Hemdsärmelig, das Wort benutzt der IT-Unternehmer gern, für sich und seine Convotis AG. Dabei verkauft die Firma Software. Niemand hier muss fest anpacken oder Kisten schleppen. Trotzdem ist Lange seine Hemdsärmeligkeit heilig, dieses Attribut würde auch viel eher seinem Naturell entsprechen, meint er. Denn Lange hat gelernt: Wenn er zu abgehoben rüberkommt, kauft keiner seine Produkte.
Irritationen beim Kundengespräch
Vor ein paar Jahren war das anders. Nach der Gründung im Jahr 1999 verkaufte und wartete sein Unternehmen unter dem Namen Deutsche Eccplus die Softwaresysteme großer Stromkonzerne. Ein lukratives Geschäft - bis der IT-Gigant SAP eine eigene Software für die Energieriesen auf den Markt brachte. Und Eccplus die Abnehmer davonliefen. Lange musste mit seiner Firma eine 180-Grad-Wende hinlegen, notgedrungen. Dazu entwickelte er ein neues Produkt und wandte sich einer neuen, anspruchsvollen Zielgruppe zu: dem deutschen Mittelstand. Sein Ziel: Lange wollte sich nicht mehr abhängig machen von einigen wenigen Kunden einer bestimmten Branche.
Der Plan ging auf: Heute beschäftigt die Convotis-Gruppe 40 Mitarbeiter und machte 2010 rund 19 Mio. Euro Umsatz. Doch der Weg dahin war lang und teuer. Das neue Produkt war nicht das Problem - sondern die neuen Kunden. "Wir mussten feststellen, dass Mittelständler völlig anders ticken als Konzerne", sagt Lange. Die Firma neu auszurichten sei die eine Herausforderung gewesen, die Unternehmenskultur dem neuen Umfeld anzupassen die andere. Er erinnert sich noch genau an die Tage, in denen er zum ersten Mal in Verkaufsgesprächen bei Mittelständlern saß und nur noch dachte: Was wollen die eigentlich von mir?