Moralisches Dilemma
Der Wissenschaftler sieht den Knackpunkt deutlich: "Wenn ein Unternehmen zu einem Übernahmekandidaten wird, sind Vorstandschefs einem moralischen Dilemma ausgesetzt. Sie haben einen direkten Einfluss auf Maßnahmen, die einen persönlichen Vorteil bringen können, und dies möglicherweise auf Kosten der Aktionäre. Deshalb ist die relative Höhe von goldenen Fallschirmen für Vorstandschefs - und nicht ihr bloßes Existieren - von Bedeutung."
Fakt sei, dass Vorstandschefs sich anders verhielten, wenn ein goldener Fallschirm sie bei einer Übernahme vor einem hohen Verlust ihres persönlichen Vermögens bewahre. Wenn sie jedoch dem Verlustrisiko voll und ganz ausgesetzt seien und nur eine niedrige Abfindung erhielten, sei es eher unwahrscheinlich, dass sie einer Übernahme überhaupt zustimmten. Ein zu großzügige Abfindung könne deshalb dazu führen, dass sie einen Verkauf des Unternehmens unabhängig vom Akquisitionspreis so schnell wie möglich durchzögen, so Tran.
Weltweit gesucht: Ethikleitbilder für Manager
Die Abschiedsvergütungen waren zuletzt in Großbritannien erneut in die Kritik geraten, nachdem der britische Wirtschaftsminister Vince Cable dazu Stellung genommen hatte. Er geißelte Vorstände, die ihre Pflichten vergäßen, sobald ihnen ein dicker Scheck in Aussicht gestellt werde. Cable will deshalb die Regeln überprüfen, nach denen entsprechende finanzielle Anreize in Managerverträgen festgelegt werden.
Auch in den USA gibt es Bemühungen, die Managervergütungen nicht ausufern zu lassen. Vor allem bei Unternehmen, die nach der Finanzkrise staatliche Hilfen erhielten, sind Teile der Entgelte inzwischen durch die Obama-Regierung gedeckelt worden.