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Merken   Drucken   17.10.2007, 19:27 Schriftgröße: AAA

Töchter der deutschen Wirtschaft (3): Sophia von Rundstedt: Gesundes Ego, dickes Fell

Ab 2008 wird sie die Personalberatung Von Rundstedt & Partner führen. Auf dem Weg an die Spitze musste die Juristin viel Überzeugungsarbeit leisten. Vor allem in der eigenen Familie. von Ruth Fend (Frankfurt)
Unterschätzen sollte man die junge blonde Frau nicht. Sophia von Rundstedt mag ein charmantes Lächeln haben und große blaue Augen - aber sie hat auch deutliche Führungsansprüche. "Ich bin das Alphatierchen", sagt die 35-Jährige selbstbewusst mit Verweis auf ihren Bruder. Und: "Ich habe ein gesundes Ego und ein dickes Fell - das hat mein Vater, und ich hab es auch."
Sophia von Rundstedt   Sophia von Rundstedt
Das dicke Fell wird Sophia von Rundstedt brauchen: Zum 1. Januar 2008 wird sie Geschäftsführerin der Personalberatung Von Rundstedt & Partner, neben ihrem Vater als Vorsitzenden und einer familienfremden Geschäftsführerin. Ab 2011 will sich Eberhard von Rundstedt aus dem operativen Geschäft zurückziehen und Sophia zum 35-jährigen Firmenjubiläum die Verantwortung für die 325 Mitarbeiter übertragen.
Dass so ein Generationswechsel kein Zuckerschlecken ist, dürfte niemand besser wissen als die von Rundstedts. Der Kernbereich ihrer Beratungsfirma ist das sogenannte Outplacement - eine abstrakte Umschreibung dafür, dass die Personalberatung Unternehmen hilft, sich ihres Führungspersonals zu entledigen. Auf diesem Gebiet ist Eberhard von Rundstedts Firma Branchenführer. Jetzt also erwischt es ihn selbst, den Gründer. "Ich glaube schon, dass das schwer wird für ihn. Er hat das Gefühl, er ist da mittendrin", sagt Sophia von Rundstedt sorgenvoll.
In das Familienunternehmen findet sie selbst über Umwege: Sie versucht sich erst als Anwältin in New York und Berlin, danach bei einer kleinen strategischen Unternehmensberatung. Umso entschlossener verfolgt sie seit gut einem Jahr ihren Weg an die Spitze.
Denn die Juristerei, die war nichts für die lebendige Sophia von Rundstedt. Zwar quält sie sich nach ihrem Master of Laws in Georgia noch durch das anspruchsvolle amerikanische Bar Exam und schlägt den Rat des Absolventenberaters aus Papas Unternehmen in den Wind, der warnte: "Sophia, dir liegt es nicht, anderen zuzuarbeiten." Die Erkenntnis dringt in der internationalen Anwaltssozietät White & Case in Berlin zu ihr durch. "Als bessere Sachbearbeiterin im Hinterzimmer war ich todunglücklich", erinnert sie sich. Trotzdem nimmt ihr damaliger Vorgesetzter, Andreas Pochhammer, die "kleine Juristin" schon als "profilierte Frau mit Ausstrahlung" wahr, als "eine, die sich im Leben schon durchsetzen kann und Erfolg haben wird".
Aber lieber nicht in einer Großkanzlei. Einen Ausweg bietet Metropolitan Consult, eine strategische Unternehmensberatung für Nischen wie öffentlichen Verkehr. Sophia lernt, sich in Schaubildern auszudrücken und Gutachten zu Wärmedämmung und Rohrtechniken zu erstellen. "Sie war richtig offen für alles, kreativ, originell, verrückt. Es hat Spaß gemacht, mit ihr zu arbeiten", sagt Metropolitan-Gründerin Elisabeth von Weizsäcker. "Sie hatte damals ganz kurze Haare, trug kurze Röcke, kam immer flott daher."
Das flotte Mädel fiel auch einem Kollegen auf, den Sophia als "sehr konservativ" bezeichnet. Heute ist Wolff von Stutterheim ihr Ehemann und Vater der zweijährigen Tochter Viktoria. Und Sophia sagt jetzt, preußische Tugenden seien ihr wichtig - Disziplin, Anstand, Ehrgefühl.
Als der Mann sich mit dem gemeinsamen Arbeitgeber überwirft, hängt sie zwischen den Stühlen. Auf den naheliegenden Ausweg stößt sie erst eine befreundete Anwältin, ein Schlüsselerlebnis, wie Sophia von Rundstedt sagt: "Sie fragte mich in einem Restaurant‚ warum gehst du denn nicht in euer Familienunternehmen?" Ja, warum eigentlich nicht? Vielleicht weil Vater Eberhard, der Chefberater, sie nie dazu ermuntert? "Er hat nie gesagt: Komm ins Unternehmen!", sagt Sophia, und es klingt noch leicht verletzt. Aber natürlich stellt er sie ein - zunächst als Kundenbetreuerin, dann als Niederlassungsleiterin in Frankfurt. Das macht ihr Spaß - und Appetit auf mehr. Wenn sie eine Niederlassung führen kann, warum nicht auch irgendwann das ganze Unternehmen?
Nur: Der Alte macht sich über eine Nachfolgeregelung so gar keine Gedanken. Und Sophia ist nicht die einzige potenzielle Nachfolgerin. Constantin, einer der jüngeren Brüder, ist kurz nach ihr in den väterlichen Betrieb eingestiegen. "Ihn musste ich auf meine Seite bringen", sagt sie. Nicht so sehr, um ihn als Konkurrenten auszuschalten, sondern als Verstärkung im Buhlen um die Gunst des Vaters.
Um ihn ins Boot zu holen, nimmt sie Constantin mit zum Nachfolgeforum des Bunds für Junge Unternehmer - mit Erfolg. Sophia von Rundstedt: "Er sagte: ,Ich stehe voll hinter dir und freue mich auf die gemeinsame Arbeit‘"- und zwar mit ihr an der Spitze. "Gemeinsam mit meinem Bruder bin ich zu unserem Vater gegangen, und wir haben ihn davon überzeugt, dass wir uns diesem Nachfolgeprozess zusammen stellen müssen." Und dass auch sie, die Personalmanager, sich dabei beraten lassen sollten. So weit geht ihre Strategie auf.
Herausforderungen liegen aber noch vor ihr - zum Beispiel, sich als neue Chefin gegenüber den Mitarbeitern zu behaupten. Eine gute Atmosphäre sei ihr wichtig, sagt sie, auch müsse sie nicht immer ganz vorn stehen und strahlen, aber: "Man kann irgendwann nicht mehr nur Team-Player sein, sondern muss Verantwortung übernehmen." Das gilt wohl auch für den Umgang mit anderen Alphatieren - wie dem Vater, oder dem Ehemann, der ein sehr viel kleineres Familienunternehmen als das ihre führt. Die E-Mail ihres Vaters an die Mitarbeiter, dass sie Geschäftsführerin wird, wollte Sophia dem Gatten zunächst gar nicht zeigen.
Jetzt habe sie aber seinen vollen Rückhalt, sagt sie, er sei stolz auf sie. Emanzipieren, findet Sophia, müssen sich Frauen zuallererst im eigenen Familien- und Freundeskreis.
  • Aus der FTD vom 18.10.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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