Taumelnde Märkte:Die Schlüsselfiguren der Finanzkrise
In den USA und Europa geraten Banken in Existzenznot, jenseits des Atlantiks droht sogar das gesamte bisherige Immobilienfinanzierungssystem zusammenzubrechen. Politiker und Notenbanker versuchen gegenzusteuern. FTD-Online stellt die wichtigsten US-Akteure vor – von Bernanke bis Schumer.
Was schon seit der Fastpleite von Bear Stearns für Investmentbanken gilt, gilt jetzt auch für Fannie Mae und Freddie Mac: Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) stellt den beiden Hypothekenfinanzierern ihr Diskontkreditprogramm zur Verfügung, das normalerweise nur reguläre Geschäftsbanken als Refinanzierungsquelle nutzen können. Der Zentralbankrat unter Fed-Chef Bernanke in Washington ermächtigte die Fed von New York in der Nacht, bei Bedarf entsprechende Kreditlinien verfügbar zu machen.
Eigentlich ist der US-Finanzminister als Ex-Chef von Goldman Sachs ein radikaler Liberalisierungsverfechter. Angesichts der Tragweite, die die Krise jetzt erreicht hat, muss er aber über seinen Schatten springen. Sein Ministerium kündigte an, den Kreditrahmen für Fannie Mae und Freddie Mac von derzeit 2,25 Mrd. $ vorübergehend anzuheben. Zudem will die Regierung falls nötig erstmals auch Anteile der staatlich geförderten Unternehmen kaufen. An eine komplette Verstaatlichung denkt Paulson nicht - noch nicht.
Die Chefin der US-Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) warnt in immer kürzeren Abständen vor immer mehr Bankenpleiten. Derzeit führt die FDIC, die auch Aufsichtskompetenzen hat, 90 US-Banken auf ihrer Problemliste - Ende 2007 waren es noch 76. Bisher sind von den 8533 Geschäftsbanken und Sparkassen, die der FDIC unterstehen, 2008 nur vier pleitegegangen nach drei 2007. Bedroht sind laut Bair vor allem kleinere und mittelgroße Kreditinstitute.
Der Ex-Chef der Federal Reserve von St. Louis könnte sich auch zurückhalten. Seine Aussage aber, Freddie Mac und Fannie Mae seien de facto pleite, kostete die Aktien der Hypothekenfinanzierer vergangene Woche binnen zwei Tagen die Hälfte ihres Werts. Im Januar, kurz vor seinem Abschied von der Fed, hatte der heutige Berater der Investmentgesellschaft Merk als einziger im Offenmarktausschuss gegen die außerplanmäßige Zinssenkung um 75 Basispunkte votiert. Er hält die Inflationsgefahr bei Weitem für zu groß.
Der Senator aus New York ist ein Demokrat par excellence: für das Recht auf Abtreibung, gegen Waffenbesitz für alle. Zudem ist er ein Verfechter harter Regulierung: Im Senat forderte er jüngst, dass sich die Ratingagenturen aufspalten sollen in einen Teil, der von Investoren und einen, der von Emittenten bezahlt wird. Ende Juni hatte er Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Indymac geäußert. Die Folge: Die Kunden räumen ihre Konten, die größte Pleite einer US-Bank seit 1984 ist perfekt.
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