Neue Zahlenspiele
Im fünften Jahr des neuen Jahrtausends verändern die Kräfte moderner Technologien und der Globalisierung die Geschäftsbedingungen auf der ganzen Welt. Große - bislang wenig beachtete - Umwälzungen finden deshalb auch seit einigen Jahren im Kostenmanagement statt. Deren Bedeutung ist nicht zu unterschätzen.
Zwar bietet ein zunehmend globaler Markt das Potenzial für höhere Erlöse, aber die Komplexität bringt auch höhere Kosten mit sich. Damit sich Unternehmen diesen Herausforderungen stellen können, benötigen sie heute umfassende Kostenrechnungsmethoden, die ihnen als wichtige Informationsquelle für ihre Entscheidungen dienen.
In vielen Unternehmen stehen immer noch die Einnahmen im Zentrum der Kostenrechnung. Manager ziehen es vor, sich auf deren Maximierung zu konzentrieren, anstatt zugleich auf die Minimierung der Ausgaben zu setzen. In global agierenden Unternehmen, die in ihrer Struktur sehr kompliziert geworden sind, greift diese Strategie nicht mehr.
In dem Bemühen, bessere Ansätze für das Kostenmanagement zu finden, haben in den vergangenen zehn Jahren Veränderungen stattgefunden, die darauf hindeuten, dass Einnahmen und Ausgaben gleichermaßen berücksichtigt werden können:
Die Dienstleistung
Seit den 90er Jahren konzentriert sich das Kostenmanagement nicht mehr hauptsächlich auf die Produktion, sondern spielt mittlerweile auch im Kundenservice eine große Rolle.
Das liegt zum einen daran, dass die Kosten für Dienstleistungen mit wachsender Bedeutung und wachsendem Umfang gestiegen sind. Als Reaktion darauf haben Buchhalter Techniken entwickelt, die ihre komplexe Kostenstruktur erfassen.
Zum anderen hat die Entwicklung von entsprechender Software die Bedeutung der Kostenrechnung in vielen Firmen erhöht. Softwareanbieter wie SAP haben die Unternehmen oft erst auf die vielen Möglichkeiten des Kostenmanagements aufmerksam gemacht. Heute wird es nicht mehr nur in der Produktionshalle der Fabriken angewandt, sondern auch in Beraterfirmen oder gemeinnützigen Organisationen.
Der Kunde
Während in den 90er Jahren der Fokus auf das Produkt gerichtet war, liegt er in den meisten Unternehmen mittlerweile auf dem Kunden. Damals stellten die Mitarbeiter in der Buchhaltung fest, dass ein Großteil ihrer Kosten nicht durch die Herstellung der Produkte entstand, sondern durch Dienstleistungen für Kunden. Unternehmen haben daraufhin Modelle entwickelt, mit denen sie die Rentabilität von Kunden beurteilen können. Gerade im wachsenden Dienstleistungssektor spielt die Messung der Rentabilität der Kunden heute die zentrale Rolle.
Bei vielen Dienstleistern steigen die direkten Kosten nur gering mit der erhöhten Nutzung eines Produkts. Nutzen die Kunden ihre Kreditkarten beispielsweise mehr, steigen die Kosten für die Verarbeitung dieser Transaktionen kaum. Aber wenn ein Kunde zu spät bezahlt und das Unternehmen bittet, die Verzugszinsen auszusetzen, können erhebliche Kosten entstehen.
In solchen Fällen, in denen die Intensität der Produktanwendung schwer zu erfassen ist, ist eine Konzentration auf die Rentabilität des Kunden sinnvoll. So kann die Entstehung der Erlöse und Kosten leichter zurückverfolgt werden.