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  FTD-Serie: Supply Chain Management

Wer im weltweiten Wettbewerb bestehen will, muss seine Liefer- und Produktionsprozesse optimal aufeinander abstimmen, damit Kosten und Qualität stimmen. Die Strategien und die nötige Technik dazu bietet ihm Supply Chain Management. In unserer Serie zeigen wir, wie dies funktioniert, und stellen erfolgreiche Beispiele vor.

Merken   Drucken   13.11.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Supply Chain Management: Sauber auf der ganzen Linie

Erfolgreiche Unternehmen achten darauf, dass auch Zulieferer soziale und ökologische Standards einhalten. Das beschert ihnen Wettbewerbsvorteile und macht sie profitabler. von Martin Bernhard
Oft tun mir der Rücken und die Knie weh, weil ich den Ball zwischen die Knie klemmen muss. Manchmal habe ich auch Blasen an den Händen und Kopfschmerzen." Und: "Ich würde gerne eine gute Schule besuchen, aber das ist zu teuer." Als diese Worte eines damals 13-jährigen Mädchens, das in Pakistan für einen Sportartikelhersteller arbeitete, Ende der 90er-Jahre an die Öffentlichkeit gelangten, hatte das Konsequenzen. Der Hersteller wechselte damals sofort den Lieferanten - die Folgen eines Imageschadens sind unkalkulierbar.
Klimawandel, Kinderarbeit, Massenentlassungen: Längst entscheiden nicht mehr nur Qualität und Preis eines Produkts darüber, ob es erfolgreich verkauft werden kann. So hat das Internetportal "Statista" herausgefunden, dass fast zwei Drittel der 14- bis 64-jährigen Deutschen keine Waren von Firmen kaufen würden, die sich unsozial verhalten.
Nachhaltige Produktion ist zu einem Wettbewerbsvorteil geworden, und das nicht nur für Unternehmen, die Endverbraucher beliefern. Auch im Investitionsgüterbereich gehört Nachhaltigkeit zu einem guten Supply-Chain-Management. Firmen signalisieren auf diese Weise, dass sie langfristig denken und verantwortungsbewusst mit Mensch und Umwelt umgehen.
BMW als Pionier in Sachen Nachhaltigkeit
BMW führte 1973 als erster Autobauer weltweit einen Umweltschutzbeauftragten ein. Nach den Worten von BMW-Sprecherin Verena Schuler verfolgt man zwei Wege, um Nachhaltigkeit im Produktionsprozess zu gewährleisten: "In jedem Werk gibt es einen Umweltbeauftragten. Außerdem treffen sich alle Umweltbeauftragten monatlich und entwickeln Verbesserungsvorschläge in den Bereichen Wasser, Energie und Abfall."
Der Prozess werde über ein IT-System gesteuert, das eine Umweltdatenbank enthalte. "Unser Ziel ist es, jährlich fünf Prozent weniger Ressourcen zu verbrauchen." Bei größeren Unternehmen gehören Umwelt- und Sozialberichte heute zum guten Ton. Im Juni veröffentlichte die Metro-Gruppe als erstes Handelsunternehmen ihre CO2-Bilanz. ThyssenKrupp Steel hat ein Team installiert, das sich um die Faktoren Effektivität, Effizienz, Ressourcen, Solidarität, Belastungen und Gerechtigkeit kümmert.
Auch werben Unternehmen mit ihren Bemühungen. So verspricht etwa der belgische Hersteller von Dachabdichtungen Derbigum auf der Homepage, "dass unsere Zulieferer gemäß strikter Umweltnormen produzieren".
Firmen reagieren auf Richtlinien und Nachfrage   Firmen reagieren auf Richtlinien und Nachfrage
Nachhaltigkeit durchläuft die gesamte Wertschöpfungskette
Zu überzeugenden Ergebnissen gelangten Forscher der Otto Beisheim School of Management, WHU, in Vallendar. Sie befragten die Leiter des Zentraleinkaufs von mehr als 200 Großunternehmen in Europa, Südamerika und Asien. 70 Prozent hielten den Faktor Nachhaltigkeit für eine Grundvoraussetzung für Profitabilität. "Die weltweit erfolgreichsten Unternehmen nutzen soziale und ökologische Nachhaltigkeit als strategischen Wachstumsmotor entlang der gesamten Wertschöpfungskette", sagt Studienleiter Lutz Kaufmann.
Laut Ulrich Thonemann von der Universität Köln ist "Green Supply Chain" längst unverzichtbar. So hat sich die Europäische Union im Kioto-Protokoll verpflichtet, ihren Ausstoß an Kohlendioxid zu senken, und in bestimmten Branchen den Handel von Emissionsrechten eingeführt. Umweltbewusstsein und wirtschaftliches Handeln wurden miteinander verknüpft. "Ersetzt eine Firma ihren alten Fuhrpark durch neue Fahrzeuge, kann sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der Schadstoffausstoß verringert sich und die Treibstoffkosten ebenfalls."
Doch immer noch wird mancherorts kurzfristiger wirtschaftlicher Erfolg dem Prinzip Nachhaltigkeit vorgezogen. Denn nicht selten kostet Umwelttechnologie Geld. "Das ist das Spannungsfeld, in dem sich alle Unternehmen bewegen. Deshalb gibt es immer noch einen Trend dahin, dass Firmen ihre dreckigen Werke nach Asien verlagern", hat der Wissenschaftler beobachtet.
  • FTD.de, 13.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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