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Management-Wissen pur: Theorien und aktuelle Denkansätze, Entwicklungen in Lehre und Praxis, dazu populäre Thesen und was dahinter steckt. Alles erläutert von Professoren führender internationaler Business-Schulen.

Merken   Drucken   15.08.2005, 19:20 Schriftgröße: AAA

Summer School: Management mit Emotionen  

Die Financial Times Deutschland bietet Ihnen die Möglichkeit, in einem 20-tägigen Kursus altes Uni-Wissen aufzufrischen und neue Impulse von Managementexperten aufzunehmen. Heute: das richtige Feingefühl für erfolgreiches Management. von Richard Boyatzis
Führungsqualität wird mittlerweile nicht nur am heutigen Erfolg eines Unternehmens gemessen, sondern auch an der Strategie für morgen. Die eigentliche Prüfung besteht darin, ein Unternehmen so anpassungsfähig aufzubauen, dass es langfristig erfolgreich bleibt. Und das bedeutet, dass aus dem gesamten Unternehmen kontinuierlich neue Führungspersönlichkeiten hervorgehen müssen. Ein einfache Aufgabe ist das nicht.
Jüngste Erkenntnisse aus der Neurologie, der Hirnforschung und der Psychologie liefern allerdings einen Ansatz, der für Unternehmen sehr brauchbar ist: Es geht um den Positive Emotional Attractor (PEA) und den Negative Emotional Attractor (NEA). Das sind jene Prozesse im Körper, die die emotionalen Schwankungen auslösen, welche Menschen bei Veränderung im Arbeits- oder Privatleben durchleben.
Der PEA wird aktiviert, wenn man etwa über Träume und Hoffnungen für die Zukunft nachdenkt: Die Atmung verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt, die Aktivität des Immunsystems steigt. Man fühlt sich gut, ist optimistisch und voller Hoffnung.
Der NEA hingegen wird aktiviert, wenn man sich auf Schwächen und Ängste konzentriert und darüber nachdenkt, was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist. Die Folge: Der Blutdruck steigt, die Atmung beschleunigt sich. Die Gesichtsmuskeln spannen sich an. Nervosität kommt auf, Stress und eine defensive, pessimistische Haltung.
Den PEA in jedem aktivieren
Während der NEA einen Menschen eher blockiert, kann der PEA zu Taten ermuntern, selbst dann, wenn nicht alles zum Besten steht. Menschen im PEA-Zustand schauen nach vorne, die im NEA-Zustand in die Vergangenheit. Erfolgreiches Personalmanagement heißt heute, den PEA in jedem zu aktivieren.
Beispiel Diät. Einer der vielen Faktoren, die es so schwer machen abzunehmen, ist die Vorstellung von Qual. Allein die Tatsache, sich eine Diät vorzunehmen, wird zum Stressauslöser und aktiviert den NEA-Zustand. Damit die Diät Wirkung zeigt, müsste der PEA aktiviert und ein positiver Grund für die Veränderung gefunden werden. Das Bewusstsein sollte also dahin gesteuert werden, sich lebendiger und attraktiver fühlen zu wollen. Der Gewichtsverlust wird dann lediglich als ein Mittel zum Zweck begriffen. Der PEA hilft, Zielen näher zu kommen.
Das Gleiche gilt für Unternehmen. Der Gründer des portugiesischen Bauunternehmens Sonae, Belmiro Azevedo beispielsweise, hat diese Erkenntnisse erfolgreich eingesetzt. Belmiro ist ein mitfühlender, zugleich aber ehrgeiziger und resoluter Geschäftsmann, dessen Unternehmen heute der größte private Arbeitgeber Portugals außerhalb des Bankensektors ist.
Seit das Unternehmen expandiert, stößt Belmiro immer wieder auf Abteilungsleiter, deren an sich sehr gute Leistungen mit der Zeit nachgelassen haben. In diesen Fällen versucht der Unternehmenschef, den PEA seiner Mitarbeiter zu aktivieren. "Ich biete ihnen Training, Beratung und Coaching an", erzählt Belmiro. Und wenn das nichts bringt, gibt es keine Kündigung, sondern Plan B: "Bei einem unserer monatlichen Essen frage ich den Manager, was für ein neues Geschäft er für den heutigen Markt entwickeln würde, wenn er unbegrenzt Mittel zur Verfügung hätte."
  • Aus der FTD vom 16.08.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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