Die Gruppe des Anfang des Monats verstorbenen Industriellen
Adolf Merckle war Ende vergangenen Jahres in eine finanzielle Schieflage geraten. Auf Druck der Gläubigerbanken muss die Familie sich nun von einem Teil ihrer Firmen trennen. Neben dem Baustoffkonzern
Heidelberg Cement gehört der Arzneimittelhändler
Phoenix dazu sowie der Generikahersteller Ratiopharm. Ein Verkauf der Anteile am Pistenraupenhersteller
Kässbohrer gilt hingegen als unwahrscheinlich. Experten zufolge werden die Banken in der jetzigen Wirtschaftslage Geduld aufbringen müssen, bevor sie einen Käufer finden, der bereit ist, einen angemessenen Preis für die Merckle-Firmen zu zahlen.
Der 77-jährige Schneider-Gädicke hat Erfahrung in der Zementbranche und in der Pharmaindustrie gesammelt. Er leitet heute noch den Aufsichtsrat von Teutonia Zement, einer Heidelberg-Cement-Tochter. Er war zudem Aufsichtsrat der Anneliese Zementwerke, bevor diese mit Heidelberg Cement verschmolzen wurden. Über Erfahrungen in der Arzneimittelbranche verfügt er auch, Schneider-Gädicke war vor rund 20 Jahren Aufsichtsrat des Pharmahändlers Anzag.
Die Banken tun sich schwer damit, einen Verwalter für das Merckle-Imperium zu bestimmen. Kandidaten wie der prominente Insolvenzverwalter Jobst Wellensiek sollen abgeschmettert worden sein. "Eine Bank macht einen Vorschlag, eine andere ist dagegen", sagte ein Insider.
Schneider-Gädicke war viele Jahre stellvertretender Vorstandschef der DG Bank - vor deren Fusion mit der GZ-Bank zur DZ Bank. Er legte das Amt im März 1990 nieder, nachdem Rentenhändler wegen dubioser Wertpapiergeschäfte ins Visier der Justiz geraten waren.