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Merken   Drucken   11.04.2008, 07:00 Schriftgröße: AAA

Thomas Bach - Der Mann, den die Chinesen mögen

Der deutsche Sportfunktionär Thomas Bach wettert gegen die Proteste und stützt wirtschaftliche Interessen in China. von Jens Weinreich (Peking)
Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hat eine eindeutige Meinung zu den antichinesischen Demonstrationen in Paris und London beim olympischen Fackellauf: "Es ist erschreckend, wie mit Gewalt ein Symbol angegriffen wird, das für Verständigung stehen sollte", zürnte Bach, der als Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) agiert. Zu den Menschenrechtsverletzungen in Tibet und anderswo in China hat das FDP-Mitglied Bach selten so klare Worte gefunden.
Bach, der hauptberuflich als Wirtschaftslobbyist agiert und in zahlreichen Aufsichtsräten von Firmen sitzt, die in China Geschäfte machen, wird selbst mit der Fackel laufen: im Juni, irgendwo in Westchina. Mehr ist nicht bekannt. Mehr verrät Bach auch nicht. Er sagt nie zu viel, eher zu wenig. Fragt man nach seinen wirtschaftlichen Tätigkeiten und eventuellen Interessenkonflikten mit seinen sportlichen Funktionen, die ja als Ehrenämter gelten, lässt er gern Anwälte antworten und verbittet sich "Ausforschungsfragen".
IOC-Vize Thomas Bach zu den Protesten: "Mit Gewalt wird ein ...   IOC-Vize Thomas Bach zu den Protesten: "Mit Gewalt wird ein Symbol angegriffen"
Warum Bach unbedingt die Fackel tragen will, darüber wird wild spekuliert. Peter Danckert (SPD), den als Chef des Bundestags-Sportausschusses eine herzliche Abneigung mit Bach verbindet, orakelte kürzlich über "private Gründe". Bach ist unter anderem Aufsichtsratschef der Weinig AG, die sehr aktiv ist in China. Er sitzt im Verwaltungsrat der Siemens Schweiz AG, vertritt Interessen kuwaitischer Investoren und ist Chef der Ghorfa, der arabisch-deutschen Handelskammer. Das weiß auch Danckert. Bach konterte Danckerts Bemerkung mit der Behauptung, der Politiker verabschiede sich von demokratischen Spielregeln.
Bilderserie Bilderserie: Chinas PR-Desaster
Ins IOC wurde Bach nie wirklich gewählt, sondern nur kooptiert. Und als er 2006 deutscher Sportbund-Präsident wurde, gab es auch keine echte Wahl. Der ehemalige Fecht-Olympiasieger verlangte damals, dass ein von ihm handverlesenes Präsidium nominiert wurde. Die "FAZ" attestierte "Defizite in Sachen Demokratie und Transparenz".
Bilderserie Bilderserie: Olympia und Politik
Während Deutschland über Peking diskutiert, treibt den Sportfunktionär wohl anderes um: Es könnte sein, dass IOC-Präsident Jacques Rogge  im Oktober 2009 seine Amtszeit nicht verlängert. Bach hat sich in Position gebracht. In der Wirtschaft und im Sport.
Bach war es, der eilig und bedingungslos verfügte, dass Deutschland die Spiele in Peking nicht boykottiert. Vielleicht war es Zufall, dass der Fackellauf nicht durch Deutschland führt und es somit hier keine Proteste geben kann. Bach allerdings kennt keine Zufälle.
  • FTD.de, 11.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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