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Merken   Drucken   13.04.2011, 12:00 Schriftgröße: AAA

Übernahme-Folgen: Bereichern sich CEOs auf Kosten der Aktionäre?

Wird eine Firma übernommen, muss der Vorstandschef häufig gehen. Wer eine dicke Abfindung zu erwarten hat, verkauft das Unternehmen jedoch häufig unter Wert. Die Folgen tragen die Aktionäre. von Sabine Meinert 
Jüngste Forschungsergebnisse der Cass Business School der City University London zeigen: US-Spitzenmanager, denen großzügige Abfindungen in Aussicht gestellt werden, neigen dazu, ihre Firmen bei Übernahmen unter Preis zu verkaufen. Das kostet die Aktionäre unter Umständen Millionen. Der goldene Handschlag zum Abschied, der in den meisten Verträgen vereinbart wird, ist also eher eine schlechte Investition.
Top-Manager sind bei Übernahmen durch eine Abfindung abgesichert   Top-Manager sind bei Übernahmen durch eine Abfindung abgesichert
Der Studie zufolge geben sich die Vorstandschefs schlicht und einfach mit niedrigen Akquisitionsprämien zufrieden. Sie spekulieren vielmehr auf die in ihren Verträgen festgelegten Kompensationszahlungen und achten weniger auf das Geschäft. Ganz klar: Der Eigennutz überwiegt, die Interessen der Aktionäre spielen offenbar eine untergeordnete Rolle.
Eine Viertelmilliarde Dollar weniger
Der Forscher Anh Tran von der Cass Business School, der zusammen mit Eliezer Fich und Ralph Walkling vom LeBow College of Business an der Drexel University in Philadelphia die Studie durchführte, kann sogar Zahlen nennen. Die Analyse von 850 Akquisitionen in den USA zwischen 1999 und 2007 ergab: In der Regel verkauften die auf "goldene Fallschirme" abonnierten Vorstandschefs ihre Unternehmen um 249 Mio. Dollar (rund 180 Mio. Euro) unter Wert. Oder: Wird die Abfindung für den Fall einer Akquisition um zehn Prozent gegenüber dem Fusions-Vergütungspaket angehoben, dann fällt die Akquisitionsprämie um fünf Prozent niedriger aus. Das bedeutete in den untersuchten Fällen im Schnitt einen Ausfall von 249 Mio. Dollar.
Den Studienautoren zufolge zeigt das, dass sich Führungskräfte durch höhere Abfindungen dazu verleiten lassen, die Interessen der Aktionäre aufs Spiel zu setzen. "Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass eine höhere Absicherung der Vorstandschefs gegen persönliche Verluste durch relativ hohe Abfindungen mit ungünstigeren Akquisitionsbedingungen für Aktionäre einhergeht", sagt Anh Tran.
Moralisches Dilemma
Der Wissenschaftler sieht den Knackpunkt deutlich: "Wenn ein Unternehmen zu einem Übernahmekandidaten wird, sind Vorstandschefs einem moralischen Dilemma ausgesetzt. Sie haben einen direkten Einfluss auf Maßnahmen, die einen persönlichen Vorteil bringen können, und dies möglicherweise auf Kosten der Aktionäre. Deshalb ist die relative Höhe von goldenen Fallschirmen für Vorstandschefs - und nicht ihr bloßes Existieren - von Bedeutung."
Fakt sei, dass Vorstandschefs sich anders verhielten, wenn ein goldener Fallschirm sie bei einer Übernahme vor einem hohen Verlust ihres persönlichen Vermögens bewahre. Wenn sie jedoch dem Verlustrisiko voll und ganz ausgesetzt seien und nur eine niedrige Abfindung erhielten, sei es eher unwahrscheinlich, dass sie einer Übernahme überhaupt zustimmten. Ein zu großzügige Abfindung könne deshalb dazu führen, dass sie einen Verkauf des Unternehmens unabhängig vom Akquisitionspreis so schnell wie möglich durchzögen, so Tran.
Weltweit gesucht: Ethikleitbilder für Manager
Die Abschiedsvergütungen waren zuletzt in Großbritannien erneut in die Kritik geraten, nachdem der britische Wirtschaftsminister Vince Cable dazu Stellung genommen hatte. Er geißelte Vorstände, die ihre Pflichten vergäßen, sobald ihnen ein dicker Scheck in Aussicht gestellt werde. Cable will deshalb die Regeln überprüfen, nach denen entsprechende finanzielle Anreize in Managerverträgen festgelegt werden.
Auch in den USA gibt es Bemühungen, die Managervergütungen nicht ausufern zu lassen. Vor allem bei Unternehmen, die nach der Finanzkrise staatliche Hilfen erhielten, sind Teile der Entgelte inzwischen durch die Obama-Regierung gedeckelt worden.
Vergütungsstudie Deutschlands bestbezahlte Vorstandschefs
In Deutschland wurde Ende 2010 ein "Leitbild der Manager für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft" auf den Weg gebracht. Es ist jedoch eine Selbstverpflichtung, die allgemein dem Vertrauensverlust Menschen gegenüber der Wirtschaft entgegenwirken soll. Bisher haben die Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführer von gut 20 deutschen Unternehmen das Papier unterschrieben. "Wir müssen uns mehr am Gemeinwohl orientieren und weniger Eigeninteressen verfolgen", sagte Jürgen Hambrecht, Vorstandschef von BASF, bei der Unterzeichnung.
Überzogene Managergehälter, Boni und Prämien gelten hierzulande seit der Finanzkrise als explosives Thema. Die Gier der Top-Führungskräfte sei einer der Auslöser der Krise und damit auch Grund für die milliardenschweren Rettungspakete des Staates, so die gängige Meinung.
Weitere Informationen unter: www.cass.city.ac.uk, www.lebow.drexel.edu
  • FTD.de, 13.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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