM Executive Interim Management, rechnen 2008 mit einem Umsatzplus von 30 Prozent und mehr.
Ein Haupttreiber ist die Globalisierung - ein altes Thema, das sich aber gerade im Mittelstand vielfach erst jetzt stärker durchsetzt. "Wir suchen vor allem Personal für die Expansion ins Ausland", sagte Harald Linné, Partner von Boyden Interim Management. Um die vielen Suchaufträge erfüllen zu können, will Boyden Interim 2008 drei neue Partner einstellen, zusätzlich zu den sechs Partnern im Münchner Büro. Boyden Interim, das sich in Deutschland als Marktführer sieht, hat den Umsatz 2007 nach eigenen Angaben auf 12 Mio. Euro mehr als verdoppelt.
Interimsmanagement in Deutschland   Interimsmanagement in Deutschland
Ein Schwerpunkt für Interimsmanagement ist auch der Aufbau von Produktionsstätten im Ausland, insbesondere im Osten. "Osteuropa-erfahrene Manager könnten wir klonen", berichtete Signium-Geschäftsführer Michael Pochhammer. Die Manager auf Zeit werden vor allem geheuert, um spezielle, zeitlich begrenzte Aufgaben zu erfüllen. So berichtet DDIM-Vorstand Lennart Koch von einem Kunden, der weltweit zehn Werke zu dreien zusammenlegen will und dafür einen technischen Geschäftsführer mit internationaler und Restrukturierungserfahrung sucht.
Experten zufolge gibt es in Deutschland etwa 15 namhafte Vermittler sowie Tausende Einzelkämpfer. Der DDIM zählt 101 Mitglieder, davon fünf große Vermittler. Für 2007 wird geschätzt, dass der Umsatz der deutschen Branche um 13 Prozent auf gut 550 Mio. Euro gestiegen ist. Während der Einsatz von Zeitarbeit in der Chefetage in den USA, den Niederlanden oder Großbritannien Standard ist, ist der Markt in Deutschland noch relativ jung. "Sieben von zehn Führungskräften haben keine Erfahrung mit Interimsmanagement", sagte Linné. Wer dies jedoch einmal getestet hat, kommt darauf wieder zurück. "Der Anteil der Wiederholungskunden ist sehr hoch", berichtete Pochhammer.
So erwartet die Branche, ihren Umsatz bis 2010 auf 750 Mio. Euro zu steigern. 2012 soll die Milliardenschwelle überschritten werden. Dazu soll auch eine höhere Entlohnung beitragen. "In den USA oder Hongkong sind für Interimsmanagement ganz andere Tagessätze üblich als in Deutschland. Das ist auch eine Frage der Marktreife", sagte Dietmar Kablitz von der weltweit vertretenen Vermittlung EIM Executive Interim Management.
Derzeit sind Interimsmanager, die für einige Monate oder Jahre in einem Unternehmen übergangsweise spezielle Projekte oder Aufgaben übernehmen, meist deutlich günstiger als große Beratungshäuser wie McKinsey, Roland Berger oder Boston Consulting. Nehmen die renommierten Beratungen für Hochschulabsolventen 2000 Euro und für Partner mindestens das Doppelte, sind Manager auf Zeit für die zweite oder erste Führungsebene für 1500 bis 2500 Euro am Tag zu rekrutieren. "Ihr Gehalt wird mit dem der Manager in Festanstellung verglichen", sagte Kablitz.
Ein Grund dafür ist, dass die Branche intransparent ist und Qualitätsstandards fehlen. Interimsmanager kann sich jeder nennen - und lange waren dies vor allem Führungskräfte am Ende ihres Berufslebens. Das ändert sich, denn immer mehr jüngere Manager in den Vierzigern wie Christophers oder Koch mögen die Flexibilität, zwischen zwei Projekten auch mal ein paar Monate Pause machen zu können. Und sie schätzen es, bei den üblichen Konzernscharmützeln außen vor zu bleiben. "Als Interimsmanager können Sie oft mehr bewegen", so Koch. "Denn der Kunde betrachtet Sie als Investition, mit internen politischen Dingen haben Sie nichts zu tun."
  • Aus der FTD vom 11.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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