Der britische Ölkonzern BP verliert seine ranghöchste Managerin: Vivienne Cox, die im Vorstand den Bereich alternative Energien verantwortet, verlässt laut einer internen Mitteilung das Unternehmen zum Ende des Monats. von Ed Crooks (London)
Ihre Nachfolgerin wird Katrina Landis, die bislang ihre Stellvertreterin war. Cox hatte zuvor die größere Sparte für Gas, Strom und erneuerbare Energien geführt. Nachdem Tony Hayward vor zwei Jahren die BP-Führung übernommen hatte, wurde dieser Geschäftsbereich aber im Zuge einer Umstrukturierung aufgeteilt. Zum Geschäftsbereich alternative Energien gehören unter anderem Biokraftstoffe, Windparks und die Herstellung von Solarmodulen
Die 49-jährige Cox gilt als eine der einflussreichsten Managerinnen Europas. Nach wie vor finden sich in den Führungsetagen großer europäischer Konzerne nur wenig Frauen. Vor Kurzem ist bereits Linda Cook, die ranghöchste Managerin beim BP-Wettbewerber Royal Dutch Shell, von ihrem Posten zurückgetreten. Avivah Wittenberg-Cox, Beraterin und Herausgeberin von Women-omics, sagte, die Abwanderung weiblicher Mitarbeiter bei BP und Shell "droht Frauen abzuschrecken, künftig in der Öl- und Gasbranche zu arbeiten".
Vivienne Cox
Cox hat ihr ganzes Berufsleben bei BP verbracht. Sie begann im Chemiebereich, wechselte 1985 in die Exploration und 1987 in die Finanzsparte. Dort war sie federführend für den Verkauf der BP-Aktien, die noch im Staatsbesitz gewesen waren. Später rief sie eine Abteilung für den Handel mit Rohstoffderivaten im Mineralölsektor ins Leben und trieb die Entwicklung neuer Geschäftsfelder in Mittel- und Osteuropa voran.
Familienleben und Job waren für Cox aber offenbar nicht leicht unter einen Hut zu bringen. In einem Zeitungsinterview sagte sie im Jahr 2006 über die Anforderungen, die ihre Arbeit und ihre Kinder an sie stellen: "Wenn das aus dem Gleichgewicht gerät und ich nicht genug Zeit für meine Kinder habe, dann werde ich vollkommen ineffektiv."
Umweltschützer werfen BP vor, dem Slogan "Beyond Petroleum" (Mehr als Öl) nicht gerecht zu werden. Der Slogan wurde 2000 unter dem damaligen Konzernchef John Browne eingeführt, und Hayward hat ihn beibehalten. Das Unternehmen betont, man habe das Engagement für alternative Energien nicht zurückgefahren. Dennoch erwirtschaftet BP nach wie vor fast den gesamten Umsatz mit den Kernbereichen Öl und Gas.
2005 plante der Konzern, bis 2015 8 Mrd. $ in alternative Energien zu investieren. Bis jetzt liegt BP über Plan. Dennoch werden die Investitionen, die im Geschäftsjahr 2007/08 deutlich gestiegen sind, jetzt wieder zurückgefahren. Zudem spart BP im Solargeschäft Kosten ein. In der Sparte wurden Stellen abgebaut und Anlagen in Spanien, Australien und den USA geschlossen.
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