Tarja Halonen, Präsidentin Finnlands, steht trotz Stichwahl vor ihrer zweiten Amtszeit
Zwar verfehlte sie am Sonntag im ersten Wahlgang knapp eine Mehrheit von 50 Prozent. Doch mit einem Abstand von rund 25 Prozentpunkten zum nächsten Gegner, dem konservativ-liberalen Sauli Niinistö, dürfte die Stichwahl in zwei Wochen nur Formsache sein.
Die kleine, kräftige Frau mit den roten Haaren ist typische Sozialdemokratin. Die Juristin wurde vor 62 Jahren in Kallio, einem Arbeiterviertel von Helsinki, geboren und arbeitete sich vor allem mit sozialpolitischen Themen nach vorn. Ihre Stationen waren Sozial-, Justiz- und Außenministerin, bevor sie Staatspräsidentin wurde. Die beiden letzten Ämter hatte sie als erste Frau ihres Landes inne. Halonen gilt als Bewahrerin. Sie spricht sich dafür aus, den Wohlfahrtsstaat nicht allzu sehr umzubauen und die sicherheitspolitische Neutralität ihres Landes zumindest vorerst nicht zu diskutieren.
Schon als Halonen das erste Mal gewählt wurde, hatten es die Gegner schwer, Argumente gegen sie zu finden. Einige warfen ihr vor, dass sie in "wilder Ehe" lebte. Ihr früheres Engagement als Vorsitzende von SETA, der Interessenorganisation der Schwulen und Lesben in Finnland, störte die Konservativen im Land.
Wahlkampf ohne Kritik
Mittlerweile ist die Staatspräsidentin verheiratet. Ihr SETA-Engagement sah sie als politische Aufgabe; selbst ist sie nicht homosexuell. Nennenswerte Kritik gab es in diesem Wahlkampf kaum. Vielleicht hat ihr genutzt, dass sie nie bedeutende Positionen in ihrer Partei innehatte und so leichter Finnen erreichen konnte, die traditionell konservativ stimmen.
Auch was ihre Interessen angeht, ist für jeden etwas dabei: Halonen geht gern ins Theater, malt und ist im Beirat des finnischen Sportgymnastikverbunds.
Das finnische Staatsoberhaupt muss sich wie das deutsche auf repräsentative Funktionen beschränken. Halonen beteiligte sich als "Mutter der Nation" an öffentlichen Diskussionen. Durch die direkte Wahl und die starke Stellung, die die Präsidentin in der öffentlichen Debatte einnehmen kann, ist die Abstimmung mehr als nur ein Stimmungsindikator.
Halonen hat ihrem kleinen Land relativ viel internationale Aufmerksamkeit beschert. Als eines der wenigen weiblichen Staatsoberhäupter wurde sie in der internationalen Presse häufig als Beispiel herangezogen, wenn es um Frauen in der Politik ging.
Diese Rolle allerdings hat sie vermutlich schon vor ihrer Wiederwahl verloren: Die Deutsche Angela Merkel zählt als Regierungschefin einfach mehr.