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  FTD-Serie: Supply Chain Management

Wer im weltweiten Wettbewerb bestehen will, muss seine Liefer- und Produktionsprozesse optimal aufeinander abstimmen, damit Kosten und Qualität stimmen. Die Strategien und die nötige Technik dazu bietet ihm Supply Chain Management. In unserer Serie zeigen wir, wie dies funktioniert, und stellen erfolgreiche Beispiele vor.

Merken   Drucken   11.11.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Supply Chain Management: Lagern oder ersetzen

Die kräftigen Preisturbulenzen am Rohstoffmarkt bereitet vielen Unternehmen Schwierigkeiten. Nicht alle verfügen über eine große Lagerkapazität und müssen daher neue Lieferverträge aushandeln. von Horst Peter Wickel
Ohne Rohstoffe läuft in den Produktionshallen von Unternehmen gar nichts. Rund 15.000 Tonnen Kunststoff, überwiegend ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol)-Copolymere pro Jahr braucht etwa das fränkische Unternehmen Geobra Brandstätter, um in seinen Werken in Deutschland und Malta die weltberühmten Playmobil-Figuren herzustellen. "Am Weltmarkt ist genügend Ware vorhanden", sagt Robert Benker, Technischer Leiter.
Die Firma versucht den kräftigen Preisturbulenzen am Rohstoffmarkt nicht nur durch langfristige Kontrakte mit Kunststofflieferanten aus dem Wege zu gehen. Im fränkischen Hinterland verfügt sie zudem über erhebliche Lagerkapazitäten. 2500 Tonnen ABS passen in die Silos, weitere 2000 Tonnen können auf Paletten gelagert werden.
Davon, die Lagerkapazitäten ohne Mehrkosten zu erhöhen, können viele andere Unternehmen nur träumen. "In der Regel muss ein Unternehmen erst mit seiner Bank sprechen, wenn die Lagerhaltung ausgeweitet werden soll", sagt Peter Bömelburg, Geschäftsführender Partner bei der Unternehmens- und Steuerberatung Rödl & Partner.
Lieferverträge unter schwierigen Bedingungen
Eine Ausweitung der Kreditlinien für Unternehmen ist aktuell nicht ganz einfach. Zumindest die Wechselkursrisiken, sagt Bömelburg, ließen sich meist über entsprechende Vereinbarungen mit der Hausbank absichern. Schwieriger gestalten sich bei den anhaltenden Preisturbulenzen an den Rohstoffmärkten Lieferverträge mit Fixpreisvereinbarungen.
Der Volkswagen-Konzern setzt bei der Beschaffung von Rohstoffen auf ein vielfältiges Vertragsportfolio. Christoph Adomat, Sprecher Produktion und Werke bei dem Autokonzern: "Das Vertragsportfolio von Volkswagen enthält sowohl unterschiedliche zeitliche Dimensionen als auch angepasste Mengenkontingente zur stabilen Versorgung der Produktion." Nach Beobachtungen von VW geht die Konsolidierung in der Stahlindustrie weltweit voran, neue Kapazitäten werden in China wie auch in Russland aufgebaut.
Fertige Werkstücke kaufen
Um den rohstoffbedingten Kostenrisiken zu entgehen, sucht der Konzern "gemeinsam mit seinen Zulieferern nach Kompensationsmöglichkeiten". Darüber hinaus setzen die Wolfsburger auf die im Verband der Automobilindustrie vereinbarten Spielregeln im Umgang mit unerwarteten Rohmaterial-Preisveränderungen, die ein angemessenes "Painsharing" beider Seiten vorsehen.
Um die Risiken in der Supply Chain kalkulierbar zu halten, kaufen laut Xaver Hofmann, Geschäftsführer von HSM Stahl- und Metallhandel in Georgensgmünd, immer mehr Unternehmen von Zulieferern "fix und fertig bearbeitete Werkstücke"- und schieben dabei gleich "alle Rohstoff-Preisrisiken ab". Daneben sind Produktionsbetriebe auf der Suche nach Rohstoffalternativen, um dem wachsenden Kostendruck zu entgehen. "Die Substitution bewährter Werkstoffe durch anwendungsspezifisch optimierte Werkstoffe stellt einen Kernpunkt unserer Strategie dar", bestätigt VW-Sprecher Adomat.
Einfach sind solche Ausweichmanöver nicht, sagt Bömelburg. Um die eigene Versorgungskette abzusichern, bleibt Produktionsbetrieben, die auf bestimmte Rohstoffe angewiesen sind, nichts anderes übrig als einen "höheren Anteil zumindest finanziell abzusichern". Die Rohstoffmärkte sind nach Bömelburgs Einschätzung "deutlich überhitzt". Stahlhändler Hofmann sagt, gerade bei Stahl hätten die Produktionsbetriebe "keine Möglichkeit, den Marktturbulenzen auszuweichen".
  • FTD.de, 11.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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