FTD.de » Management + Karriere » Management » Alle Chancen verspielt

Merken   Drucken   08.07.2008, 19:21 Schriftgröße: AAA

Übernahmeofferten: Alle Chancen verspielt

Dossier Yahoo-Chef Yang steht sich selbst im Weg. Statt sein Lebenswerk an Microsoft zu verkaufen, ignoriert er die Avancen hartnäckig - und manövriert sich immer mehr ins Abseits. Die Front seiner Gegner wird breiter. von Arndt Ohler und Martin Ottomeier
Für Jerry Yang dürfte es ein eher unangenehmer Ausflug nach Idaho werden. Im Sun Valley treffen sich derzeit die Top-Technologie- und Medienmanager auf Einladung der Investmentbank Allen & Co. Zu Gast sind auch all diejenigen, die mit dem Kauf des einen oder anderen Teils von Yahoo  liebäugeln: News-Corp.-Chef Rupert Murdoch , Jeffrey Bewkes von Time Warner , Bill Gates  von Microsoft  mit dem Deal-Spezialisten des Softwarekonzerns Henry Vigil. Yang aber will nicht verkaufen und steht damit zunehmend im Abseits.
Jerry Yang, Co-Gründer von Yahoo, bleibt hart   Jerry Yang, Co-Gründer von Yahoo, bleibt hart
Unerklärlich scheint nicht nur vielen Managern Yangs hartnäckiger Widerstand gegen die 47 Mrd. $ schwere Übernahmeofferte von Microsoft. Die Kombination aus Microsofts Finanzkraft und Yahoos Marktposition - so könnte ein echter Rivale für Google entstehen. Anfang Februar veröffentlichte der Softwarekonzern sein Angebot. Danach gab es mehrere Gespräche zwischen Microsoft-Chef Steve Ballmer  und Yang. Ballmer stockte den Kaufpreis auf, alternative Formen der Zusammenarbeit wurden durchgesprochen. Doch Yang bleibt hart. Er will nicht verkaufen. Der Kaufpreis sei zu gering, wird er nicht müde zu wiederholen.
Umsatz von Google und Yahoo   Umsatz von Google und Yahoo
Diese Haltung kommt jedoch immer weniger an. Mit Carl Icahn  hat sich ein gefürchteter Investor in das Unternehmen eingekauft, der seitdem die Ablösung von Yang betreibt. Dieser habe den Verkauf an Microsoft "verbockt", so Icahn. Auf der Anfang August stattfindenden Hauptversammlung will Icahn das bestehende Aufsichtsgremium durch eigene Leute ersetzen. Dann solle Yang durch einen "talentierten und erfahrenen" Firmenchef ersetzt werden - eine offene Demütigung. Joe Nocera, renommierter Businesskolumnist der "New York Times", fordert bereits den Kopf des Yahoo-Chefs. "Wäre ich ein Zocker, würde ich darauf setzen, dass deine Tage als Yahoo-CEO gezählt sind", prophezeite der Kolumnist bereits Mitte Juni.
Auch unter anderen Aktionären regt sich Kritik. "Ich bin extrem sauer auf Jerry Yang und das sogenannte unabhängige Board", sagte Gordon Crawford im Mai. Er ist Portfoliomanager bei Capital Research, dem größten Yahoo-Anteilseigner. Kürzlich traf sich Craford mit Yang. Der Investor würde "ernsthaft in Erwägung ziehen", gegen das bestehende Yahoo-Aufsichtsgremium zu stimmen, berichtet der Blog AllThingsD, der mit dem "Wall Street Journal" verbunden ist, über die Unterredung.
Mittlerweile wird Icahn offen von Microsoft unterstützt. Mit einem neu gewählten Board will der Softwarekonzern wieder verhandeln. Das könnte die Bedenken des drittgrößten Yahoo-Anteilseigners Legg Mason besänftigen. Der Investor ist bislang unentschlossen, da Icahn keinen Alternativplan hat.
Kursinformationen und Charts
  Yahoo 15,36 USD  [0.01 +0,07%
Yang scheint zu spüren, dass jede weitere Ablehnung der Microsoft-Avancen seiner Glaubwürdigkeit schadet. Er flüchtet sich ins Pathetische: "Ich blute Lila, und ich blute Yahoo", sagte Yang Ende Mai in Anspielung auf Yahoos Unternehmensfarbe während eines IT-Kongresses. Er sei die richtige Person, um den Turnaround und die nächste Wachstumswelle anzutreiben, beschwörte er die Anwesenden - die Crème de la Crème der Branche. Die Worte mögen kämpferisch geklungen haben. Tatsächlich aber wirkte Yang bei diesem Auftritt niedergeschlagen und wenig enthusiastisch - hatte er diese Form von Selbstmarketing nötig? Sollte Yang bald abtreten, wäre er gescheitert. Dabei gibt es erfolgreiche Beispiele, wie Gründer ihren Unternehmen neuen Schwung verleihen können. So kamen etwa Apple-Pionier Steve Jobs und der Computerbauer Michael Dell zurück, bewiesen erneut Mut und richteten ihre Unternehmen neu aus. Apple  wurde unter Jobs zu einer zweiten Erfolgsgeschichte. Der Manager überarbeitete die Produktpalette, mit dem iPod betrat er ein komplett neues Geschäftsfeld. Dell startete den PC-Verkauf über den Einzelhandel, obwohl er das Unternehmen mit dem Direktvertrieb groß gemacht hatte.
Yangs Kampf gegen Microsoft dürfte auch in Idaho auf Interesse stoßen. Eine unangenehme Begegnung bleibt Mr. Yahoo dabei erspart: Der gefürchtete Carl Icahn steht nicht auf der Gästeliste.
16:13:59 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Yahoo 15,36 USD   +0,07%  0.01
  • Aus der FTD vom 09.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote