Rund um die Welt werden Richtlinien zur Corporate Governance eingeführt, Ethik und Moral sind in der Unternehmenswelt keine Fremdbegriffe mehr. Doch was in der Theorie Fortschritte macht, zeigt in der Praxis noch keine Erfolge. Vorstandsgehälter und hohe Abfindungen werden weiterhin unabhängig von der Entwicklung der Aktienkurse vergeben. Unternehmensskandale wie bei Volkswagen oder Citigroup nehmen nicht ab. Warum?
Die Skandale sind die Folge des Versuchs, die eigenen Aktienkurse künstlich in die Höhe zu treiben. Schließlich wird ein großer Teil der Vorstandsgehälter in Aktienoptionen bezahlt. Hinzu kommt die Tatsache, dass Firmenchefs unter größerem Druck seitens der Fondsmanager und Analysten stehen, die angestrebten Zahlen zu erreichen.
Da also liegt die Krux: Alles drängt in eine Richtung, die ethisch korrektem Verhalten entgegenläuft.
Selbst die Vielzahl neuer Gesetze, wie etwa das vor drei Jahren in den USA verabschiedete Sarbanes-Oxley Act, kann nicht angemessen helfen. Zwar handelt es sich um Vorschriften zur Unternehmensführung und Berichterstattung. Doch bedeuten die Gesetze leider auch, dass richtiges Verhalten zur reinen Pflichtübung verkommt. Es wird auf einer Checkliste abgehakt und nicht selten lediglich als reines PR-Mittel eingesetzt.
Kodex häufig zu allgemein gehalten
Auch wenn man davon ausgeht, dass Unternehmen den Gesetzen folgen, sind Vorschriften noch keine Garantie für integres Verhalten. Ein Gesetz schreibt immer den kleinsten gemeinsamen Nenner fest und hinkt Veränderungen in Wirtschaft und Märkten hinterher.
Neben den allgemeinen Vorschriften und Richtlinien entscheiden sich Unternehmen oft auch dazu, ihre eigenen Verhaltensregeln zu definieren. Führungskräfte, die das vorhaben, delegieren die Gestaltung aber leider häufig an Dritte. Der Vorstand beruft in der Regel einen Ethikrat, und der Ethikrat wendet sich an externe Berater. In diesen Fällen wird der Kodex häufig zu allgemein gefasst. Manager und Mitarbeitern halten das Resultat für eine Zusammenfassung nichts sagender Phrasen. Es wird ignoriert.
Aber was bedeutet denn Ethik in der Unternehmenswelt überhaupt? Das Londoner Institute of Business Ethics nennt Offenheit, Gerechtigkeitsempfinden, Ehrlichkeit, Vertrauen und die Fähigkeit zuzuhören als die wichtigste Eigenschaften.
Diese Tugenden können auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Schwindet etwa das Vertrauen, leidet das Geschäft. Die Teilnehmer müssen sich dann stärker auf Gesetze und Vorschriften verlassen. Und je mehr Transaktionen vertraglich abgesichert werden, desto umständlicher und teurer wird das Geschäft. Jeder Schritt muss verhandelt, vereinbart, festgeschrieben und umgesetzt werden.Wer von Anfang an auf Ehrlichkeit und Vertrauen setzt, spart Kosten.