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Merken   Drucken   28.09.2010, 06:00 Schriftgröße: AAA

Unternehmensführung: Konzern sucht CEO (m/w), Branchenkenntnis unnötig

Eine Karriereweisheit lautet: Wer nach oben will, sollte alle paar Jahre den Job wechseln. Top-Manager befolgen sie, denn die Chefs treten häufig einen neuen Posten an - und das gerne in Branchen, die sie gar nicht kennen. Dabei hilft: Testosteron. von Malte Laub, Hamburg
Wie hoch sein Testosteronspiegel ist, weiß Daniel Akerson wahrscheinlich selbst nicht. Und wie hoch er vor seiner Geburt war, dürfte dem neuen Chef von General Motors erst recht unbekannt sein. Akerson hat andere Probleme als seinen Hormonhaushalt - er muss einen der größten Autokonzerne der Welt führen. Aber sehr wahrscheinlich war der Testosteronspiegel hoch.
"Die Forschung steckt zwar noch in den Kinderschuhen", sagt Martin Reuter, Psychologe und Neurowissenschaftler an der Uni Bonn, "aber man kann davon ausgehen, dass biologische Faktoren zu den häufig autoritären, dominanten und entscheidungsfreudigen Führungsstilen der Manager beitragen." Ein heißer Kandidat dafür sei das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Je höher die Konzentration, desto größer die Alphamännchen- oder Alphaweibchenqualitäten - denn auch Frauen besitzen Testosteron. "Interessant ist, dass vor allem der Testosteronspiegel vor der Geburt wichtig ist. Er beeinflusst früh in der Entwicklung entscheidend die Differenzierung unseres Gehirns."
Daniel Akerson wechselt gerne mal den Job   Daniel Akerson wechselt gerne mal den Job
Entscheidungsfreude war für Daniel Akerson wichtig. Er stammt nämlich aus der Telekommunikationsbranche, war Chef der General Instrument Company, wechselte dann an die Spitze von Nextel Communications, übernahm danach den Chefsessel von Xo Communications, bevor er zum Finanzinvestor Carlyle ging. Nun also ein Autokonzern.
Akerson dürfte durchaus fundierte Kenntnisse der Telekommunikationsbranche haben. Wie es um sein Autowissen stand, als er den Job antrat, formulierte er aber diplomatisch: "Ich habe mich schnell mit der Autobranche angefreundet." Für die Psychologin und Unternehmensberaterin Claudia Wacker bei der Stuttgarter Personalberatung Dr. Heimeier und Partner ist das aber nicht weiter wichtig: "Top-Management ist im Vergleich zum operativ geprägten mittleren und unteren Management sozusagen 'Management auf der Metaebene': Es geht in erster Line um strategisches Denken und diplomatisches Handeln. Dazu kommt Zeitdruck und eine wahre Informationsflut - es kann also kaum noch um Detailwissen gehen." Die sind ein nettes Extra. "Top-Manager müssen heutzutage Visionäre sein", sagt auch Jürgen Herget, Geschäftsführer der Münchner Personalberatung JBH-Herget. "Ab einer gewissen Hierarchieebene können sie deshalb die Branchen wechseln, wenn sie abstrahieren können. Zudem kommt es auf klassische Führungsqualifikationen und vor allem soziale Kompetenz an."
Management im Kopf
Mutter Natur begünstigt da manche Menschen mehr und manche weniger. Und zwar nicht nur über die Menge des Testosterons im Blut. Veranlagungen lassen sich auch im Hirn ausmachen. Auf diesem Gebiet forscht Christian Elger, Professor für Neurologie an der Uni Bonn. „Um eines klarzustellen: Es gibt kein Manager-Gen. Es können aber minimale Veränderungen an Bestandteilen der DNA bestimmte Eigenschaften begünstigen.“ Untersuchungen hätten gezeigt, dass manche Menschen sich kaum zu Glücksspielen reizen ließen. Sie lassen sich nicht von Emotionen packen und pokern drauflos, sondern bleiben in Stresssituationen ruhig und treffen rational Entscheidungen. Auch das Sozialverhalten könne so beeinflusst werden: Manche Mini-DNA-Veränderungen könnten altruistisches Handeln beinahe unmöglich machen, berichtet Elger.
Diese Erkenntnisse bestätigt ein Feldversuch des Bonner Wirtschaftsprofessors Armin Falk unter Volkswirtschaftsstudenten. Ihnen wurde die Möglichkeit gegeben, Geld auf sich und jeweils einen Kommilitonen zu verteilen. Im Normalfall hätten die Studenten zumindest einen kleinen Betrag abgegeben und waren bemüht, das Geld einigermaßen gerecht zu verteilen. Einige Teilnehmer hätten aber nichts abgegeben. „Das sind die potentiellen Manager. Die sagen: Zehn Euro mehr, das ist Gewinn, das ist gut“, erklärt Elger.

Seite 2: Die Leute wollen Helden

  • FTD.de, 28.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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