Es ist schon erstaunlich, was mit den Begriffen "traditionell" auf der einen Seite und "digital" auf der anderen Seite sofort assoziiert wird. Es sind dies Gegensatzpaare wie Offline und Online, wie alt und gestern versus neu und morgen, wie menschliches Verhalten und Einstellungen von gestern versus Digital Natives bis hin zu einem methodologischen Paradigmenwechsel weg von der Methode des Fragens hin zu der Methode des Beobachtens und Zuhörens. Die Dichotomien vermitteln fast das Gefühl, als stoßen hier zwei unvereinbare Welten aufeinander oder noch schärfer formuliert: Als trennt sich eine neue Welt unvereinbar von einer alten und überholten Welt.
Technologie ändert sich, Menschen weniger
Dieses Schwarz-Weiß-Denken führt dann auch manchmal zu Vorstellungen, als gäbe es in Zukunft den neuen Menschen, als seien genetische Gegebenheiten, sozialpsychologische Erkenntnisse nichts mehr wert. All denen, die in diese Richtung denken und agieren, sei gesagt: Die Menschen werden auch in Zukunft Ruhephasen und Phasen des "lean back" benötigen. Sie werden Entspannung und Anregung benötigen, kommunizieren wollen, vertrauen wollen und vor allem benötigen sie Orientierung. Informationsüberflutung ohne Struktur, informationelles Chaos schafft durch die damit verbundene Orientierungslosigkeit überforderte, kranke Menschen. Information ohne Vertrauen in Richtigkeit und Wahrheitsgehalt verunsichert. Die Menschen haben sich in ihren Strukturen und Bedürfnissen weit weniger verändert, als dies die Technologie und als dies die Formen der Kommunikation getan haben.
Bei den Menschen wie bei der Marktforschung heißt es nicht "traditionell oder modern / digital", sondern für die Zukunft der Marktforschung muss es heißen: Tradigital.
Was bedeutet das?
Ein Kunstwort und gleichzeitig die notwendige und sinnvolle Realität, wie sich Menschen organisieren, zurechtfinden und weiterentwickeln werden. Es gehört bereits auch zur Realität für Marketing und Markenführung und ist damit die Realität zukünftiger Marktforschung. Tradigital: Die Verbindung von traditionellen Verfahren der Markt-, Meinungs- und Sozialforschung mit neuen, Web 2.0 oder digital getriebenen Verfahren.
Man ist geneigt zu sagen: "best of two worlds" und genau dies ist schon wieder falsch. Es gibt diese zwei Welten nicht, sondern sie werden künstlich medial erzeugt. Tradigital ist letztlich "best of one new world": Wie sie schon ist und wohin sie sich verändern wird.