Uwe Vorkötter, Chefredakteur der Berliner Zeitung
Er gibt Interviews, trifft sich mit den designierten neuen Besitzern und lässt dabei niemanden im Ungewissen, was er von den Finanzleuten hält: gar nichts. Am Montag räumte der 51-Jährige die Seite drei seiner Zeitung frei und schrieb ein flammendes Plädoyer gegen die Veräußerung an die Fonds.
Unterstützung bekommt Vorkötter dabei von der Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Monika Griefahn. Die SPD-Frau zeigte sich besorgt um die kulturelle Vielfalt, falls das Konsortium unter Führung des Iren David Montgomery den Zuschlag erhalte. Auch der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke sprach sich gegen den Verkauf an die Investorengruppe aus.
Besseres als die Aufmerksamkeit der Gewerkschaften und Politik konnte Vorkötter gar nicht passieren. Zwar gilt er im eigenen Haus und in der Branche als besonnen und unaufgeregt. Keiner, der leicht in Rage zu bringen ist, kein Polterer. Er ist aber auch kein Zauderer. "Vorkötter ist geradlinig, der lässt sich nicht kaufen und hat Prinzipien", sagt einer seiner Redakteure. Dass er sich nicht kaufen lässt, hat der studierte Volkswirt auch dadurch bewiesen, dass er das Angebot der vielleicht schon bald neuen Eigentümer ausschlug, sich mit ein paar Prozent am Verlag zu beteiligen. Das Geld ist ihm inzwischen offenbar egal, stattdessen riskiert er seinen Job. "Darüber denke ich jetzt nicht nach. Meine Loyalität gehört dem Berliner Verlag", sagt Vorkötter.
Seit drei Jahren steht er an der Spitze des Blattes, den größten Teil seiner Laufbahn hat er bei der "Stuttgarter Zeitung" absolviert, wo sich Vorkötter in 22 Jahren zum Chefredakteur hochgearbeitet hat. Wenige Monate nachdem Vorkötter die Leitung der "Berliner Zeitung" übernommen hatte, verkaufte Gruner + Jahr, der damalige Eigentümer und heutige Miteigner der FTD, die Hauptstadtzeitung an den Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag. Das Kartellamt untersagte indes den Deal. Vorkötter genoss plötzlich Freiheiten, von denen die meisten Chefredakteure nicht einmal träumen dürfen. Weder Alt- noch Neueigentümer fühlten sich so recht zuständig, kein Verleger, kein Herausgeber, der hineinredete. Vorkötter senkte den Zeitungsumfang und feilte an der Qualität. Mit Erfolg: Der jahrelange Auflagenverfall wurde gestoppt, das Blatt ist nun profitabel - und dadurch Übernahmeobjekt.