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16.11.2009, 12:00
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Unternehmensstrategie:
Neue Marktforschung für Open Innovation
Innovation ist eine Kernaufgabe von Markenartiklern - zumindest wenn sie weiter wachsen und bestehen wollen, statt nur vergangenen Ruhm zu verwalten. Aber lässt sich Innovation zielgerichtet organisieren?
von Till Deibele (tns-infratest.com)
Wenn genügend Ideen entwickelt werden, lassen sich echte Innovationen aussieben
Das Paradigma des Innovation-Funnel sagt: Ja! Es muss nur eine ausreichende Anzahl Ideen in einen Innovationstrichter gegeben werden und über einen unternehmensinternen Prozess Schritt für Schritt ausgesiebt und weiterentwickelt werden, bis am Ende das fertige innovative Angebot steht.
Andere sagen: Nein! Innovation ist ein vollkommen offener Prozess. Ergebnisse sind nicht planbar, nicht linear darstellbar und das Ziel ergibt sich auf dem Entwicklungsweg. Diesen Weg beschreitet z.B. die freie Softwareentwicklung und bringt damit auch eindrucksvolle Produkte wie Linux oder OpenOffice.org hervor.
Zwei Punkte sind hierbei klar:
- Der rein auf das Filtern ausgerichtete Innovation-Funnel konzentriert sich zu sehr auf das Minimieren von Risiken, versäumt es dabei Chancen zu eröffnen und erstickt somit manche gute Idee bereits im Keim.
- Eine vollkommen offene Innovationsstrategie, wie in der freien Softwareentwicklung, ist für ein Wirtschaftsunternehmen aber nicht tragbar. Zuviel hängt vom Erfolg der Innovationsprojekte ab und Kapital kann nicht in Aktivitäten investiert werden, für die es keine klaren Verantwortlichkeiten gibt.
Henry Chesbrough, einer der Protagonisten des Open Innovation Paradigma, schlägt deswegen vor, den Innovation-Funnel beizubehalten, aber systematisch zu öffnen. Chesbrough sieht dabei prinzipiell drei Wege der Öffnung: Inside-out Prozesse, Outside-In Prozesse und Coupled Prozesse.
Inside-out-Prozesse
- Inside-out-Prozesse verwerten Ideen, die zwar im Unternehmen entstanden sind, dort aber nicht weiter zur Marktreife gebracht werden können. Manche Ideen sind zu groß oder auch zu klein, andere passen nicht ins strategische Profil.
- Gute Inside-out-Prozesse verhindern das Wegschließen solcher Ideen nach dem Motto: "Wenn wir es nicht tun soll es auch kein anderer tun". In Inside-out-Prozessen wird nach Unternehmen gesucht, die diese Ideen besser vermarkten können, so dass über Lizenzvergaben doch noch Nutzen entsteht.
- Outside-in-Prozesse integrieren Ideen und Fähigkeiten von außerhalb des Unternehmens in den unternehmenseigenen Innovationsprozess. Dies kann das Integrieren fertiger Teillösungen sein, aber auch die externe Vergabe konkreter Entwicklungsprojekte sowie die Integration externer Experten und Konsumenten in die eigene Entwicklungsarbeit.
- Coupled-Prozesse bedeuten die gemeinsame Entwicklung von Innovationen durch verschiedene Unternehmen und gegebenenfalls universitäre oder ähnliche Forschungseinrichtungen. Solche Prozesse treten vor allem auf, wenn Innovationen der Normierung bedürfen, wie zum Beispiel der Strichcode auf Konsumgüterverpackungen, den nicht ein Unternehmen alleine entwickeln und definieren kann, sondern der zwischen Handel, IT-Unternehmen und Herstellern abgestimmt werden muss.
- Aber auch das Co-Branding neuer Produkte kann als Coupled-Prozess beschrieben werden. Beispiele sind Ritter-Sport-Schokolade mit Smarties aus dem Jahr 2001 oder die Kooperation von Alessi und Henkel im Bereich WC-Pflege. Wirklich branchenübergreifend zwischen dem Mobilfunkanbieter Orange und der Firma BIC beim BIC-Phone in Frankreich.
Teil 2: Welcher Öffnungsprozess für welches Unternehmen? - Lesen Sie weiter.
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FTD.de, 16.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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