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Merken   Drucken   01.09.2010, 14:28 Schriftgröße: AAA

Suche nach Top-Talenten: Unternehmen gehen in die Kitas

Viele Unternehmen haben erkannt, dass man frühzeitig beginnen muss, begabte Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Und dass es Vorteile bringt, selbst bei Kindern schon das Interesse für Technik und Wissenschaft zu fördern.
Mit der blauen Sicherheitsbrille und dem viel zu großen weißen Kittel sieht er aus wie ein Mini-Chemie-Professor. "Ich produziere luftgefüllte Blubberblasen", sagt Lukas stolz und bläst über einen Strohhalm Luft in einen durchsichtigen Wassereimer. Lukas ist fünf.
Beim Herumexperimentieren entdecken Kinder ihr Interesse für ...   Beim Herumexperimentieren entdecken Kinder ihr Interesse für Chemie, Physik oder Biologie
In einer Kindertagesstätte in Ludwigshafen lernen die Kleinen mit solchen Experimenten, dass sie von Luft umgeben sind. Aber die Tragweite solcher Übungen ist weit größer. Deutschlands Unternehmen versuchen mit allen Mitteln, ihr auf lange Sicht gravierendstes Problem zu lösen: den drastischen Mangel an qualifiziertem Personal.
Trotz Arbeitslosigkeit fehlen Fachkräfte
Trotz 7,6 Prozent Arbeitslosigkeit fehlen den Arbeitgebern in Europas größter Volkswirtschaft Mathematiker, Ingenieure, Elektrotechniker und andere qualifizierte Kräfte. Das bedroht Deutschlands Stellung als eine der stärksten Industrienationen der Welt.
2009 fehlten in deutschen Unternehmen mehr als 60.000 Fachkräfte mit einer technischen oder naturwissenschaftlichen Qualifikation, sagt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Angesichts der rapide zunehmenden Überalterung der Gesellschaft und dem mangelnden Interesse der Schüler und Studierenden an Naturwissenschaften dürfte sich das Problem drastisch verschärfen. Das Marktforschungsinstitut Prognos geht davon aus, dass bis 2030 rund 5,2 Millionen Fachkräfte fehlen. "Wir müssen deutlich mehr für Bildung und Forschung tun, sonst sieht es in Zukunft sehr düster aus", sagt Franz Fehrenbach, der Chef des deutschen Autozulieferers Bosch.
Krisenmanagement: Personal halten, um für den Aufschwung gerüstet zu sein
Das Problem ist so gravierend, dass viele Unternehmen ihr qualifiziertes Personal lieber durch die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg geschleppt haben, als Gefahr zu laufen, nachher niemanden mehr zu finden.
Der Fachkräftemangel hat nicht nur dazu geführt, dass sich Unternehmen um bestimmte Berufsgruppen geradezu reißen und mehr Ausländer nach Deutschland holen wollen. Es gibt auch immer mehr Topmanager, die das Problem an der Wurzel packen.
Fehrenbach gründete vor fünf Jahren mit acht weiteren Topmanagern die Wissensfabrik, eine Organisation, die bei Schulkindern Interesse für Natur- und Wirtschaftswissenschaften wecken und die Sprachkenntnisse fördern will. Die Wissensfabrik hat bereits eine ganze Reihe von Projekten angestoßen, um das Bildungssystem zu verbessern. Deutschlands Bildungseinrichtungen selbst sind offenbar immer weniger in der Lage, für den Bedarf der Maschinenbau-, Elektronik- und Automobilunternehmen auszubilden - Firmen, die das Rückgrat der exportgetriebenen deutschen Wirtschaft darstellen.
Lehrpläne der Schulen passen nicht
Im Bereich der technischen Wissenschaften liegt die Abbrecherquote an deutschen Unis bei mehr als 30 Prozent. Nach Schätzungen des Maschinenbauverbands VDMA gab es 2009 im Fachbereich Maschinenbau 65.000 Studienanfänger, aber nur 31.000 Absolventen - deutlich weniger als die Industrie braucht.
Das Unternehmen Trumpf engagiert sich seit Jahren in der Wissensfabrik   Das Unternehmen Trumpf engagiert sich seit Jahren in der Wissensfabrik
Gerhard Rübling, Personalchef und Vorstandsmitglied beim Technologieunternehmen Trumpf sowie Gründungsmitglied der Wissensfabrik, bezeichnet die Situation als dramatisch. "Die Zugangsvoraussetzungen für Ingenieurstudiengänge sind zu hoch, und die Lehrpläne passen nicht immer zum Bedarf der Industrie. Wir brauchen bessere Kurse und Lehrpläne an Universitäten, und wir müssen uns fragen, ob technischen Fächern in der Schule genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird."
Partner für Aktionen in Schulen und Kitas gesucht
Während viele deutsche Unternehmen durch Kooperationen mit Universitäten dafür sorgen, dass die Studierenden das lernen, was sie später im Beruf brauchen, konzentriert sich die Wissensfabrik auf Kinder im Grund- und Vorschulalter. "Wir wollen das bestehende Bildungssystem unterstützen und gleichzeitig hinterfragen", sagt Wissensfabrik-Chefin Eva Müller.
Die Organisation sucht Unternehmen, die bereit sind, Partnerschaften mit Schulen, Bildungseinrichtungen und Kindertagesstätten zu finanzieren. Anschließend bietet die Wissensfabrik diesen Partnern Lehrmaterial und Lehrerschulungen und überwacht und unterstützt die Projekte.

Teil 2: Nicht im Fokus: das Fachkräftepotenzial unter Frauen und Migranten.

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